Zum Hauptinhalt springen
Ernährung

Hundefutter-Test: "Meat Snack Strips Rind" von PREMIERE

Die Front der Verpackung mit Sichtfenster
Die Front der Verpackung mit Sichtfenster
Wenn dein Hund beim Wort „Fleischstreifen“ plötzlich perfekte Fußarbeit anbietet, sind die PREMIERE „Meat Snack Strips“ definitiv ein spannender Kandidat. Unsere Testerin Ylvie (10 Jahre, 20 kg, eher sensibel und wählerisch) war jedenfalls sofort Feuer und Flamme – aber wie sieht es aus, wenn man jenseits der leuchtenden Hundeaugen kritisch auf Inhalt, Deklaration und Preis schaut?

Wer steckt dahinter? – PREMIERE & Fressnapf im Kurzportrait

PREMIERE ist keine eigenständige kleine Manufaktur, sondern eine Exklusivmarke von Fressnapf. Fressnapf wurde 1990 von Torsten Toeller gegründet, der erste Markt eröffnete in Erkelenz (NRW). Heute sitzt die Unternehmenszentrale in Krefeld und die Gruppe ist mit rund 2.700–2.800 Märkten in 15 Ländern Europas der größte Fachhändler für Heimtierbedarf in Europa.

PREMIERE deckt ein breites Futtersortiment ab: Trocken- und Nassfutter („Best Meat“, „Finest Meat“) sowie zahlreiche Snacks wie Meaties, Jerkys und Fleischstreifen. Laut Fressnapf-Markenseite stellt PREMIERE die Bedürfnisse der Tiere in den Mittelpunkt und setzt auf Rezepturen mit hohem Fleischanteil, ohne Farb- und Konservierungsstoffe und „gute Qualität zum fairen Preis“.

Ob Fressnapf eigene Produktionsstätten für PREMIERE betreibt, wird öffentlich nicht klar kommuniziert. Da Fressnapf primär ein Handelsunternehmen ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass PREMIERE-Produkte von spezialisierten Futtermittelherstellern im Lohnauftrag produziert werden – die genauen Hersteller bleiben aber gegenüber Endkunden intransparent.

Zusammensetzung der Meat Snack Strips – erster Eindruck

Vorab: Online findet man auf fressnapf.de andere Prozentangaben als auf der Tüte. Wir haben uns für die Werte der Online-Version geeinigt, aber hier müsste noch nachgebessert werden.

Deklaration laut Angaben

Analytische Bestandteile

Zusatzstoffe

  • Technologische Zusatzstoffe: Konservierungsmittel (nicht näher benannt)

Fleischanteil & Qualität

  • Positiv: 96,3 % Rindfleisch ist grundsätzlich ein sehr guter Ansatz. Der Begriff „Rindfleisch“ ist deutlich besser als das unkonkrete „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, weil er vermuten lässt, dass hauptsächlich Muskelfleisch verarbeitet wird.
  • Monoprotein: Da nur Rind als tierische Quelle angegeben ist, eignet sich der Snack grundsätzlich gut für Hunde, die andere tierische Proteine meiden müssen (z. B. bei Huhn-Allergie) – vorausgesetzt, in der Produktion gibt es keine starken Kreuzkontaminationen mit anderen Sorten.

Pflanzliche Nebenerzeugnisse

Hier wird es unscharf:

  • pflanzliche Nebenerzeugnisse“ ist ein Sammelbegriff – das kann von Kartoffelstärke über Erbsenfasern bis hin zu pflanzlichen Reststoffen aus der Lebensmittelindustrie so ziemlich alles sein.
  • Da sie hinter dem Rindfleisch stehen, ist die Menge vermutlich überschaubar – aber du erfährst weder, welche Pflanzen verwendet werden, noch in welcher Qualität.

Für kritische Halter, die genau wissen wollen, was im Napf (oder in der Snacktasche) landet, ist das klar ein Minuspunkt in der Deklaration.

Mineralstoffe

  • Das sind meist einfache Mineralstoffmischungen (z. B. Calcium, Phosphor etc.).
  • In einem Snack haben sie eher eine technologische bzw. Ergänzungsfunktion und sind nicht per se problematisch.

Wie „klar“ ist die Deklaration?

Klar:

  • Hoher Anteil Rindfleisch mit konkreter Bezeichnung.
  • Überschaubige Zutatenliste ohne zehn verschiedene versteckte Zusätze.

