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Ernährung

Hundefutter-Test: "Gourmet – Feine Pastete Rind pur" von Winston

Die Front der Schale in Knochenform
Die Front der Schale in Knochenform
Nachdem das letzte Winston-Produkt bei Ylvie schon überraschend gut ankam, hat uns natürlich die Neugier gepackt: Wie schlägt sich „Winston Gourmet – Feine Pastete Rind pur“ im etwas kritischeren Produkttest? Diesmal wollten wir genauer wissen, ob der Inhalt der niedlichen Knochenschale auch ernährungsphysiologisch überzeugt – und ob der Preis das Ganze rechtfertigt.

Wer steckt hinter Winston?

Winston ist die Tiernahrungs-Eigenmarke der Drogeriekette Rossmann. Rossmann selbst gibt es seit 1972, gegründet wurde das Unternehmen von Dirk Roßmann in Hannover; heute sitzt die Firmenzentrale in Burgwedel bei Hannover und Rossmann gehört zu den größten Drogeriemarktketten Europas mit mehreren Tausend Filialen und über 60.000 Mitarbeitenden.

Winston wurde Ende der 90er-Jahre als eine der ersten vier Eigenmarken von Rossmann eingeführt und deckt inzwischen ein breites Sortiment für Hunde, Katzen und andere Heimtiere ab – von Nass- und Trockenfutter bis hin zu Snacks und Zubehör.

Zur Philosophie schreibt Rossmann sinngemäß: Es werden „gezielt ausgesuchte Rohstoffe“ verwendet, die Produkte werden „unter hohen Qualitätsansprüchen“ und in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tiernahrungsexperten entwickelt, um eine „artgerechte Versorgung“ zu ermöglichen.

Spannend ist noch ein Punkt: Rossmann hat keine eigenen Futtermittelwerke. Als Drogeriekette lässt die Firma ihre Eigenmarken üblicherweise von spezialisierten Tiernahrungsherstellern produzieren. Für das Winston-Katzenfutter wird z. B. in einem unabhängigen Test Saturn Petcare als Produzent genannt – ein großer deutscher Lohnhersteller für Tiernahrung. Für das hier getestete Hundefutter ist der Hersteller nicht offiziell genannt, die Kennzeichnung „Hergestellt in der EU“ und eine Zulassungsnummer lassen aber sehr klar auf einen externen Produzenten schließen.

Kurz gesagt: großer Händler, Hausmarke Winston, produziert vermutlich bei einem der üblichen „Großen“ der Tiernahrungsbranche.

Das Produkt im Überblick

Produkt: Winston Feine Pastete Rind pur
Art: Nassfutter, Alleinfuttermittel für erwachsene Hunde
Verpackung: 175 g Schale in Knochenform
Preis: 1,19 € / 175 g → ca. 6,80 €/kg (Rossmann-Angabe: 1 kg = 6,80 €)

Zusammensetzung laut Deklaration

Analytische Bestandteile:

Zusatzstoffe (Auszug):

Ist das Futter getreidefrei?

Ja. In der Zusammensetzung tauchen keine Getreidearten (Weizen, Mais, Reis, Gerste, etc.) auf. Stattdessen steht dort nur die allgemeine Kategorie „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ sowie explizit Inulin als ein Teil davon.

Außerdem wirbt der Hersteller direkt mit „ohne Zucker- & Getreidezusatz“.

Wichtig: „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ ist ein schwammiger Begriff – er kann z. B. Rübenschnitzel, Schalen, Kleie, Fasern usw. umfassen. In Kombination mit der Werbeaussage „ohne Getreidezusatz“ ist aber sehr wahrscheinlich, dass hier tatsächlich keine klassischen Getreide im Spiel sind, sondern eher Fasern bzw. Ballaststoffe.

Fazit: Für Hunde, die getreidefrei gefüttert werden sollen oder Getreide nicht gut vertragen, passt das Futter in dieses Schema.

Qualität der Zusammensetzung: eher solide Mittelklasse

Schauen wir uns die einzelnen Bestandteile genauer an:

64 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (100 % vom Rind)

  • Positiv:
    • 64 % ist für ein Supermarkt-/Drogeriefutter ein recht ordentlicher Anteil.
    • „davon 100 % vom Rind“ bedeutet: Die tierischen Rohstoffe stammen ausschließlich vom Rind → Monoprotein auf Tierart-Ebene. Das ist praktisch für sensible Hunde, die andere Tierarten nicht vertragen.
  • Kritisch:
    • Es wird nicht aufgeschlüsselt, welche Teile vom Rind verwendet werden (Muskelfleisch? Herz? Leber? Lunge? Bindegewebe?).
    • „tierische Nebenerzeugnisse“ ist ein sehr breiter Begriff. Er kann hochwertige Innereien (Herz, Leber) meinen, aber auch eher minderwertige Teile wie Sehnen, Hautabschnitte, Lymphknoten etc.

