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Ernährung

Hundefutter-Test: "Adult Adams Lake – Huhn und Ente" von WILDKIND

Die Front der Dose
Die Front der Dose
Diesmal haben wir beim örtlichen FUTTERHAUS zur WILDKIND-Dose „Adult Adams Lake – Huhn und Ente“ gegriffen – ein Nassfutter für erwachsene Hunde, das mit „viel Fleisch, Waldbeeren und Wildkräutern“ und einer naturnahen, getreidefreien Rezeptur wirbt. Und ja, Ylvie war begeistert. Aber schauen wir wie immer nicht nur in den Napf, sondern auch ganz genau aufs Etikett.

Der Hersteller hinter WILDKIND

WILDKIND ist keine eigenständige kleine Manufaktur, sondern eine Eigenmarke der Handelskette DAS FUTTERHAUS – Franchise GmbH & Co. KG. Das Unternehmen wurde 1987 von Herwig und Marion Eggerstedt gegründet und hat seinen Sitz in Elmshorn (Schleswig-Holstein). Heute betreibt DAS FUTTERHAUS gemeinsam mit Franchisenehmern über 400 Märkte in Deutschland und Österreich – also ein ziemlich großer Player im Heimtierbereich.

Mit WILDKIND positioniert sich die Kette im Premium-Segment: hoher Fleischanteil, getreidefrei, orientiert am „Vorbild Wolf“. Die Marke bietet Trocken- und Nassfutter sowie Welpen- und Katzenfutter, jeweils in vielen Sorten und mit ähnlicher Optik und Philosophie.

Produziert wird laut Marke „in Deutschland“; es handelt sich aber klar um eine Handelsmarke von DAS FUTTERHAUS, die vermutlich bei Lohnherstellern produziert wird – eigene Fabriken von WILDKIND selbst gibt es nicht öffentlich sichtbar, sondern nur den Händler im Hintergrund.

Zusammensetzung im Detail – was steckt in „Adams Lake“?

Vom Hersteller haben wir folgende Zusammensetzung, absteigend sortiert:

Dazu die analytischen Bestandteile:

Und die Zusatzstoffe pro kg:

Ist das Futter getreidefrei?

Ja. Es sind keine Getreide oder Glutenquellen deklariert. Stattdessen Fleisch, Innereien und etwas Obst/Kräuter. Das passt zur beworbenen „getreidefreien Rezeptur“.

Wie hochwertig ist die Zusammensetzung?

Positiv:

  • Hoher Fleischanteil (66 %)
    56 % Huhn + 10 % Ente, und es wird einzeln aufgeschlüsselt (Herzen, Leber, Mägen, Hälse, Fett). Das ist deutlich transparenter als pauschale Begriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Innereien wie Herzen, Leber, Mägen sind ernährungsphysiologisch wertvoll (Vitamine, Mineralstoffe, hochwertige Proteine).
  • Tierart klar benannt
    Es stehen Huhn und Ente drauf, und genau diese Tierarten sind auch drin – kein „Geflügel, mindestens 4 % Huhn“.
  • Keine Füllstoffe wie Getreide oder Soja
    Gut für empfindliche oder allergische Hunde, die auf Weizen & Co. reagieren.
  • Obst und Wildkräuter mit echtem (wenn auch kleinem) Mehrwert
    Johannis- und Brombeeren bringen etwas Vitamin C, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe. Kräuter wie Kamille, Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich, Schafgarbe werden traditionell für Verdauung, Blase und leichte Entzündungen eingesetzt – in diesen Mini-Mengen eher als netter Bonus und Marketing-Element, aber nicht völlig sinnlos.
  • Lachsöl und Leinsamen
    Beides liefert Omega-3-Fettsäuren, wichtig für Haut, Fell und Entzündungsregulation. Der deklarierte Omega-3-Gehalt von 0,2 % ist im Nassfutterbereich solide.
  • Chicorée
    Enthält Inulin, ein präbiotischer Ballaststoff, der als Futter für „gute“ Darmbakterien dienen kann.

