Hundefutter-Test: "activa Friends Adult Rind mit Pute" von activa

Wer steckt hinter activa Friends?
activa Friends ist eine Eigenmarke eines großen deutschen Zoofachhändlers, nämlich DAS FUTTERHAUS. Das Unternehmen wurde 1987 gegründet, hat seinen Sitz in Elmshorn (Schleswig-Holstein) und betreibt inzwischen rund 400–440 Märkte in Deutschland und Österreich. Es gehört damit zu den größten Fachhändlern für Tiernahrung im deutschsprachigen Raum.
Die verschiedenen Eigenmarken von DAS FUTTERHAUS – darunter activa Friends, activa GOLD, activa CLASSIC und andere – werden seit 2016 über die ACTIVA Heimtierprodukte GmbH & Co. KG vermarktet. Wer das Futter konkret produziert (also welche Fabrik / welcher Tiernahrungshersteller dahintersteht), wird öffentlich allerdings nicht transparent benannt – typisch für viele Handelsmarken.
Zur Philosophie von activa Friends selbst schreibt der Anbieter unter anderem:
- „für Freunde nur das Beste“
- glutenfreie Rezepturen
- hohe Akzeptanz und Verträglichkeit
- große Sortenvielfalt für Abwechslung im Napf
Alle activa-Friends-Produkte sollen glutenfrei sein, einige Sorten sind zusätzlich komplett getreidefrei.
Spannend nebenbei: Eine andere Trockenfuttersorte der Marke (Adult Hühnchen mit Ente) wurde von ÖKO-TEST 11/2024 mit „sehr gut“ bewertet. Es zeigt, dass die Marke im Testumfeld durchaus positiv auffällt – auch wenn das nicht automatisch bedeutet, dass jede Sorte auf demselben Niveau liegt.
Blick in den Sack: Die Zusammensetzung von Adult Rind mit Pute
Deklarierte Zusammensetzung (in absteigender Reihenfolge, Prozentangaben vom Hersteller):
- Reis 20 %
- Kartoffeln
- frisches Rind 14 %
- Geflügelprotein (dehydriert) 13 %
- Rinderprotein (dehydriert) 12 %
- Geflügelfett
- Rübentrockenschnitzel (entzuckert)
- Putenprotein (dehydriert) 4 %
- Lignocellulose
- Leinsamen 1 %
- Lachsöl 1 %
- Hühnerprotein (hydrolysiert)
- Chicorée 0,5 %
- Bierhefe 0,5 %
- Kaliumchlorid
Was sagen die Zutaten über die Qualität?
Reis (20 %) & Kartoffeln
Die ersten beiden Zutaten sind Kohlenhydratquellen. Reis ist gut verträglich, glutenfrei und für viele Hunde problemlos. Kartoffeln liefern ebenfalls Stärke und etwas Ballaststoffe. Dass Kohlenhydrate an erster Stelle stehen, zeigt aber auch: Das ist kein extrem fleischlastiges Futter, sondern ein klassisches Trockenfutter im mittleren Bereich – mit deutlich spürbarem Anteil an pflanzlicher Stärke.
Frisches Rind 14 %
Frisches Fleisch klingt zunächst super – aber: Beim Trocknen verliert es viel Wasser und „schrumpft“ faktisch. 14 % frisches Rind sind okay, aber als alleinige Fleischquelle wäre das eher mager.
Geflügelprotein (dehydriert) 13 %, Rinderprotein (dehydriert) 12 %, Putenprotein (dehydriert) 4 %
Hier reden wir von getrockneten tierischen Proteinen – vermutlich Mischungen aus Muskelfleisch und Nebenerzeugnissen. „Protein“ ist ein Sammelbegriff; es wird nicht aufgeschlüsselt, welche Teile des Tieres genau verwendet werden (Muskelfleisch, Innereien, ggf. auch minderwertigere Komponenten).
Positiv:Es sind mehrere tierische Quellen enthalten, und der Gesamtanteil an tierischem Protein dürfte dadurch ordentlich sein.
Kritisch:Die Deklaration ist nicht sehr transparent, weil der Hersteller hier nicht offenlegt, welche Teile genau im Sack landen.