Bewertung:
Der Fleischanteil ist im Rahmen der Preisklasse ok bis gut, aber die Transparenz ist mittelmäßig. Ein wirklich hochwertiges Futter würde z. B. schreiben: „Rind (Muskelfleisch, Herz, Leber, Lunge) 64 %“ und genau aufdröseln, was drin ist. Hier wissen wir nur: Es ist Rind, aber nicht welche Teile.

Mineralstoffe

Standard in jedem Alleinfuttermittel. Hier kommen die anorganischen Mineralquellen ins Spiel (z. B. Calcium, Phosphor, Magnesium etc.). Sie sind nötig, damit das Futter langfristig bedarfsdeckend ist.

Pflanzliche Nebenerzeugnisse (u. a. 0,4 % Inulin)

  • Inulin ist eine präbiotische Faser (meist aus Chicorée), die als „Futter“ für die Darmbakterien dient und die Verdauung positiv beeinflussen kann.
  • Der Rest der „pflanzlichen Nebenerzeugnisse“ bleibt offen. Das muss nicht schlecht sein, ist aber wieder wenig transparent.

Öle und Fette

  • Sollen Energie liefern und das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren verbessern.
  • Leider wird nicht angegeben, welche Öle verwendet werden (Fischöl? Leinöl? Sonnenblumenöl?).
  • Laut Analyse enthält das Futter 0,05 % Omega-3 und 0,15 % Omega-6 – das ist nicht riesig, aber für ein günstigeres Futter durchaus ok.

Auch hier wieder: funktional in Ordnung, aber nicht schön deklariert.

Hefen (0,1 %, davon 0,02 % Beta-Glucan)

  • Hefen können B-Vitamine liefern und werden oft als Immunsystem-Booster vermarktet.
  • Beta-Glucane sind bestimmte Polysaccharide aus der Hefezellwand, die immunmodulierende Effekte haben können.
  • 0,02 % ist eher eine kleine Menge – aber als „Add-on“ kann das schon sinnvoll sein, auch wenn es marketingtechnisch deutlich größer klingt als es mengenmäßig ist.

Nährwerte & NFE: Wie „kohlenhydratarm“ ist Winston Rind pur?

Wir können aus den angegebenen analytischen Werten den sogenannten NFE-Gehalt (Stickstofffreie Extraktstoffe, grob gesagt: Kohlenhydrate inklusive Stärke & Zucker) berechnen.

Formel auf As-Fed-Basis (wie es in der Schale ist):

NFE % ≈ 100 % – (Protein + Fett + Rohfaser + Rohasche + Feuchtigkeit)

Setzen wir die Werte ein:

  • Protein: 10,5
  • Fett: 7,0
  • Rohfaser: 0,5
  • Rohasche: 2,0
  • Feuchtigkeit: 77,0

Summe:
10,5 + 7,0 = 17,5
17,5 + 0,5 = 18,0
18,0 + 2,0 = 20,0
20,0 + 77,0 = 97,0

→ 100 – 97 = 3 % NFE (as fed)

Die Trockensubstanz (Trockenmasse) liegt bei
100 – 77 = 23 %.

Um NFE auf Trockenmassebasis zu bekommen:

3 / 23 ≈ 0,13 → ca. 13 % NFE in der Trockenmasse

Einordnung:
3 % NFE (bzw. 13 % auf Trockenmassebasis) sind relativ wenig. Das passt zu einem getreidefreien, fleischlastigen Nassfutter. Kohlenhydrate spielen hier energetisch nur eine Nebenrolle – das ist aus Hundesicht eher positiv.

Ist das ein hochwertiges oder eher durchschnittliches Futter?

Wenn man alles zusammenfasst:

Pluspunkte

  • Ganz ordentlicher Fleischanteil (64 %)
  • Monoprotein-Rind (gut für Ausschlussdiäten / sensible Hunde)
  • Getreidefrei, geringer NFE-Gehalt
  • Vernünftige Rohasche (2 %) → kein übertrieben hoher Mineralstoffgehalt
  • Zugefügte Omega-Fettsäuren, Biotin, Zink, Vitamine passend zur Fell- und Hautgesundheit
  • Beta-Glucan & Inulin können Verdauung und Immunsystem unterstützen

Minuspunkte

  • Keine genaue Aufschlüsselung der tierischen Nebenerzeugnisse → Qualität des „Fleisches“ bleibt unklar
  • „Öle und Fette“ nicht näher benannt
  • „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ sehr unspezifisch
  • Natriumnitrit als technologischer Zusatzstoff (dazu unten noch etwas mehr)

Mein Fazit zur Qualität der Rezeptur:
Winston Rind pur bewegt sich klar im soliden Mittelfeld: ernährungsphysiologisch brauchbar, kohlenhydratarm, für die Preisklasse okay – aber von echter Premium-Transparenz und -Qualität (mit klar benannten Fleischstücken, Innereien und Ölen) ist es ein Stück entfernt.

