Hundefutter-Test: „Kennerfleisch Pute“ von RINTI
Kurz zum Hersteller
RINTI gehört zur Finnern GmbH & Co. KG aus Verden (Aller), Niedersachsen. Das Familienunternehmen wurde 1983 von Roswitha und Joachim Finnern gegründet und steht u. a. hinter den Marken RINTI, Miamor, Kattovit und Schmusy. Finnern positioniert sich mit fleischbetonten Rezepturen und Premium-Anspruch; produziert wird nach Herstellerangaben in zertifizierten Betrieben (sprich: man arbeitet mit Partnerwerken, nicht zwingend in einem eigenen Werk). Sitz: Bahnhofstraße 11, 27283 Verden.
Was steckt drin? – Deklaration & Einordnung
Zusammensetzung (vom Etikett): Lunge, Muskelfleisch, Leber, Niere, Pute (6 %), Euter, Schwarten, Pansen, Mineralstoffe, Flachsöl (0,2 %), Rübenfaser (0,2 %).
Analytik: Rohprotein 11 %, Fett 8 %, Rohfaser 0,6 %, Rohasche 2,5 %, Feuchte 77 %, Calcium 0,3 %, Phosphor 0,25 %, 115 kcal/100 g.
RINTI bewirbt mit „70 % Fleisch & Innereien“ und „getreidefrei“.
Bewertung der Zutatenqualität
- Muskelfleisch liefert hochwertige, gut verwertbare Proteine – das ist der wertvollste Baustein.
- Leber (Vit. A, B-Vitamine, Spurenelemente) und Niere (B-Vitamine, Selen) bringen Mikronährstoffe mit.
- Lunge ist sehr mager, aber nährstoffärmer als Muskelfleisch;
- Pansen kann dank Restfermente & Mikrobiota die Verdauung mancher Hunde unterstützen;
- Euter (fettreich) und Schwarten (kollagenreich) sind zwar „tierisch“, aber ernährungsphysiologisch weniger wertvoll – sie können den deklarierten Fleischanteil „aufhübschen“, ohne die Aminosäurequalität groß zu erhöhen.
- Flachsöl liefert Omega-3 (ALA) – sinnvoll, aber ALA wird vom Hund nur begrenzt in EPA/DHA umgewandelt; Meeresquellen (Fisch/Algen) wären hier effizienter.
- Rübenfaser dient als moderate Ballaststoffquelle für Kotkonsistenz.
Transparenz der Deklaration
Positiv: Organe werden konkret benannt (statt nur „tierische Nebenerzeugnisse“).
Weniger schön: nur 6 % Pute sind garantiert; der Rest der tierischen Bestandteile ist nicht nach Tierart aufgeschlüsselt (vermutlich Rind/Schwein). Für Allergiker oder Eliminationsdiäten ist das keine Monoprotein-Pute. RINTI kommuniziert dazu generell „Fleisch & Innereien 70 %“ und erklärt, was mit „tierischen Nebenerzeugnissen“ gemeint ist – aber ohne genaue Anteile von Muskelfleisch vs. Organe. Insgesamt: mitteltransparent.
Nährstoffcheck kurz & knackig
- Ca:P-Verhältnis ≈ 1,2 : 1 (0,30 % : 0,25 %) – für erwachsene Hunde gut im Soll.
- NFE (Kohlenhydrate) berechnet: 100 − (Protein 11 + Fett 8 + Asche 2,5 + Feuchte 77 + Faser 0,6) = 0,9 % as-fed → ~3,9 % in Trockensubstanz. Also sehr kohlenhydratarm und damit im Sinne des Marketings „ohne Kohlenhydrate“ – streng genommen sind es nicht null, aber vernachlässigbar.
- Energie: 115 kcal/100g ist moderat; für 20-kg-Hunde ergeben sich praxisnah ~800g / Tag je nach Aktivität – deckt sich mit gängigen Fütterungshinweisen.
Preis & Einordnung im Markt
400 g = 1,59 € (≈ 3,98 €/kg), 800 g = 2,65 € (≈ 3,31 €/kg). Damit liegt Kennerfleisch preislich unter bis mittleres Segment. Zum Vergleich (Stand Anfang September 2025, Onlinepreise):
- Animonda GranCarno 400 g: ab ~1,51 € (≈ 3,78 €/kg).
- Rocco Classic 24×800 g: im Sparpaket ca. 3,07 €/kg (noch günstiger).
- Real Nature Wilderness 400 g (Fressnapf-Exklusiv): meist > 8 €/kg (deutlich teurer).
Fazit Preis: fair bis günstig für ein Fachhandels-Nassfutter mit „70 % Fleisch & Innereien“.
Praxis: Handling, Deklaration, Fütterung
- Verpackung & Handling: Das Design ist ansprechend, Schälchen leicht zu entleeren, Dosen dagegen widerspenstig – da geht noch was.
- Fütterungsempfehlung: auf dem Schälchen sind laut Etikett nur 5 kg/10 kg-Werte für Hunde – das ist knapp.
- Werbeaussagen: „Fleisch pur“, „hoher Fleischanteil“, „ohne Kohlenhydrate“ – letzteres ist als alltagssprachliche Aussage ok (NFE sehr niedrig), aber fachlich sind kleine Mengen Kohlenhydrate/ Ballaststoffe enthalten. „Fleisch pur“ schließt Euter/Schwarten mit ein; das ist legal „tierisch“, aber ernährungsphysiologisch nicht auf dem Niveau von Muskelfleisch.
Unser Test mit Ylvie
Unsere Ylvie ist sensibel und wählerisch. Die Akzeptanz ist gut, Kot normal, keine Blähungen oder Juckreizauffälligkeiten in der Testwoche. Die Stückigkeit fanden wir positiv, der Geruch ist „klassisch Dose“, nicht penetrant.
Gesamturteil
Als preiswerter Alltagskandidat mit viel „tierisch“, wenig Kohlenhydrat und ordentlichem Nährstoffbild macht RINTI Kennerfleisch Pute vieles richtig. Wer strikte Single-Protein-Rezepte sucht oder Muskelfleisch-Anteile genau wissen möchte, ist bei anderen Linien besser aufgehoben. Für den „normalen“ Adult-Hund, der Innereien gut verträgt, ist es ein solides, budgetfreundliches Nassfutter – mit Luft nach oben bei Transparenz und Handling.