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Ernährung

Testbericht: „Adult Rind mit Kohlrabi“ von NaturPlus

Die Vorderseite der Dose
Die Vorderseite der Dose
Wir haben diesen Test nicht gewohnt mit Ylvie gemacht, sondern mit Xenia – der 3-jährigen, 18-kg-Hündin einer Freundin. Und ja: Xenia ist normalerweise eher so der Typ „Ich schnuppere drei Mal – und dann schaue ich dich skeptisch an“. Genau deshalb war sie perfekt für den Praxistest, denn unsere Freundin war auf der Suche nach einem neuen Nassfutter, das gut klingt, gut aussieht und vor allem gefressen wird. Zwei Wochen lang gab’s „Adult Rind mit Kohlrabi“ – und das Ergebnis war (für Xenia-Verhältnisse) ziemlich eindeutig.

Kurz zum Hersteller: Wer steckt hinter NaturPlus?

NaturPlus (oft auch als NATURplus geführt) ist keine kleine Manufaktur mit Hofladen-Flair, sondern eine Eigenmarke aus dem Umfeld von DAS FUTTERHAUS. Das Unternehmen dahinter ist im Zoofachhandel groß aufgestellt (viele Märkte, viel Reichweite) – entsprechend wirkt die Marke eher wie „durchdachtes Handelsmarken-Konzept“ als wie ein Familienbetrieb, der selbst einkocht.

Was man der Marke zugutehalten muss: Die Positionierung ist klar. NaturPlus stellt natürliche Zutaten, kurze Rezepturen ohne „Schnickschnack“ und einen Umweltfokus in den Vordergrund. Produziert wird laut Markenkommunikation in Deutschland oder Nachbarländern – also eher herstellen lassen als selbst eine eigene Fabrik betreiben.

Was NaturPlus außerdem im Sortiment hat: nicht nur Hundenassfutter, sondern auch Trockenfutter, Snacks – und sogar Alternativen wie Veggie- und Insekten-Sorten. Das ist spannend, weil es zeigt: Hier denkt man nicht nur klassisch Fleischdose, sondern versucht, verschiedene Fütterungsstile abzudecken.

Zusammensetzung im Check

Deklaration (Auszug):
60 % Rind (Fleisch, Lunge, Euter, Herz, Pansen, Niere, Kehlkopf, Leber), 6 % Karotte, 4 % Kohlrabi, 3 % Hüttenkäse, 1 % Mineralstoffe, 0,8 % Rapsöl (raffiniert)

  • ca. 25,2 % Kochwasser (produktionsbedingt)

Mein Eindruck zur Zutatenliste

Das liest sich insgesamt erfreulich echt: Rind ist sauber aufgeschlüsselt, Innereien werden nicht versteckt, Gemüse ist konkret benannt, und es gibt keine typischen Nebelkerzen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u. a. …)“. Das spricht eher für transparente, solide Qualität.

Kritischer Punkt: Der Zusatz „ca. 25,2 % Kochwasser“ ist zwar ehrlich (das ist gut!), aber er erinnert auch daran, dass ein Teil der Dose eben Wasser ist. Das ist bei Nassfutter normal – trotzdem: Wer „60 % Rind“ liest, vergisst gern, dass Nassfutter insgesamt sehr feucht ist.

Wofür sind die einzelnen Inhaltsstoffe gut?

Rind (60 %)

  • Muskelfleisch liefert gut verwertbares Protein (Muskelerhalt, Immunsystem, Enzyme).
  • Innereien sind ernährungsphysiologisch wertvoll:
    • Leber: Vitamin A, viele B-Vitamine, Spurenelemente (aber auch potent, deshalb gut, dass sie nicht allein steht)
    • Herz: Taurin und hochwertiges Protein
    • Pansen: wird oft wegen Akzeptanz und „Bauchgefühl“ geschätzt
    • Niere/Lunge/Kehlkopf/Euter: liefern je nach Anteil Protein, Fett, verschiedene Mikronährstoffe

Unterm Strich: Innereien sind kein Billigtrick, sondern können richtig sinnvoll sein – wenn sie klar deklariert werden. Und das passiert hier.

