Hundefutter-Test: "Feine Pastete mit Kalb & Geflügel" von orlando

Wer steckt hinter ORLANDO?
ORLANDO ist keine eigenständige kleine Futtermittelmarke, sondern die Hundefutter-Hausmarke von Lidl. Unter dem Namen ORLANDO gibt es Nassfutter, Trockenfutter, Snacks und Kauartikel – alles, was das Hundeherz (und der Geldbeutel) im Discounter so braucht.
Produziert wird ORLANDO laut unabhängigen Übersichten von der saturn petcare GmbH – einem der großen Private-Label-Hersteller für Heimtiernahrung in Europa.
Ein paar Fakten zu saturn petcare:
- Gründung: 1987 als Teil der heristo-Gruppe (u. a. auch animonda gehört dazu).
- Sitz: Hauptsitz in Bremen, weitere Werke u. a. in Hattem (NL) und in den USA.
- Größe: Rund 700–1.000 Mitarbeitende, einer der größten Private-Label-Hersteller für Tiernahrung in Europa.
- Produkte: Nassfutter, Trockenfutter, Snacks und Milchprodukte für Hunde und Katzen – überwiegend als Handelsmarken für Supermärkte und Discounter.
- Eigene Produktionsstätten? Ja. Saturn petcare produziert selbst in eigenen Werken; Lidl / ORLANDO lässt also fertigen, betreibt aber keine eigenen Futterfabriken.
Kurz gesagt: Hinter ORLANDO steht kein „No-Name-Hinterhofbetrieb“, sondern ein großer, etablierter Private-Label-Hersteller mit viel Erfahrung – aber natürlich auch mit klarer Ausrichtung auf preisgünstige Massenware.
Zusammensetzung – was steckt drin?
Deklariert ist:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (60 %, u. a. 4 % Kalb, 4 % Huhn), Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse (Inulin 0,1 %)
Analytische Bestandteile:
Rohprotein 10,5 %, Rohfett 4,5 %, Rohfaser 0,4 %, Rohasche 2,5 %, Feuchtigkeit 81 %
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (60 %)
Positiv:
- 60 % tierische Bestandteile sind für ein günstiges Nassfutter absolut im Rahmen und im Vergleich zu manch anderem Discounterfutter sogar ordentlich.
- Innereien (also „tierische Nebenerzeugnisse“) können sehr wertvoll sein: Herz, Leber, Magen etc. liefern viele Vitamine und Mineralstoffe und sind für Hunde völlig normal und artgerecht.
Kritisch:
- Nur 4 % Kalb und 4 % Huhn werden konkret genannt. Das heißt:
8 % sind klar deklariert, 52 % dieser „60 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ bleiben unspezifisch – wir wissen nicht, welche Tierarten und welche Teile genau verwendet werden. - „Tierische Nebenerzeugnisse“ können von wertvollen Innereien bis hin zu eher minderwertigen Bestandteilen reichen. Ohne genauere Aufschlüsselung ist das Qualitätsniveau schwer einzuschätzen.
Für mich ist das eine typische Discounter-Deklaration der mittleren Liga:
Besser als „nur 4 % Fleisch vom XY, Rest unbekannt“, aber weit entfernt von hochwertigen Marken, die genau aufschlüsseln, wie viel Muskelfleisch, Herz, Leber etc. im Napf landen.
Pflanzliche Nebenerzeugnisse / Inulin
Es wird einzig „pflanzliche Nebenerzeugnisse (Inulin 0,1 %)“ genannt.
- Inulin ist ein präbiotischer Ballaststoff, der die Darmflora unterstützen kann. Kleine Mengen können positiv auf die Verdauung und die „guten“ Darmbakterien wirken.
- Die verwendete Menge ist mit 0,1 % sehr gering, reicht aber, um als Funktionszutat erwähnbar zu sein.
Kritisch:
- „Pflanzliche Nebenerzeugnisse“ ist ein Sammelbegriff – wir wissen nicht, was das konkret ist (z. B. Rübenschnitzel, Cellulose, pflanzliche Fasern…).
- Es ist kein echtes Gemüse angegeben, also kein klarer pflanzlicher Anteil wie Karotten, Kürbis etc.
Balu hat das Futter problemlos vertragen, aber bei sehr empfindlichen Hunden würde ich langsam einschleichen und beobachten.
Mineralstoffe
„Mineralstoffe“ als Sammelbegriff heißt: Es sind Mineralstoffmischungen zugesetzt, aber nicht einzeln deklariert. Das ist in der Preisklasse normal, aber nicht besonders transparent.
Dafür gibt es bei den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen noch etwas mehr Infos (siehe unten).
Analytische Bestandteile & NFE – passen die Werte?
Analytische Werte:
- Rohprotein: 10,5 %
- Rohfett: 4,5 %
- Rohfaser: 0,4 %
- Rohasche: 2,5 %
- Feuchtigkeit: 81 %
Eine unabhängige Expertin gibt für Nassfutter als sinnvolle Richtwerte etwa an:
8–12 % Protein, 4–6 % Fett, 1–3 % Rohasche, 0,5–1 % Rohfaser.