Du bekommst hier also kein „Billig-Schrott“, aber eben auch kein High-End-Futter – sondern eine ganz brauchbare Drogerie-Eigenmarke im etwas aufgebrezelten Gewand.

Zusatzstoffe & Natriumnitrit – ein kurzer Realitätscheck

Die ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe (Vitamine, Zink, Mangan, Jod, Kupfer) sind Standard in Alleinfuttermitteln und sinnvoll, um Mängel zu vermeiden. Hier gibt es nichts Ungewöhnliches zu bemängeln.

Interessanter ist der technologische Zusatzstoff Natriumnitrit (14 mg):

  • Wird als Konservierungsstoff bzw. Pökelstoff eingesetzt.
  • In zu hohen Mengen kann Nitrit mit Eiweißabbauprodukten sogenannte Nitrosamine bilden, die als problematisch gelten – deshalb sind die zugelassenen Mengen streng reguliert.
  • Die hier angegebene Menge liegt im Rahmen der gesetzlich zulässigen Dosierungen.

Aus praktischer Sicht:
Für einen Hund, der gelegentlich so ein Schälchen frisst oder das Futter – wie bei Ylvie – eher als Snack bekommt, halte ich den Nitritgehalt für kein akutes Drama.
Wenn du aber extrem konsequent „so sauber wie möglich“ füttern willst oder dein Hund empfindlich ist, würdest du vermutlich zu einem Futter ohne Nitrit greifen.

Wie klar ist die Deklaration?

Klar und positiv:

  • Alle obligaten Nährstoffe und Zusatzstoffe werden ordentlich aufgeführt.
  • Der Hersteller benennt offen, dass nur Rind als Tierart verwendet wird.
  • Fütterungsempfehlung ist übersichtlich nach Körpergewicht aufgedruckt – gut lesbar und leicht verständlich.

Unklar / Marketing-lastig:

  • „Mit viel Fleisch“ – ja, 64 % ist ok, aber ohne Aufschlüsselung bleibt offen, wie viel davon hochwertiges Muskelfleisch ist.
  • „Hochwertige Öle“ – die Ölquellen werden leider nicht benannt.
  • „Pflanzliche Nebenerzeugnisse“ könnten alles Mögliche sein; nur Inulin wird genannt.

Gesamt-Eindruck:
Die Deklaration ist besser als bei vielen Billig-Produkten, aber deutlich weniger detailliert als bei wirklich hochwertigen Marken. Wenn du sehr auf Transparenz stehst, wirst du hier ein bisschen die Stirn runzeln.

Praxistest mit Ylvie (10 Jahre, 20 kg, sensibel & wählerisch)

Jetzt das, was uns als Hundehalter meistens als erstes interessiert: Frisst der Hund das überhaupt?

  • Ylvie ist 10 Jahre alt, 20 kg schwer und eher sensibel und wählerisch.
  • Rind funktioniert bei ihr erfahrungsgemäß gut.
  • Im Testzeitraum von einer Woche hat sie die Schale jedes Mal in Rekordzeit leergefegt.
  • Ich habe es ihr mittags als Snack gegeben, nicht als Hauptfutter.
  • Bisher zeigt sie keine Auffälligkeiten in der Verträglichkeit – also keine spontanen Bauchprobleme, kein erkennbares Unwohlsein.

Geruch & Optik aus deiner Beobachtung:

  • Geruch ist „okay“ – nicht besonders lecker, aber auch kein unangenehmer Billig-Fleischgeruch.
  • Konsistenz: relativ fein und durchschnittlich gemahlen, typisch Pastete.
  • Farbe: Rötlich, passend zur Rind-Deklaration.
  • Handhabung: Der Schaleninhalt ließ sich, wie bei Schalen üblich, sehr leicht und rückstandslos entleeren.

Verpackung:

  • Knochenform, optisch wirklich niedlich und im Regal ein Hingucker.
  • Fütterungsempfehlung gut lesbar, für mehrere Gewichtsstufen angegeben.