Karotte (6 %)

Karotte bringt etwas Ballaststoff, kann die Verdauung sanft unterstützen und liefert u. a. Beta-Carotin. Kein Muss im Futter – aber als kleiner Gemüseanteil absolut okay.

Kohlrabi (4 %)

Kohlrabi ist mild, bringt ebenfalls Ballaststoffe und ein bisschen Pflanzenmikronährstoffe. In der Praxis ist das vor allem: „kleiner Gemüsebaustein“ – nicht die Hauptfunktion.

Hüttenkäse (3 %)

Hier wird’s interessant: Hüttenkäse liefert zusätzliches Eiweiß und Calcium. Viele Hunde vertragen kleine Mengen Milchprodukt gut – einige reagieren aber empfindlich (Laktose, Unverträglichkeiten). Bei sensiblen Hunden wäre das für mich ein Punkt, den ich im Hinterkopf behalte.

Mineralstoffe (1 %)

Das ist der klassische Baustein, um ein Alleinfutter „rund“ zu machen. Minuspunkt: „Mineralstoffe“ bleibt als Sammelbegriff etwas unkonkret – gerade bei Calcium/Phosphor wäre mehr Transparenz schön.

Rapsöl (0,8 %, raffiniert)

Rapsöl liefert Energie und essenzielle Fettsäuren (u. a. Omega-3-Vorstufen und Omega-6). „Raffiniert“ heißt: stärker verarbeitet als kaltgepresst. Funktional okay – wer extrem auf „so naturbelassen wie möglich“ achtet, hätte hier vermutlich lieber ein kaltgepresstes Öl.

Zusatzstoffe

Enthalten (pro kg):Vitamin D3, Vitamin E, Mangan, Zink, Jod

Das ist ein überschaubarer, typischer Satz an Zusätzen – und grundsätzlich positiv, weil:

  • Vitamin D3 wichtig für Calciumstoffwechsel/Knochen
  • Vitamin E Antioxidans (Zellschutz)
  • Zink u. a. Haut/Fell/Immunsystem
  • Jod Schilddrüse
  • Mangan Knorpel/Bindegewebe-Stoffwechsel

Keine wilde Chemie-Party und eher Basic. Passt.

Nährwerte & NFE: Was steckt rechnerisch drin?

Analytische Bestandteile:
Protein 10,3 % · Fett 7,5 % · Rohasche 1,9 % · Rohfaser 0,4 % · Feuchtigkeit 78,5 %

Getreidefrei?

Ja – in der Rezeptur taucht kein Getreide auf. Damit ist es getreidefrei (und praktisch auch glutenfrei).

NFE (Kohlenhydrate, berechnet)

NFE = 100 − (Protein + Fett + Rohasche + Rohfaser + Feuchtigkeit)
= 100 − (10,3 + 7,5 + 1,9 + 0,4 + 78,5)
= ca. 1,4 % (as fed)

Auf Trockenmasse umgerechnet (weil Nassfutter viel Wasser enthält) sind das grob ca. 6,5 % – also sehr niedriger Kohlenhydratanteil. Für viele Hunde ist das ein Pluspunkt.

Energie grob geschätzt

Mit den üblichen Atwater-Faktoren landet man überschlägig bei rund ~105 kcal pro 100 g. Das ist für Nassfutter recht normal, aber durch den Fettgehalt nicht super „diätig“. Für normal aktive Hunde passt das gut – für sehr gemütliche Kandidaten oder Hunde mit Gewichtsproblemen müsste man genauer portionieren.

Sind die Herstellerangaben klar?

Was ich gut finde:

  • Prozentangaben
  • Aufschlüsselung der Rind-Bestandteile
  • Zusatzstoffe sauber benannt
  • Getreidefreiheit klar kommuniziert

Was mir fehlt (wenn man pingelig sein will):

  • genauere Angaben zu Calcium/Phosphor bzw. Mineralstoffprofil
  • Mono-Protein ist so eine Sache: tierisch ist es klar auf Rind fokussiert – durch Hüttenkäse kommt aber eine weitere Proteinquelle ins Spiel. Für echte Ausschlussdiäten wäre mir das zu wacklig.