Kritisch / neutral:

  • Viel „Brühe“ (28,2 %)
    Das ist bei Nassfutter üblich, aber der Anteil ist nicht ohne. Brühe bedeutet im Grunde Wasser plus etwas gelöste Nährstoffe. Geschmacklich attraktiv, ernährungsphysiologisch überschaubar. Immerhin ist der Fleischanteil trotzdem recht hoch.
  • Relativ niedriger Energiegehalt
    Mit 91,65 kcal/100 g liegt Adams Lake eher im unteren Bereich für Nassfutter. Viele andere Dosen liegen eher bei 100–120 kcal/100 g. Das heißt:
    → Du musst mehr Futtermenge geben, um den gleichen Energiebedarf zu decken – gerade bei aktiven Hunden relevant.
  • Protein und Fett eher moderat
    10,2 % Protein und 5,3 % Fett (bezogen auf Nasssubstanz) sind für ein Nassfutter nicht spektakulär hoch. Für normal aktive, erwachsene Hunde ist das okay, aber für sehr sportliche Hunde oder Hunde, die schlecht zunehmen, könnte es etwas knapp sein.
  • Hälse in nicht ganz geringer Menge
    Hälse sind im Rahmen okay, liefern Kalzium und Bindegewebe. Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass der Kalziumgehalt (0,22 %) und Phosphor (0,17 %) relativ niedrig deklariert sind – für ein Alleinfuttermittel sollte das trotzdem noch im Rahmen liegen, aber an der untereren Grenze.

Sind die Angaben klar oder eher schwammig?

Die Deklaration ist für ein Handelsmarken-Futter überraschend ordentlich:

  • Tierarten und Organe werden konkret benannt.
  • Die Reihenfolge der Kräuter ist logisch, die Prozentangaben bei den kleineren Zutaten sind da – das ist mehr Transparenz als bei vielen Konkurrenten.
  • Was leicht unklar bleibt:
    • Wie viel Muskelfleisch vs. Innereien genau im 56-%-Huhn-Anteil steckt.
    • Die „Brühe“ wird nicht weiter spezifiziert.

Insgesamt würde ich die Deklaration aber als vergleichsweise transparent und ordentlich einstufen.

Wofür sind die wichtigsten Inhaltsstoffe gut?

  • Hühner- und Entenfleisch/Innereien:
    • Protein für Muskeln, Immunsystem, Enzyme
    • Innereien wie Leber liefern Vitamin A, B-Vitamine, Mineralien
    • Herzen = Muskelfleisch mit viel Taurin (für Hunde nicht so kritisch wie für Katzen, aber trotzdem positiv)
  • Brühe:
    • Bringt Feuchtigkeit, etwas Geschmack – aber wenig Nährstoffe.
  • Johannisbeeren & Brombeeren:
    • Antioxidantien, etwas Vitamin C, sekundäre Pflanzenstoffe; können das Immunsystem unterstützen.
  • Bierhefe (0,2 %):
    • B-Vitamine, Aminosäuren; kann Fellqualität und Haut unterstützen, bei empfindlichen Hunden manchmal aber auch Blähungen verursachen.
  • Lachsöl (0,2 %) & Leinsamen (0,1 %):
    • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA aus Fisch, ALA aus Leinsamen), wichtig für Fell, Haut, Anti-Entzündung.
    • Leinsamen liefern zusätzlich Ballaststoffe.
  • Chicorée:
    • Inulin als Präbiotikum, hilft der Darmflora.
  • Kräuter (Kamille, Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich, Schafgarbe, Johanniskraut):
    • Kamille: beruhigend auf Magen-Darm
    • Brennnessel: traditionell für Nieren/Blase
    • Löwenzahn: Leber- und Verdauungsunterstützung
    • Spitzwegerich: Schleimhautberuhigung
    • Schafgarbe: Verdauung, krampflösend
    • Johanniskraut: pflanzliche Inhaltsstoffe mit Nervensystem-Bezug – in dieser Mini-Menge eher symbolisch

Die Mengen sind so klein, dass du hier keinen „Phytotherapie-Effekt“ erwarten solltest, aber sie schaden nicht und sind für Marketing wie „Wildkräuter nach dem Vorbild Wolf“ dankbar.