Im Vergleich dazu:
- Protein: 10,5 % → liegt sehr schön im empfohlenen Bereich.
- Fett: 4,5 % → ebenfalls voll im Rahmen.
- Rohasche: 2,5 % → auch im gesunden Mittelfeld.
- Rohfaser: 0,4 % → knapp unter der „Idealrange“, aber nicht dramatisch abweichend.
NFE (Kohlenhydratgehalt)
Den NFE-Wert (Stickstofffreie Extraktstoffe = Kohlenhydrate inkl. Zucker und Stärke) kann man überschlagen:
100 − (Protein + Fett + Rohfaser + Rohasche + Feuchtigkeit)
= 100 − (10,5 + 4,5 + 0,4 + 2,5 + 81)
= 100 − 98,9
≈ 1,1 % NFE (in der Nasssubstanz)
Auf Trockensubstanz (ca. 19 % Trockenmasse) umgerechnet:
- ca. 5,8 % Kohlenhydrate in der Trockenmasse
Das ist sehr kohlenhydratarm – also kein „Getreidebomber“, sondern für ein günstiges Nassfutter in diesem Punkt wirklich gut.
Ist das Futter getreidefrei?
In der Deklaration stehen keine Getreidearten (kein Weizen, Mais, Reis etc.).
Zusätzlich bestätigt ein unabhängiger Testbericht für genau dieses Produkt („Lidl Orlando Feine Pastete mit Kalb & Geflügel“), dass es getreidefrei ist und kein Zusatz von Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffen erfolgt.
Also:
Ja, das Futter ist getreidefrei – zumindest laut aktueller Deklaration und externer Einschätzung. Für Hunde mit echter Getreideallergie würde ich trotzdem immer selbst die Zutatenliste gegenlesen, aber die Anzeichen stehen gut.
Zusatzstoffe – was bringen Vitamin D3, E, Mangan, Kupfer, Zink?
Deklariert sind:
- Vitamin D3 (250 IE)
Wichtig für den Calcium- und Phosphorstoffwechsel und damit für Knochen und Zähne. - Vitamin E (15 mg)
Antioxidans, schützt Zellen vor freien Radikalen und stabilisiert Fette im Futter. - Mangan (1 mg) – als Mangan(II)-sulfat
Beteiligt an Enzymprozessen, Knochenaufbau und Stoffwechsel. - Kupfer (1 mg) – als Kupfer(II)-sulfat
Wichtig für Blutbildung, Pigmentierung und viele Enzymfunktionen. - Zink (15 mg) – als Zinksulfat
Unterstützt Haut, Fell, Immunsystem und Wundheilung.
Das sind für ein Alleinfuttermittel völlig typische, sinnvolle Zusätze in normalen Größenordnungen. Besonders positiv: Es sind keine künstlichen Farb- oder Aromastoffe und keine Konservierungsstoffe aufgeführt, was externe Tests bestätigen.
Wie klar ist die Deklaration?
Klar und positiv:
- 60 % tierische Bestandteile sind angegeben – das ist für die Preisklasse eher überdurchschnittlich.
- Die analytischen Werte sind vollständig und gut nachvollziehbar.
- Fütterungsempfehlungen sind laut deiner Beobachtung so gestaltet, dass sie in 300-g-Schritten denken – praktisch, weil man immer ganze Schälchen verfüttern kann.
- Eine externe Analyse bewertet Deklaration und Fütterungsempfehlung als „gut“ und weist darauf hin, dass das Futter laut Hersteller „mit Tierärzten entwickelt“ wurde.
Unklar / verbesserungswürdig:
- Die genaue Aufschlüsselung der tierischen Nebenerzeugnisse fehlt: Wie viel Muskelfleisch, wie viel Herz, wie viel Leber?
- Nur 4 % Kalb und 4 % Huhn sind als Sortenanteile deklariert – das reicht, um die Geschmacksrichtung zu rechtfertigen, sagt aber wenig über die tatsächliche Fleischqualität.
- „Pflanzliche Nebenerzeugnisse“ werden nicht konkret beziffert oder benannt (bis auf den Inulinanteil).
Fazit zur Deklaration:
Solide für ein Discounterfutter, aber definitiv keine Premium-Transparenz. Wer Wert auf „offene Deklaration“ legt, wird hier nicht vollständig glücklich.
Praxistest mit Balu – Akzeptanz, Verträglichkeit & Handling
Akzeptanz
Balu ist grundsätzlich kein heikler Esser – aber man merkt trotzdem, ob ein Futter nur okay oder richtig spannend ist.
Bei der Orlando-Pastete war das Ergebnis eindeutig:
- Napf wurde sehr zügig und vollständig geleert.
- Kein Zögern, kein Schnüffeln, kein „Ich komm später wieder“.
Subjektiv aus Balus Sicht: Geschmackstest bestanden.
Verträglichkeit
Ich habe das Futter eine Woche lang als Snack zwischen den Hauptmahlzeiten gegeben – eine sinnvolle Art zu testen, ohne gleich die komplette Ration umzustellen.