Eher unklar:

  • „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ – kein Hundebesitzer weiß damit wirklich, welche Rohstoffe gemeint sind.
  • „Konservierungsmittel“ wird nicht genauer benannt. Gerade bei sensiblen Hunden oder Allergikern wäre es hilfreich zu wissen, ob z. B. Sorbinsäure, Kaliumsorbat oder etwas anderes eingesetzt wird.

Unterm Strich: teilweise lobenswert einfach, aber gleichzeitig unnötig schwammig an entscheidenden Stellen.

Ist der Snack getreidefrei?

In der Deklaration tauchen kein Getreide und keine typischen Bezeichnungen wie Reis, Mais, Weizen etc. auf.
Formal kann man also sagen:

Es wird kein Getreide deklariert, der Snack ist daher vermutlich getreidefrei.

Aber:
Da „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ alles Mögliche einschließen können, lässt sich eine winzige Restunsicherheit nicht komplett ausschließen. Für die meisten Hunde mit Getreideunverträglichkeit wird das Produkt aber praktisch als getreidefrei durchgehen.

Nährwerte & NFE – was steckt drin?

Mit den angegebenen Werten kann man den ungefähren Kohlenhydratgehalt (NFE) berechnen:

100 − Protein (51) − Fett (4,1) − Rohasche (4,3) − Rohfaser (0,2) − Feuchtigkeit (20,9)
= 19,5 % NFE

Das bedeutet: rund 19,5 % der Trockenmasse sind Kohlenhydrate (bzw. stickstofffreie Extraktstoffe).

Für einen „Fleischstreifen“ ist das relativ viel, denn reine Trockenfleischstreifen kommen oft auf nahezu 0–5 % Kohlenhydrate. Der erhöhte NFE-Wert passt gut zur vagen Angabe „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ – hier steckt also definitiv etwas Pflanzliches mit drin, vermutlich als Bindemittel oder zur Formgebung.

Bewertung der Nährwerte

  • Protein 51 %: Sehr proteinreich – typisch für einen Fleischsnack. Gut für Muskulatur, Sättigungsgefühl und als „hochwertige Belohnung“.
  • Fett 4,1 %: Das ist wirklich mager für einen Fleischsnack.
    → Vorteil für Hunde, die schnell zunehmen oder zu Pankreatitis neigen.
    → Gleichzeitig liefert der Snack nicht so viele Kalorien wie manche fetten Kaustangen.
  • Rohfaser 0,2 %: Kaum Ballaststoffe, was bei einem Snack völlig okay ist.
  • Feuchtigkeit 20,9 %: Deutet auf einen halb-trockenen Snack hin (Jerky-Art). Dadurch intensiver Geruch, aber auch eine längere Haltbarkeit – eben mit Hilfe von Konservierungsmitteln.

Fazit zum Nährwertprofil:
Ein magerer, sehr eiweißreicher Snack, der aber durch die recht hohe NFE-Zahl zeigt, dass es eben nicht nur pures Trockenfleisch ist, sondern mit pflanzlichen Komponenten gestreckt/gebunden wird.

Ohne künstliche Zusätze – stimmt das?

Der Hersteller wirbt mit:

  • besonders schmackhaft
  • ohne künstliche Zusätze
  • geringer Fettanteil

Die Deklaration nennt aber:

  • Technologische Zusatzstoffe: Konservierungsmittel

Das ist problematisch:

  • „geringer Fettanteil“: ✔ passt zu den 4,1 % Fett – das stimmt.
  • „besonders schmackhaft“: ✔ subjektiv, aber Ylvies Begeisterung bestätigt das.
  • „ohne künstliche Zusätze“: ✖ hier zucke ich klar zusammen.
    Wenn Konservierungsmittel eingesetzt werden und nicht angegeben wird, dass es sich um „natürliche“ Konservierungsstoffe (wie Rosmarinextrakt etc.) handelt, wirkt der Slogan ziemlich schöngefärbt.
    Selbst wenn es „nur“ Standard-Konservierungsstoffe sind, sind das in der Praxis eben künstliche Zusätze.

Kurz: Die Werbeaussage ist an der Stelle mindestens missverständlich, wenn nicht sogar schlicht unglaubwürdig.

Praxistest mit Ylvie – Akzeptanz & Verträglichkeit

Akzeptanz

Ylvie, 10 Jahre alt, 20 kg, sensibel und wählerisch, war super motiviert, für die Meat Snack Strips mehrere Tricks zu zeigen. Das spricht für:

  • starken Geruch
  • hohe Schmackhaftigkeit
  • gute Textur zum Kauen

Aus Hundesicht also: Top-Leckerli.