  • Mineralstoffe + zugesetzte Spurenelemente/Vitamine:
    • sorgen dafür, dass das Futter den Bedarf an Mikronährstoffen nach FEDIAF/AAFCO-Richtlinien abdeckt (Knochen, Schilddrüse, Enzyme, Immunsystem).

NFE-Gehalt (Kohlenhydrate): was lässt sich sagen?

NFE („Nitrogen Free Extract“) ist grob gesagt der berechnete Kohlenhydrat-Anteil. Wir können den Wert überschlägig berechnen:

NFE ≈ 100 % – (Protein + Fett + Rohasche + Rohfaser + Feuchtigkeit)

Also:
100 – (10,2 + 5,3 + 2,6 + 0,4 + 80) =
100 – 98,5 = 1,5 %

Damit liegt Adams Lake sehr niedrig im Kohlenhydratbereich. Das passt zur getreidefreien Rezeptur und zum Fokus auf Fleisch. Ein kleiner Teil davon wird aus Beeren, Kräutern, etwas Restglykogen im Fleisch stammen – alles im sehr moderaten Rahmen. Für Hunde, die kohlenhydratarm fressen sollen oder sensibel auf Getreide reagieren, ist das ein Pluspunkt.

Praktischer Test mit Ylvie

Die Testhündin Ylvie, 10 Jahre alt, 20 kg schwer und eigentlich eher sensibel und wählerisch, ist in unseren Augen ein guter „Feinschmecker-Indikator“.

  • Akzeptanz:
    „Rekordzeit leergefressen“ spricht eine deutliche Sprache. Gerade bei sensiblen Hunden ist das bemerkenswert.
  • Verträglichkeit (über eine Woche):
    Bisher keine Auffälligkeiten – das ist ein gutes Zeichen. Für eine endgültige Beurteilung von Verdauung, Fell und ggf. Allergietendenzen wäre ein längerer Zeitraum sinnvoll, aber für einen ersten Test: Daumen hoch.
  • Geruch & Optik:
    Wir beschreiben den Geruch als „okay“ – also kein besonders intensiver Fleischgeruch, aber auch nichts, was einem beim Öffnen die Nase wegbläst.
    Das Futter ist durchschnittlich fein gemahlen, also eher ein homogener Paté-Stil als klar erkennbare Fleischstücke.
  • Konsistenz / Dosenverhalten:
    Interessant ist, dass sich der Doseninhalt ungewöhnlich leicht im Ganzen aus der Dose lösen lässt. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Rezeptur wahrscheinlich relativ fest gebunden ist – oft durch einen bestimmten Wasser-/Fett-/Geliermix. Nicht automatisch schlecht, aber es könnte bedeuten, dass mit Texturhilfen oder einer bestimmten Verarbeitung gearbeitet wird. Deklariert ist dazu nichts Konkretes, also bleibt das ein kleiner Fragezeichen-Punkt. Oder wurde die Dose von innen eingefettet?

Verpackung und Informationen

Die Dose passt zur WILDKIND-Optik: Wolfaugen, Naturmotiv, „Adams Lake“, alles sehr auf „Wildnis/Outdoor“ gebürstet. Auf den Produktseiten werden 66 % Fleisch, Waldbeeren, Wildkräuter und „getreidefreie Rezeptur“ klar hervorgehoben.

Positiv

  • Fütterungsempfehlung gut aufbereitet – getrennt für weniger aktive und aktive Hunde; das hilft vielen Haltern mehr als eine starre „x g pro kg Körpergewicht“-Angabe.
  • Klar erkennbare Alleinfutter-Kennzeichnung (auf der Originalverpackung), also kein reines Ergänzungsfutter.

Kritikpunkt

  • Die hübsche Wolf-Story („Vorbild Wolf, Waldbeeren, Wildkräuter“) ist marketingtechnisch sehr stark, aber an manchen Stellen wird etwas suggeriert, was ernährungsphysiologisch nicht 1:1 auf den Haushund übertragbar ist. Die Rezeptur ist gut, aber nicht „Wolf im Napf“.

