Hundefutter-Test: "Feine Pastete mit Huhn, Pute & Rind" von ROY

Wer steckt hinter ROY?
ROY ist keine eigene Tierfutterfirma, sondern eine Eigenmarke des Discounters NORMA. NORMA gibt es schon seit den 1960er-Jahren, die erste Filiale wurde 1964 in Nürnberg eröffnet. Heute betreibt das Unternehmen über 1.450 Filialen in mehreren europäischen Ländern, der Firmensitz liegt weiterhin in Nürnberg.
Die Philosophie von NORMA ist klassisches Discounter-Programm: relativ überschaubares Sortiment, dafür sehr günstige Preise, viele Eigenmarken und das Versprechen „gute Qualität zum kleinen Preis“. Genau so wird auch ROY im Online-Shop beschrieben: gute Qualität, große Auswahl, günstige Preise.
Unter dem Namen ROY findest du nicht nur Nassfutter, sondern auch Snacks, Kauartikel und Trockenfutter – also eine komplette Tiernahrungs-Eigenmarke des Discounters.
Was sich NORMA allerdings spart: Eine transparente Info dazu, wer das Futter tatsächlich produziert. Auf der Website findet sich kein Hinweis auf einen bestimmten Tiernahrungshersteller. Wie bei vielen Handelsmarken ist sehr wahrscheinlich, dass NORMA bei spezialisierten Futtermittelwerken herstellen lässt und die Rezepte unter der Eigenmarke ROY laufen. Das ist nicht ungewöhnlich, aber für uns als kritische Leser eben auch nicht besonders transparent.
Positiv am Rand: Für die höherwertige Linie ROY PREMIUM gibt es z.B. ein Qualitätssiegel eines unabhängigen Labors sowie eine „gut“-Bewertung bei ÖKO-TEST – das betrifft allerdings nicht automatisch jede normale ROY-Dose, sondern speziell diese Premium-Reihe.
Zusammensetzung – was steckt wirklich in der Feinen Pastete?
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. 4% vom Huhn, 4% von der Pute, 4% vom Rind), Getreide, Mineralstoffe
Analytische Bestandteile: Rohprotein 8,0 %, Rohfett 7,0 %, Rohasche 2,0 %, Rohfaser 0,5 %, Feuchtigkeit 80,0 %
Zusatzstoffe je kg: Vitamin D3 200 IE, Vitamin E 20 mg, Zink 11,4 mg, Mangan 1,4 mg, Kupfer 1,0 mg, Jod 0,1 mg
Zutatenliste – eher Basisfutter als Premium
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
- Das ist ein sehr breiter Sammelbegriff.
„Fleisch“ ist klar, aber „tierische Nebenerzeugnisse“ können alles Mögliche sein – von hochwertigen Innereien (Herz, Leber) bis hin zu eher minderwertigen Bestandteilen wie Lunge, Bindegewebe etc. - Positiv: Es werden immerhin konkret 4 % Huhn, 4 % Pute, 4 % Rind erwähnt.
- Negativ: Der Gesamt-Fleischanteil wird nicht genannt. Es kann also z.B. 12 % dieser drei Sorten plus eine unbekannte Menge anderer tierischer Nebenerzeugnisse sein – oder deutlich mehr, wir wissen es schlicht nicht.
Das ist eine typische „Mindestdeklaration“ aus dem günstigen Segment: gesetzlich völlig okay, aber nicht das, was man unter transparenter, hochwertiger Deklaration versteht.
- Das Futter ist nicht getreidefrei, da Getreide an zweiter Stelle steht.
- Es wird nicht aufgeschlüsselt, welche Getreideart verwendet wird (Weizen? Mais? Reis?). Für Hunde mit bekannten Unverträglichkeiten oder Allergien ist das ein Problem, weil du nicht genau weißt, was du im Napf hast.
- Menge: Da Getreide hinter „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ steht, ist etwas weniger Getreide als tierischer Anteil enthalten – aber wie viel genau, bleibt offen.
- Das sind vor allem Dinge wie Calcium, Phosphor etc. – sinnvoll und nötig, aber leider ohne genaue Aufschlüsselung (Ca:P-Verhältnis wird nicht angegeben).