Verträglichkeit

Über mehrere Wochen getestet, ohne dass ich bisher Probleme bemerkt habe – bei einer sensiblen Hündin ist das ein gutes Zeichen. Trotzdem gilt bei Snacks:

  • Sie sollten max. 10 % der täglichen Energiezufuhr ausmachen.
  • Gerade bei sensiblen Hunden lohnt es sich, die Menge moderat zu halten und auf Verdauung, Haut und Ohren zu achten.

Geruch & Handling

  • Ich beschreibe den Geruch als „schrecklich“ intensiv, vergleichbar mit Ochsenziemer – und dass deine Finger nach dem Füttern erstmal gewaschen werden müssen. Das ist typisch für stark riechende Fleischsnacks: Hunde feiern das, Menschen eher weniger.
  • Positiv:
    • Sichtfenster in der Verpackung – du siehst direkt, was du kaufst.
    • Praktische Größe, ca. 5 cm lange Streifen, gut für unterwegs.
    • Unterschiedliche Längen können beim Training sogar ein Vorteil sein (größerer Jackpot vs. kleine Belohnung).

Für den Einsatz als Trainingssnack unterwegs macht der Snack einen ziemlich praktischen Eindruck – solange du den Geruch tolerierst.

Preis: teuer oder günstig?

150 g Beutel für 5,99 € → 39,93 €/kg

Zum Einordnen ein Vergleich mit anderen Rindfleischstreifen in Deutschland:

  • Lakefields Trockenfleischstreifen Rind (150 g): 8,99 € → 59,93 €/kg (klarer Premium-Bereich)
  • Cit Tiernahrung Fleischstreifen Rind (je nach Packungsgröße): ca. 29,58–44,20 €/kg.
  • Snackies Rindfleischstreifen (170 g): 4,99 € → 29,35 €/kg.

Damit liegen die PREMIERE Meat Snack Strips:

  • über manchen einfacheren Fleischstreifen (um ~30 €/kg),
  • unter einigen Premium-Manufakturen (um ~60 €/kg),
  • grob im soliden Mittelfeld bis leicht oberen Mittelfeld.

Angesichts des hohen Fleischanteils, aber auch der nicht ganz sauberen Deklaration und des Einsatzes nicht näher benannter Konservierungsmittel würde ich sagen:

Preislich okay, aber kein Schnäppchen.
Du zahlst spürbar für Marke/Handelskette und Bequemlichkeit, bekommst aber keine kompromisslos cleanen Premium-Streifen.

Gesamtfazit: Hochattraktiver Snack für den Hund, mit ein paar Fragezeichen für den Menschen

Pluspunkte
  • Sehr hoher Rindfleischanteil (96,3 %).
  • Magerer Snack mit nur 4,1 % Fett

    gut für figur- oder pankreas-empfindliche Hunde.

  • Monoprotein (Rind)

    interessant für viele Allergiker.

  • Sehr hohe Akzeptanz im Test

    Ylvie war begeistert

  • Praktische Streifenform, gut mitzunehmen, Sichtfenster in der Packung.
  • Preis im mittleren bis oberen Bereich, aber noch vertretbar.
Minuspunkte
  • pflanzliche Nebenerzeugnisse ohne genaue Angabe

    das geht besser.

  • NFE von ca. 19,5 % zeigt deutlich, dass es kein reines Trockenfleisch ist, sondern mit pflanzlichen Komponenten gestreckt.
  • Konservierungsmittel werden eingesetzt, aber nicht benannt.
  • Werbeaussage „ohne künstliche Zusätze“ passt nicht zu „Konservierungsmittel“ in der Deklaration

    das wirkt unglaubwürdig.

Für wen würde ich die PREMIERE Meat Snack Strips empfehlen?

  • Für Hunde, die Rind gut vertragen und gerne intensiv riechende Fleischsnacks mögen.
  • Für Halter, die einen mageren, sehr schmackhaften Trainingssnack suchen und mit etwas intransparenten Pflanzenanteilen leben können.
  • Eher nicht für Menschen, die:
    • extrem viel Wert auf radikal „clean label“ legen (100 % Fleisch, keine Zusätze),
    • genau wissen müssen, welche pflanzlichen Rohstoffe verwendet werden,
    • bei Konservierungsstoffen sehr streng sind.

Ylvie würde den Snack vermutlich weiter feiern – und aus Hundesicht kann man das voll verstehen. Aus menschlich-kritischer Sicht bleibt: gute Idee und solide Basis (viel Fleisch, wenig Fett), aber bei Deklaration und Werbeversprechen dürfte PREMIERE gerne ehrlicher und transparenter werden.