Preis: teuer oder günstig?

Du bekommst die 200-g-Dose für 1,99 € – das entspricht 9,95 € pro kg.

Zum Vergleich (Stand aktuell, grobe Marktlage):

  • Günstige Supermarkt-/Drogerie-Nassfutter liegen oft bei 2–4 €/kg.
  • Solide Mittelklasse-Marken für Nassfutter bewegen sich grob bei 4–8 €/kg.
  • Hochpreisige Premium-Dosen schaffen locker 8–15 €/kg oder mehr, vor allem Monoprotein- oder Spezialfutter.

Mit knapp 10 €/kg liegt WILDKIND Adams Lake klar im oberen Mittelfeld bis unteren Premiumbereich. Damit ist es:

  • Deutlich teurer als einfache Supermarkt-Dosen.
  • Preislich ähnlich zu anderen Premium-Handelsmarken und manchen bekannten Marken mit hohem Fleischanteil.

Im Verhältnis zur Zusammensetzung (66 % Fleisch, getreidefrei, recht gute Deklaration) finde ich den Preis nicht unverschämt, aber auch nicht „Schnäppchen“. Man bezahlt ganz klar auch die Marke und die Wolf-Inszenierung mit.

Kosten

HundewichtTagesration laut HerstellerDosen pro Tag (à 200 g)Tageskosten ca.Monatskosten ca. (30 Tage)
5 kg372 g1,86 Dosen3,70 €111,04 €
10 kg630 g3,15 Dosen6,27 €188,06 €
20 kg1074 g5,37 Dosen10,69 €320,59 €
30 kg1518 g7,59 Dosen15,10 €453,12 €

Für welche Hunde passt „Adams Lake“ gut – und für welche weniger?

Gut geeignet für:

  • Normal aktive, erwachsene Hunde ohne spezielle Erkrankungen
  • Hunde mit Getreideunverträglichkeiten oder -allergien
  • Wählerische Hunde – die Rückmeldung von Ylvie plus viele andere Erfahrungsberichte zeigen, dass das Futter oft gut angenommen wird
  • Hunde, bei denen ein moderater Fett- und Kaloriengehalt gewünscht ist (z.B. ältere Hunde, die schneller zunehmen)

Eher eingeschränkt geeignet / zu beachten:

  • Sehr aktive Hunde, Sporthunde oder sehr dünne Hunde:
    → Hier könnte der Energie- und Fettgehalt etwas knapp sein, man müsste ziemlich große Mengen füttern oder mit energiereicheren Komponenten kombinieren.
  • Hunde, die auf bestimmte Innereien sensibel reagieren, könnten mit dem relativ hohen Anteil an Hühnerinnereien (inkl. Leber) Probleme haben – kommt aber individuell sehr auf den Hund an.
Pluspunkte
  • Klar deklariertes Fleisch und Innereien von benannten Tierarten
  • Getreidefrei, sehr niedriger Kohlenhydratanteil (~1,5 % NFE)
  • Zusätze wie Lachsöl, Leinsamen, Chicorée und Kräuter
  • Vergleichsweise transparente Deklaration
  • Gute Akzeptanz und (in deinem Praxistest) gute Verträglichkeit
  • Praktische Fütterungsempfehlung nach Aktivitätslevel
Minuspunkte
  • Relativ niedriger Energie- und Fettgehalt → für manche Hunde brauchst du relativ viel Futter
  • Hoher Anteil Brühe und unklarer Anteil reines Muskelfleisch vs. Innereien

Fazit

Wenn man alles zusammen nimmt, würde ich Adams Lake als gutes, getreidefreies Nassfutter der oberen Mittelklasse einordnen. Nicht perfekt, aber insgesamt durchaus empfehlenswert – vor allem, wenn dein Hund wie Ylvie sensibel und wählerisch ist und auf dieses Futter sichtbar gut anspricht.