Zwischenfazit Zutaten:
Die Rezeptur erinnert stark an andere Discounter-Eigenmarken: in Ordnung als günstiges Alltagsfutter, aber eher untere bis mittlere Qualität. Die allgemeine Formulierung („tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“) und fehlende Prozentangaben zum Gesamt-Fleischanteil sind klar Hinweise auf ein preisorientiertes Produkt mit wenig Transparenz.
Nährwerte & NFE – wie „passt“ das Futter ernährungsphysiologisch?
Analytische Bestandteile:
- Rohprotein: 8,0 %
- Rohfett: 7,0 %
- Rohasche: 2,0 %
- Rohfaser: 0,5 %
- Feuchtigkeit: 80,0 %
Zuerst berechnen wir den Kohlenhydrat-Anteil (NFE):
NFE ≈ 100 − (Protein + Fett + Asche + Faser + Feuchtigkeit)
- Protein 8,0
- Fett 7,0 → 8 + 7 = 15
- Asche 2,0 → 15 + 2 = 17
- Faser 0,5 → 17 + 0,5 = 17,5
- Feuchtigkeit 80,0 → 17,5 + 80 = 97,5
100 − 97,5 = 2,5 % NFE (as fed)
Das entspricht bei 80 % Feuchtigkeit (also 20 % Trockenmasse) auf Trockenmassebasis:
- Trockenmasse = 20 %
- Protein: 8 / 20 × 100 = 40 % in der Trockenmasse
- Fett: 7 / 20 × 100 = 35 %
- Asche: 2 / 20 × 100 = 10 %
- Faser: 0,5 / 20 × 100 = 2,5 %
- NFE (Kohlenhydrate): 2,5 / 20 × 100 = 12,5 %
Was heißt das?
- Der Proteinanteil von 40 % in der Trockenmasse liegt deutlich über den Mindestanforderungen internationaler Richtlinien (FEDIAF/AAFCO empfehlen ca. 18 % Protein in der Trockenmasse für erwachsene Hunde)
- Der Fettgehalt von 35 % in der Trockenmasse ist relativ hoch, was das Futter recht energiereich macht.
- Kohlenhydrate mit ca. 12,5 % in der Trockenmasse sind eigentlich moderat – trotz Getreide ist das kein „Kohlenhydrat-Brei“.
Problem: Die Rechnung sagt nur etwas darüber aus, wie die Nährstoffe verteilt sind, nicht etwas über deren Qualität. Ein hoher Proteinwert ist super – wenn dieses Protein aus guten Fleischquellen stammt. Hier wissen wir aber nicht, wie viel echtes Muskelfleisch vs. Nebenerzeugnisse im Spiel ist.
Zusatzstoffe – wofür sind die gut?
Deklarierte ernährungsphysiologische Zusatzstoffe je kg:
- Vitamin D3 (200 IE)
Unterstützt Calcium- und Phosphorstoffwechsel, wichtig für Knochen und Zähne. - Vitamin E (20 mg)
Antioxidans, schützt Zellen und Fette im Körper, unterstützt Immunsystem. - Zink (11,4 mg)
Wichtig für Haut, Fell, Immunsystem, Wundheilung. - Mangan (1,4 mg)
Beteiligung am Knochenstoffwechsel und an verschiedenen Enzymen. - Kupfer (1,0 mg)
Wichtig für Pigmentierung (Fellfarbe), Blutbildung und Enzymfunktionen. - Jod (0,1 mg)
Bestandteil der Schilddrüsenhormone, reguliert Stoffwechsel.
Die Grundversorgung mit Vitaminen und Spurenelementen sieht damit auf dem Papier ordentlich aus. Speziell D3 und E sind Standard in Alleinfuttermitteln. Einzelheiten wie genaue Deckung aller FEDIAF-Werte kann man ohne weitere Angaben aber nicht durchrechnen.
Ohne Zusatz von Zucker, Farbstoffen und Konservierungsmitteln
Der Hersteller wirbt mit:
„Ohne Zusatz von Zucker, Farbstoffe und Konservierungsmittel“
Das bedeutet:
- Kein extra zugesetzter Zucker: gut, denn Zucker braucht im Hundefutter niemand.