Mein Kommentar dazu:
Von der Akzeptanz her scheint Winston Rind pur bei Ylvie ein Volltreffer zu sein. Gerade wenn ein sonst skeptischer oder sensibler Hund ein Futter begeistert frisst und es gut verträgt, ist das ein echtes Plus – unabhängig davon, ob das Etikett perfekt ist oder nicht.

Da Ylvie das Futter nur als Snack bekommt, passt die etwas weniger perfekte Deklaration für mich in den Kontext: als gelegentliche Mahlzeit ist das absolut vertretbar.

Preis-Check: Teuer oder günstig?

Der Preis liegt bei:

  • 1,19 € für 175 g
  • ca. 6,80 €/kg

Zum Vergleich:

  • Günstige Eigenmarken-Nassfutter (z. B. Schlemmertopf/Standard-Winston oder dm „Dein Bestes“) liegen oft bei etwa 2,0–2,5 €/kg.
  • „Bessere“ getreidefreie Nassfutter aus dem Fachhandel/Onlinebereich starten grob ab 4–5 €/kg und können bis deutlich über 8 €/kg gehen (z. B. Lukullus, diverse Premium-Rind-Menüs).

Es gibt sogar eine grobe Faustregel in manchen Futtertests: unter 3 €/kg Nassfutter = häufig mindere Qualität, ab da wird es interessanter – natürlich mit Ausnahmen.

Einordnung von Winston Rind pur:

  • Preislich liegt es klar über den typischen Drogerie-/Discounter-Dosen, eher im Bereich mancher Fachhandelsprodukte.
  • Die Rezeptur ist gut brauchbar, aber nicht so hochwertig oder transparent wie bei vielen Premium-Marken, die sich im gleichen oder leicht höheren Preisbereich bewegen.

Mein Fazit zum Preis-Leistungs-Verhältnis:

  • Als kleiner Snack, den der Hund liebt: Preis ok, vor allem wenn dir die praktische kleine Portion und das Monoprotein-Rind wichtig sind.
  • Als dauerhaftes Hauptfutter: Da wäre ich in dieser Preisklasse ehrlich gesagt versucht, mich auch bei sehr transparent deklarierten Marken im Fachhandel umzuschauen, wo du für ähnliches Geld zum Teil eine klarere und teils hochwertigere Zusammensetzung bekommst.

Kosten

Gewicht des HundesFuttermenge pro TagSchalen pro Tag (theoretisch)Futtermenge pro Monat (30 Tage)Schalen pro Monat (theoretisch)Monatskosten (ca.)
5 kg295 g1,69 Schalen8.850 g50,57 Schalen60,18 €
10 kg490 g2,80 Schalen14.700 g84,00 Schalen99,96 €
20 kg838 g4,79 Schalen25.140 g143,66 Schalen170,95 €
30 kg1.146 g6,55 Schalen34.380 g196,46 Schalen233,78 €
Pluspunkte
  • Getreidefrei, relativ kohlenhydratarm
  • Monoprotein-Rind

    interessant für sensible Hunde, die Rind gut vertragen

  • Ordentlicher Fleischanteil

    wenn auch nicht sauber aufgeschlüsselt

  • Zusatzstoffe wie Biotin, Zink & Omega-Fettsäuren für Fell & Haut
  • Gut akzeptiert

    zumindest bei Testhündin Ylvie ein eindeutiger Erfolg

  • Praktische, kleine Portionsschale, gut für Snacks, Reisen oder „mal was anderes“
Minuspunkte
  • Deklaration bleibt bei Fleischteilen, pflanzlichen Nebenerzeugnissen und Ölen unscharf
  • Natriumnitrit als Konservierungsstoff ist nicht jedermanns Geschmack
  • Preis pro kg ist für eine Eigenmarke relativ hoch, während die Rezeptur „nur“ solide Mittelklasse ist

Gesamtfazit: Für wen ist Winston Rind pur geeignet?

Mein persönliches Urteil:
Winston Rind pur ist ein solides, gut verträgliches Nassfutter aus der Drogerie, das bei sensiblen oder mäkeligen Hunden wie Ylvie durchaus punkten kann – vor allem als gelegentlicher Snack oder als „Zwischenmahlzeit mit gutem Gewissen“.

Wenn du jedoch ein hauptsächliches Alleinfuttermittel im Premium-Bereich suchst und dir eine sehr transparente Deklaration mit klar benannten Fleischbestandteilen wichtig ist, würde ich das Futter eher in die Kategorie „gute Mittelklasse, aber nicht die Spitze“ einsortieren und parallel andere Marken in Betracht ziehen.