Geflügelfett
Reine Energielieferant, liefert zudem essenzielle Fettsäuren und macht das Futter schmackhafter. Völlig in Ordnung.
Rübentrockenschnitzel (entzuckert)
Klassische Faserquelle im Trockenfutter. Entzuckert bedeutet, dass der Zuckergehalt reduziert ist. Rübenschnitzel können die Verdauung unterstützen, werden aber gerne kritisiert, wenn es zu viel ist – hier wirkt die Menge moderat.
Lignocellulose
Eine weitere Ballaststoffquelle (quasi „Holzfaser“). Sie erhöht den Rohfasergehalt und kann das Sättigungsgefühl unterstützen, bringt aber ernährungsphysiologisch wenig „wertvolle“ Nährstoffe. Typisch in Futtern, die den Energiegehalt begrenzen sollen oder auf ein bestimmtes Stuhlvolumen abzielen.
Leinsamen (1 %) & Lachsöl (1 %)
Das sind zwei klare Pluspunkte:
- Leinsamen liefern Omega-3-Fettsäuren und Schleimstoffe, die den Darm unterstützen.
- Lachsöl bringt hochwertige Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) für Haut, Fell und Entzündungsregulation.
Hühnerprotein (hydrolysiert)
Hydrolysiertes Protein ist in kleine Stücke „vorgeknackt“ und dadurch besonders gut verdaulich und oft weniger allergen. Es wird gerne als Geschmacksbooster eingesetzt und kann die Akzeptanz verbessern.
Chicorée (0,5 %) – Inulinquelle
Chicorée enthält Inulin, ein Präbiotikum, das gute Darmbakterien unterstützt. 0,5 % ist kein Rieseneffekt, aber ein netter funktionaler Zusatz.
Bierhefe (0,5 %)
Liefert B-Vitamine, Aminosäuren und Betaglucane. Gut für Fell, Haut und Immunsystem – und viele Hunde mögen den leicht hefigen Geschmack.
Kaliumchlorid
Mineralstoff, zur Deckung des Elektrolytbedarfs und zum Ausbalancieren des Mineralstoffverhältnisses.
Analytische Bestandteile & NFE – wie kohlenhydratlastig ist das Futter?
Deklarierte Analyse:
- Protein: 26 %
- Fettgehalt: 13 %
- Rohfaser: 4 %
- Rohasche: 7,5 %
- Calcium: 1,8 %
- Phosphor: 1,1 %
- Omega-3-Fettsäuren: 0,5 %
- Omega-6-Fettsäuren: 2 %
- Feuchtigkeit: 10 %
Um den NFE-Gehalt (stickstofffreie Extraktstoffe, grob: Kohlenhydrate/Stärke + lösliche Ballaststoffe) abzuschätzen, rechnet man:
100 %
– 26 % Protein
– 13 % Fett
– 4 % Rohfaser
– 7,5 % Rohasche
– 10 % Feuchtigkeit
= 39,5 % NFE
Du landest also bei ungefähr 40 % Kohlenhydraten. Für ein Trockenfutter ist das ein typischer bis etwas höherer Wert, aber nichts völlig Ausreißendes. Sehr fleischbetonte, „Low Carb“-Trockenfutter liegen eher im Bereich um 25–30 % NFE, klassische Handelsmarken auch gerne bei 40–50 %.
26 % Protein und 13 % Fett sind solide für ein normales Adultfutter:
- für mäßig aktive Hunde gut geeignet,
- nicht extrem eiweißreich (also auch für Senioren wie Ylvie noch passend, wenn sonst keine besonderen Erkrankungen vorliegen),
- das relativ hohe Calcium/Phosphor-Verhältnis (1,8 : 1,1) liegt im zulässigen Bereich, aber zeigt, dass auch etwas mehr Knochenanteile mit im Spiel sein können (korreliert oft mit höherer Rohasche).
Die Rohasche von 7,5 % ist im oberen Mittelfeld. Das ist noch okay, deutet aber eher auf einen höheren Mineralstoff-/Knochenanteil als auf reines Muskelfleisch hin.
Zusatzstoffe & Antioxidationsmittel
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe pro kg:
Das ist Standard und notwendig, um ein Alleinfuttermittel bedarfsdeckend zu machen. Die Mengen bewegen sich im üblichen Rahmen.