Das passt zu vielen Bewertungen, die Orlando-Pasteten als „gut verträglich“ beschreiben – es gibt aber auch einzelne Berichte von Hunden, die auf Orlando-Nassfutter mit Durchfall reagiert haben.
Gerade wegen des Inulins würde ich bei Magen-Darm-empfindlichen Hunden vorsichtig beginnen und die Menge langsam steigern.
Konsistenz, Geruch & Optik
- Konsistenz: Eine typische, relativ homogene Pastete, wie der Name verspricht.
- Gelee am Boden: Ein kleiner Geleerand am Schalenboden ist völlig normal – das sind gelierte Brühe/Anteile aus dem Kochprozess.
- Geruch: Den würde ich als ok beschreiben – also kein beißender Billigfutter-Mief, aber auch kein „Wow, riecht wie Sonntagsbraten“. Für mich passt das gut zur angestrebten Mittelklasse.
- Handling: Der Inhalt ließ sich leicht aus der Schale stürzen, ohne dass man kämpfen muss – praktisch im Alltag.
Verpackung & Design
- 300-g-Aluschale – eine gängige und handliche Portionsgröße.
- Das ORLANDO-Logo mit dem „Hund im OR“ ist tatsächlich ein nettes Detail und macht die Marke wiedererkennbar.
- Die Fütterungsempfehlung in vollen Schalen-Schritten (300 g, 600 g, 900 g …) ist super praxisnah – das nimmt vielen Haltern die Rechnerei ab.
Preis – günstig oder teuer?
Preis: 0,69 € pro 300-g-Schale
→ Das entspricht 2,30 € pro kg.
Zum Vergleich:
- Andere Discounter-Pasteten wie Penny „Lucky Dog“ oder Pablo liegen oft bei ca. 0,69–0,75 € für 300 g (also ebenfalls ca. 2,30–2,50 €/kg).
- Mittlere Marken wie “animonda Vom Feinsten” oder “Rinti Leichte Beute” liegen je nach Packung eher bei ~6 €/kg oder mehr – also ungefähr beim Doppelten.
- Hochpreisige Spezial- oder „Super-Premium“-Pasteten (z. B. Carnilove) schaffen locker 10–13 €/kg und darüber.
Damit ist Orlando „Feine Pastete mit Kalb & Geflügel“ klar im unteren Preissegment unterwegs – und für das, was man bekommt (getreidefrei, 60 % tierische Bestandteile, solide Nährwerte), preislich wirklich attraktiv.
Wie ordnet sich das Futter qualitativ ein?
Wenn man alles zusammenfasst:
Pluspunkte
- Getreidefrei, sehr niedriger Kohlenhydratanteil
- 60 % tierische Bestandteile – für die Preisklasse gut
- Nährwerte (Protein, Fett, Asche) im empfohlenen Bereich
- Keine Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe deklariert
- Praktische Portionsgröße und verständliche Fütterungsempfehlung
- Balu frisst es super gern und verträgt es im Testzeitraum gut
- Sehr günstiger Preis bei ordentlicher Zusammensetzung
- In externen Vergleichen landet das Futter im günstigen Segment auf den vorderen Plätzen (z. B. 4 von 5 Sternen bei PETBOOK).
Minuspunkte
- Deklaration bleibt bei tierischen Nebenerzeugnissen unscharf – keine genaue Aufteilung nach Tierarten und Organen.
- Kein echter Gemüse- oder Obstanteil – nur Inulin als pflanzlicher Bestandteil.
- „Mit Kalb & Geflügel“ klingt üppig, tatsächlich sind aber nur 4 % Kalb und 4 % Huhn garantiert.
- Für sehr ernährungssensible Hunde wäre mir persönlich eine offenere Deklaration lieber.
Fazit – würde ich es füttern?
Für mich ist ORLANDO „Feine Pastete mit Kalb & Geflügel“ ein solides, günstiges Nassfutter im unteren bis mittleren Qualitätssegment, das für viele Hunde als Hauptfutter im Alltag vertretbar ist – vor allem, wenn das Budget eine große Rolle spielt.
- Als Snack oder gelegentliche Mahlzeit wie bei Balu: absolut okay.
- Als Dauerfutter: Für einen gesunden, nicht hypersensiblen Hund kann man das machen, ich würde aber persönlich gern noch Abwechslung mit anderen, transparenter deklarierten Sorten reinbringen – z. B. Futtersorten, die genau angeben, wie viel Muskelfleisch und welche Innereien verwendet werden und die einen klar erkennbaren Gemüseanteil haben.
Kurz gesagt:
Preis-Leistung: stark. Transparenz & „Wow-Faktor“: mittel.
Für Sparfüchse mit unproblematischen Hunden eine durchaus vertretbare Wahl – Balu würde es definitiv wieder in seinen Napf lassen.
Selbst gekauft, selbst getestet – ganz ohne Bestechung! Sponsoring nehmen wir übrigens gerne, aber unsere Meinung bleibt so ehrlich wie der Blick eines Hundes, der auf dem Sofa erwischt wurde.