- Keine zugesetzten Farbstoffe: ebenfalls positiv – die sehen nur für uns Menschen hübsch aus.
- Keine zugesetzten Konservierungsmittel: bei Dosenfutter ist das technisch oft auch gar nicht nötig, weil die Sterilisation in der Dose selbst konserviert.
Wichtig: Es heißt immer „ohne Zusatz von…“ – das schließt nicht aus, dass Rohstoffe von Natur aus gewisse Stoffe enthalten, aber es werden keine künstlichen Farb- oder Konservierungsstoffe extra reingekippt. Insgesamt ein netter Pluspunkt, aber heute im Nassfuttersegment auch nichts spektakulär Besonderes.
Sind die Angaben klar oder eher schwammig?
Klar:
- Analytische Bestandteile (Protein, Fett, etc.)
- Zusatzstoffe mit exakten Mengen
- Feuchtigkeitsgehalt
Unklar / wenig transparent:
- Kein Gesamt-Fleischanteil in Prozent
- „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ohne Aufschlüsselung der Nebenerzeugnisse
- „Getreide“ ohne Angabe der Getreidesorte
- „Mineralstoffe“ ohne Nennung von Calcium/Phosphor-Verhältnis usw.
Das ist eine sehr knappe, technisch korrekte, aber für aufgeklärte Hundehalter unbefriedigende Deklaration. Genau das unterscheidet günstige Discounterfutter meist von hochwertigeren Marken: nicht primär der Nährwert, sondern die Offenheit der Zutatenliste.
Praxistest mit Ylvie (10 Jahre, 20 kg)
Unsere Testerin Ylvie ist 10 Jahre alt, wiegt 20 kg und gilt bei uns als sensibel und wählerisch – also eine gute Kandidatin, um ein günstiges Futter kritisch zu testen.
- Akzeptanz:
Sie fand das Futter gut – kein Zögern am Napf, kein „ich riech erst mal fünf Minuten und geh dann“. Für ein eher schlichtes Discounterfutter ist das ein positiver Punkt. - Verträglichkeit:
Über den zweiwöchigen Testzeitraum scheint sie das Futter gut zu vertragen. Weder Durchfall noch massives Pupsen ist aufgetreten. Für eine sensible Hündin ist das ein wichtiges Signal: Zumindest für Ylvie funktioniert die Rezeptur erstmal. - Geruch:
Von mir als „okay“ beschrieben – das deckt sich mit dem, was man von einer Discounter-Pastete erwartet: nicht edel wie ein Premium-Monoprotein, aber auch kein Geruch, bei dem man den Napf mit langem Arm hinstellt. - Optik & Konsistenz:
Fein durchgewolfte Masse, wie der Name „Feine Pastete“ verspricht. Für Hunde, die gern „kaumäßig was zu tun“ haben, ist das wenig spannend, für ältere oder zahnempfindliche Hunde wiederum praktisch. - Handhabung:
Der Doseninhalt ließ sich – wie so oft – etwas zäh aus der Dose lösen. Das ist normal bei stark komprimierten Pasteten. Kein Drama, aber auch kein Komfort-Highlight. - Verpackung und Infos:
Ich würde die Verpackung als gewöhnlich, aber zweckmäßig beschreiben.
Die Fütterungsempfehlung ist verständlich, deckt aber nur vier Gewichtsbereiche ab. Das ist ok für eine grobe Orientierung, aber relativ grob – besonders für Hunde, die deutlich über oder unter den angegebenen Werten liegen oder sehr aktiv/inaktiv sind.
Ist das Futter getreidefrei?
Kurz und klar: Nein.
Getreide steht explizit in der Zusammensetzung, also ist es kein getreidefreies Futter. Wenn du gezielt getreidefrei füttern möchtest (z.B. bei entsprechender Diagnose vom Tierarzt), ist dieses Produkt nicht geeignet.
Preischeck: billig, günstig oder schon zu billig?