Unter den technologischen Zusatzstoffen steht lediglich: Antioxidationsmittel – ohne nähere Angabe, ob z.B. natürliche Tocopherole oder synthetische Antioxidantien verwendet werden. Das ist aus Transparenzsicht schade, weil viele Halter gerne wissen möchten, ob eher natürlich oder klassisch synthetisch konserviert wird.
Wie transparent ist die Deklaration?
Kurz: teilweise transparent, insgesamt aber eher marketinglastig als wirklich vorbildlich klar.
Positiv:
- Einige Zutaten sind mit Prozentangaben versehen (Reis 20 %, frisches Rind 14 %, Putenprotein 4 %, Leinsamen 1 %, Lachsöl 1 %, Chicorée 0,5 %, Bierhefe 0,5 %).
- Es werden einzelne tierische Proteine genannt (Geflügel-, Rinder-, Putenprotein) statt nur „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.
Kritisch:
- Der Begriff „Protein (dehydriert)“ ist unscharf. Man erfährt nicht, wie viel davon Muskelfleisch, Innereien oder ggf. minderwertigere Teile sind.
- Kartoffeln, Geflügelfett, Rübentrockenschnitzel usw. sind ohne Prozentangabe gelistet – du kannst den Anteil nur grob erahnen.
- Der Claim „Frisch und fleischig“ weckt den Eindruck eines sehr fleischbetonten Futters – in der Realität steht aber Reis an erster Stelle und der NFE-Gehalts liegt um 40 %.
Auch in unabhängigen Online-Bewertungen wird die Deklaration teils als „ausbaufähig“ bezeichnet, obwohl die Gesamtzufriedenheit mit der Marke insgesamt recht gut ausfällt.
Glutenfrei oder getreidefrei?
Wichtiger Unterschied:
- Glutenfrei: ja
- Getreidefrei: nein
Reis ist ein Getreide, enthält aber kein Gluten in dem Sinne, wie es bei Weizen, Gerste oder Roggen vorkommt. Darum kann die Rezeptur zu Recht als glutenfrei beworben werden, aber nicht als getreidefrei.
Für Hunde mit einer klar diagnostizierten Gluten-Empfindlichkeit kann das Futter passen. Für Hunde, die grundsätzlich komplett getreidefrei ernährt werden sollen, ist es dagegen eher ungeeignet.
Praxistest mit Ylvie: Akzeptanz & Verträglichkeit
Testzeitraum: 3 Wochen
Hund: Ylvie, 9 Jahre, 20 kg, eher sensibel und wählerisch
- Akzeptanz:
- Tag 1: Zögerlich, Napf blieb erst mal stehen, wurde später aber leer.
- In den Folgetagen: deutlich bessere Annahme, das Futter wurde ohne großes Zureden gefressen.
- Insgesamt würden wir die Akzeptanz als „gut, aber nicht überschwänglich“ einordnen – für einen wählerischen Hund wie Ylvie durchaus ein positives Zeichen.
- Verträglichkeit:
- Im Testzeitraum gab es nach deiner Beschreibung keine Auffälligkeiten, Ylvie scheint das Futter gut zu vertragen.
- Konsistenz & Krokettengröße:
- Runde, durchschnittlich große Kroketten – gut für mittelgroße Hunde.
- Für sehr kleine Hunde könnten sie eher groß wirken, für echte Schlinger unter den großen Hunden eventuell etwas klein.
- Geruch:
- Aus Haltersicht „neutral bis okay“ – weder besonders intensiv fleischig noch chemisch. Für den Alltag absolut im Rahmen.
- Verpackung & Handling:
- Ansprechendes Design, alle wichtigen Infos (Fütterungsempfehlung, Zusammensetzung) sind gut lesbar.
- Der ungewöhnlich platzierte Wiederverschluss im vorderen oberen Bereich des Beutels ist tatsächlich praktisch und hebt sich positiv von vielen Konkurrenzsäcken ab, die sich schlechter sauber schließen lassen.
Preischeck: teuer oder günstig?