Praxistest mit Xenia: Akzeptanz, Verträglichkeit und Optik

Akzeptanz: Volltreffer. Xenia hat alles gefressen – ohne Zögern. Für einen wählerischen Hund ist das wirklich ein Statement.
Verträglichkeit: Nach zwei Wochen: unauffällig, kein Stressbauch, kein „Komischwerden“.
Geruch: Okay trifft es gut – nicht parfümiert, nicht ekelhaft, eher typisches Rind-Nassfutter.
Optik & Konsistenz: Man sieht grobere Stücke und Gemüse. Das wirkt ehrlicher als komplett glatte Pastete.
Dose & Handling: Der Inhalt ließ sich (dosen-typisch) nicht völlig elegant lösen – das ist aber kein Drama.
Verpackung & Infos: Optisch hochwertig, und die Fütterungsempfehlung ist leicht verständlich und deckt mehrere Gewichtsklassen ab – so mag man das.

Unsere Freundin wird es sehr wahrscheinlich beibehalten. Und Xenia würde vermutlich einen Fanclub gründen, wenn sie könnte.

Preisvergleich: teuer oder günstig?

  • 200 g für 1,59 €7,95 €/kg
  • 400 g für 2,49 €6,23 €/kg
  • 800 g für 3,79 €4,74 €/kg

Das ist spannend, weil es zeigt: Die große Dose ist preislich richtig attraktiv, während die kleine Dose eher im „normalen Premium-Bereich“ mitschwimmt.

Im Marktvergleich liegt gutes Nassfutter grob irgendwo zwischen „Discountergünstig“ und „Terra-Canis-teuer“. Mit ~4,74 €/kg (800 g) ist NaturPlus eher günstig bis fair, vor allem für eine Rezeptur mit klarer Deklaration und ordentlichem Fleischanteil. Die 200-g-Dose ist dagegen eher „bequem, aber teurer pro kg“ – typisch.

Kosten

FallbeispielHundegewichtHersteller-Empfehlung (g/Tag)Monatsmenge (kg/30 Tage)800g-Dosen/Monat (aufgerundet)Kosten/Monat (€)Ø Kosten/Tag (€)
15 kg289 g8,67 kg1141,69 €1,39 €
210 kg486 g14,58 kg1972,01 €2,40 €
320 kg817 g24,51 kg31117,49 €3,92 €
430 kg1107 g33,21 kg42159,18 €5,31 €

Fazit: Würde ich es füttern?

Ja – mit ein paar ehrlichen Fußnoten.
Die Rezeptur wirkt solide, die Deklaration ist angenehm transparent, der Kohlenhydratanteil ist sehr niedrig, und in der Praxis hat ein wählerischer Hund das Futter richtig gut angenommen und vertragen. Für den Preis (vor allem in 800 g) ist das insgesamt ein starkes Preis-Leistungs-Paket.

Pluspunkte
  • klare Deklaration inkl. Innereien
  • getreidefrei, sehr niedriger NFE
  • Zusätze überschaubar und sinnvoll
  • gute Akzeptanz im Test
  • große Dose preislich attraktiv
Minuspunkte
  • „Mono-Protein“ ist durch Hüttenkäse nicht ganz so sauber, wie der Begriff klingt
  • Mineralstoffblock bleibt etwas unkonkret (Ca/P wäre spannend)

Für wen passt es besonders gut?
Für adulte Hunde ohne spezielle Ausschlussdiät, die ein getreidefreies Nassfutter mit guter Akzeptanz brauchen – gern auch für mäkelige Kandidaten wie Xenia.

Für wen wäre ich vorsichtiger?
Für Hunde mit sehr empfindlicher Reaktion auf Milchprodukte oder bei strenger Eliminationsdiät (da würde ich ein „wirklich nur eine Proteinquelle“-Futter ohne Hüttenkäse wählen).