Preis: 0,59 € für 400 g
Das sind:
- 0,59 € ÷ 0,4 kg = 1,48 € pro kg
Zum Vergleich (Stand 2025, grob aus dem Handel):
- Aldi Süd ROMEO Nassfutter 400 g: ca. 1,45 € / Dose → etwa 3,63 €/kg
- Crave Pastete 400 g: 2,99 € → ca. 7,48 €/kg
- LEX Sensitiv Nassfutter (Futterhaus): ca. 4,23 €/kg
- Viele Marken-Nassfutter liegen irgendwo zwischen 3 und 6 €/kg, Spezial- oder Premiumfutter auch deutlich darüber.
Mit seinen rund 1,48 €/kg ist die ROY „Feine Pastete“ also klar im unteren Preisbereich unterwegs – sogar günstiger als manche Classic-Discounterlinien. Für den Geldbeutel ist das sehr attraktiv.
Die Kehrseite: Der Preis spiegelt sich eben auch in der Zutaten-Transparenz und vermutlich im Rohstoffniveau wider. Dass hier nicht mit hochwertigem Muskelfleisch und klar deklarierten Monoproteinen gearbeitet wird, liegt auf der Hand.
Kosten
| Hundegewicht | Tagesmenge (g) | Dosen pro Tag* | Kosten pro Tag (€) | Monatsmenge (kg, 30 Tage) | Dosen pro Monat* | Kosten pro Monat (€) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 kg | 331 g | ca. 0,83 | ca. 0,49 € | 9,93 kg | ca. 24,83 | ca. 14,65 € |
| 10 kg | 570 g | ca. 1,43 | ca. 0,84 € | 17,10 kg | ca. 42,75 | ca. 25,22 € |
| 20 kg | 960 g | 2,40 | ca. 1,42 € | 28,80 kg | 72,00 | ca. 42,48 € |
| 30 kg | 1289 g | ca. 3,22 | ca. 1,90 € | 38,67 kg | ca. 96,68 | ca. 57,04 € |
- Sehr günstiger Preis
- Für Ylvie: gute Akzeptanz und gute Verträglichkeit im Testzeitraum
- Analytisch: Protein- und Fettgehalt auf Trockenmassebasis absolut ausreichend für einen erwachsenen Hund
- Konsistenz für ältere oder zahnempfindliche Hunde praktisch
- Sehr vage Deklaration
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide ohne Art, kein Gesamt-Fleischanteil
- Qualität der tierischen Komponenten ist nicht einschätzbar
eher Hinweis auf minderwertige bis Rohstoffqualität
- Nicht getreidefrei, und das Getreide ist nicht spezifiziert
bei Allergikern heikel
Einordnung:
- Rein von den Nährwerten her (Protein/Fett) ist das Futter für einen gesunden, erwachsenen Hund in Ordnung.
- Von der Zutatenqualität und Transparenz her würde ich es klar im Bereich „günstiges Basisfutter, eher untere bis mittlere Liga“ einordnen – kein Totalausfall, aber weit weg von hochwertig deklarierten Nassfuttern mit klaren Fleischanteilen.
- Wenn du aber großen Wert auf hochwertige Rohstoffe, klare Deklaration und ggf. spezielle Bedürfnisse (Allergiker, Nierenthemen, Schlankheitskur etc.) legst, würde ich es eher nicht als alleinige, dauerhafte Hauptnahrung empfehlen, sondern höchstens als gelegentliches Budget-Futter.
Kurz gesagt:
Ja, man kann seinen Hund relativ günstig füttern – auch mit dieser ROY-Pastete. Aber der niedrige Preis kommt erkennbar über einfache Rohstoffe und wenig Transparenz. Für viele gesunde Hunde ist das okay, für anspruchsvolle Hundehalter (und sensible Vierbeiner mit Baustellen) lohnt sich ein Blick auf etwas hochwertigere, klar deklariere Nassfutter – auch wenn sie pro Kilo mehr kosten.
Selbst gekauft, selbst getestet – ganz ohne Bestechung! Sponsoring nehmen wir übrigens gerne, aber unsere Meinung bleibt so ehrlich wie der Blick eines Hundes, der auf dem Sofa erwischt wurde.