Offizielle Preise
- 3.000 g: 12,49 € → ca. 4,16 €/kg
- 12.000 g: 39,99 € → ca. 3,33 €/kg
Zum Vergleich (ungefähre Marktbereiche, Stand aktueller Preisvergleiche):
- Einfaches Economy-Trockenfutter (z.B. JosiDog Economy): ca. 1,3–1,7 €/kg
- Klassische Marken wie Pedigree im 12-kg-Sack: etwa 2,8–3,1 €/kg
- Hochpreisige, getreidefreie Marken mit hohem Fleischanteil (z.B. Wolfsblut): meist 5,5–6,5 €/kg im 12–12,5-kg-Sack
Damit liegt activa Friends Adult Rind mit Pute mit ca. 3,33 €/kg (Großsack):
- deutlich über typischen Billig- und Discounterfuttern,
- leicht über einfachen Supermarkt-Marken,
- aber spürbar unter den Premium-getreidefreien High-End-Futtern.
Preislich also untere bis mittlere Mittelklasse. Angesichts der Zusammensetzung (vernünftiger, aber nicht überragender Fleischanteil, ordentliche, aber nicht außergewöhnliche Deklaration) passt das Preisniveau ganz gut. Das Preis-Leistungs-Verhältnis würden wir als solide bezeichnen – nicht „Schnäppchen“, aber auch kein überzogener Premiumpreis.
Kosten
Hier eine einfache Übersicht, wie viel dich das Futter im Monat ungefähr kostet – gerechnet mit:
- 12-kg-Sack für 39,99 € → ca. 3,33 €/kg
- Monat = 30 Tage
| Fallbeispiel | Gewicht Hund | Tagesration laut Hersteller | Futtermenge pro Monat (30 Tage) | Kosten pro Monat (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 5 kg | 100 g (0,10 kg) | 3,0 kg | 10,00 € |
| 2 | 10 kg | 170 g (0,17 kg) | 5,1 kg | 17,00 € |
| 3 | 20 kg | 290 g (0,29 kg) | 8,7 kg | 29,00 € |
| 4 | 30 kg | 390 g (0,39 kg) | 11,7 kg | 38,99 € |
So hast du eine gute Orientierung, was dich die Fütterung mit activa Friends Adult Rind mit Pute pro Monat ungefähr kostet, wenn du dich an die Herstellerempfehlung hältst und den günstigeren 12-kg-Sack verwendest.
- Mehrere tierische Proteinquellen (Rind, Geflügel, Pute)
- Glutenfreie Rezeptur
- Zusätze wie Leinsamen, Lachsöl, Chicorée und Bierhefe sind sinnvoll gewählt
- Solide Nährstoffwerte für erwachsene Hunde mit normalem Aktivitätslevel
- Gute Praxiserfahrung bei der Verträglichkeit (bei Ylvie)
- Praktische Verpackung mit gut nutzbarem Wiederverschluss
- Preis im fairen Mittelfeld
- Kohlenhydrate (Reis, Kartoffeln) stehen vor dem Fleisch – insgesamt eher stärkebetont (ca. 40 % NFE).
- Deklaration mit Sammelbegriffen wie „Geflügelprotein (dehydriert)“ und „Rinderprotein (dehydriert)“ ist nur teilweise transparent.
- Rohasche mit 7,5 % eher im oberen Bereich, was auf mehr Knochen/Mineralien schließen lässt.
Für wen passt activa Friends Adult Rind mit Pute?
Gut geeignet für:
- erwachsene Hunde mit normalem Energiebedarf
- Halter, die ein glutenfreies, aber nicht zwingend getreidefreies Futter suchen
- Hunde, die mit leicht stärkebetonten Futtern gut zurechtkommen
- preisbewusste Halter, die etwas über einfache Discounterqualität hinausgehen möchten
Weniger geeignet für:
- Hunde, die konsequent getreidefrei oder sehr kohlenhydratarm ernährt werden sollen
- Halter, die eine maximal transparente, streng fleischbasierte Deklaration erwarten
- Hunde mit starken Protein- oder Rind-/Geflügel-Allergien
In Ylvies Fall kann man sagen: Test bestanden, aber mit ein paar klar benennbaren Kompromissen in Richtung Kohlenhydratanteil und Transparenz. Wenn du mit diesen Kompromissen leben kannst, bekommst du ein ordentliches, praxisnahes Mittelklasse-Futter mit fairem Preis-Leistungs-Verhältnis.







