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Ernährung

Testbericht: „Black-Angus-Rind mit Truthahn Adult“ von Purizon

Der Beutel von vorne
Der Beutel von vorne
Ich hab dieses Purizon-Trockenfutter jetzt schon mehrere Male für Ylvie gekauft – und das ist bei ihr tatsächlich ein kleines Qualitäts-Siegel. Sie ist 10 Jahre alt, wiegt 20 kg, ist eher sensibel und beim Futter gerne mal… sagen wir: kritisch. Purizon-Trockenfutter klappt bei ihr erstaunlich zuverlässig – während Purizon-Nassfutter bei ihr witzigerweise genau das Gegenteil ist. Diesmal geht’s um „Black-Angus-Rind mit Truthahn Adult“. Wir haben einen Monat getestet, und Ylvie hat’s in Rekordzeit weggeatmet. Verträglichkeit bislang: unauffällig gut.

Hersteller: Wer steckt hinter Purizon?

Purizon ist eine Marke, die im deutschsprachigen Raum vor allem über große Online-Tierbedarfs-Shops bekannt ist. Hinter der Marke steht nach verschiedenen Händler- und Herstellerangaben die MATINA GmbH mit Sitz in München.
Als Gründungsjahr wird in Händlerinfos 2005 genannt. 

Zur Ausrichtung passt das, was Matina selbst kommuniziert: Rezepturen sollen von einem Team aus Tierärzten/Ernährungsspezialisten mitentwickelt werden, außerdem betont man u. a. Verzicht auf Soja, Zucker sowie künstliche Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe und spricht von strengen Qualitätskontrollen. 

Wie groß der Hersteller ist (Mitarbeiterzahl/Umsatz) und ob eigene Produktionsstätten existieren, ist öffentlich nicht richtig greifbar. Händlertexte sprechen eher davon, dass Produkte exklusiv für bestimmte Vertriebskanäle gefertigt werden – das klingt in der Praxis häufig nach Produktion über Partnerbetriebe statt „eigene Fabrik“. 

Was Purizon sonst noch macht: Neben Trockenfutter gibt’s auch Nassfutter-Linien und Snacks. Bei den Snacks wird häufig mit 100 % Fleisch/Fisch/Leber und Gefriertrocknung geworben. 

Die Rezeptur im Überblick: klingt nach viel Tier, ist auch viel Tier – aber ...

Zusammensetzung (absteigend):
20 % frisches Black-Angus-Rindfleisch, 19 % frischer Lachs, 18 % Hühnerfleisch (getrocknet), 8 % Truthahnfleisch (getrocknet), Kartoffel (getrocknet), Süßkartoffel (getrocknet), 7 % Geflügelfett, 3 % Entenfleisch (getrocknet), 3 % Geflügelproteine (hydrolisiert), Erbsen, 1 % Ei (getrocknet), 1 % Lachsöl, Leinsamen, Flohsamenschalen, Äpfel (getrocknet), Karotten (getrocknet), Cranberries (getrocknet), Kräuter-Mix, Chicorée-Inulin.

Hersteller-Claim: „80 % Fleisch/tierische Zutaten, 20 % Obst & Gemüse, 0 % Getreide, 39 % Protein, wenig Kohlenhydrate.“ 

Mein Eindruck dazu: Die Deklaration ist vergleichsweise transparent, weil mehrere Hauptzutaten mit Prozentangaben genannt werden. Gleichzeitig sind typische Marketing-Klassiker dabei, die man einordnen sollte:

  • 80 % Fleisch klingt nach extrem viel, bezieht sich aber meist auf die Summe tierischer Zutaten vor Verarbeitung (inkl. Wasseranteil bei frischem Fleisch/Fisch). Das ist nicht automatisch schlecht – aber ohne genaue Rechenbasis bleibt’s eher Werbesprache als harte Vergleichszahl. 
  • Geflügelfett ist ok, aber nicht genauer spezifiziert (welches Geflügel?). Für Allergiker ist so eine Sammelbezeichnung manchmal ein kleiner Haken.

Ist das Futter getreidefrei?

Ja: Getreide ist in der Zutatenliste nicht enthalten. Die Energie kommt als Kohlenhydratquelle vor allem aus Kartoffel, Süßkartoffel und Erbsen – also grain-free.

Wichtig als fairer Hinweis: Bei getreidefreien Rezepturen mit Hülsenfrüchten (z. B. Erbsen) wird seit Jahren diskutiert, ob bestimmte Zusammensetzungen bei manchen Hunden mit DCM (dilatative Kardiomyopathie) zusammenhängen könnten. Die Datenlage ist komplex; die FDA sammelt weiter Informationen und sieht die Frage nicht als abgeschlossen.
Heißt für mich im Alltag: Nicht panisch werden, aber bei vorbelasteten Hunden/Herzthemen oder sehr leguminosenlastiger Fütterung lohnt es sich, das mit dem Tierarzt einmal sauber zu besprechen.

Nährwerte: sportlich – und nicht für jeden Hund ideal

Analytische Bestandteile:

Einordnung:

  • 39 % Protein ist für ein Adult-Trockenfutter sehr hoch. Das passt gut zu aktiven Hunden – kann bei Senioren mit Nieren-Thematik oder sehr gemütlichen Hunden aber zu viel sein (weil meist auch energiereich).
  • 20 % Fett: energiedicht, oft super für Akzeptanz und Fell – aber bei Neigung zu Übergewicht musst du die Menge wirklich genau im Blick haben.
  • Rohfaser 1,5 % ist eher niedrig. Viele Hunde kommen damit top klar; sehr empfindliche Mägen profitieren manchmal von etwas mehr strukturgebender Faser (muss man individuell sehen).

NFE / Kohlenhydrate

Der NFE-Wert (stickstofffreie Extraktstoffe, grob „rechnerische Kohlenhydrate“) wird typischerweise so geschätzt:

NFE ≈ 100 – (Protein + Fett + Rohfaser + Rohasche + Feuchte)

Die Feuchte ist nicht angegeben; bei Trockenfutter liegen wir häufig irgendwo um 8–10 %. Damit ergibt sich grob:

  • bei 8 % Feuchte: 100 – (39 + 20 + 1,5 + 7,3 + 8) = 24,2 % NFE
  • bei 10 % Feuchte: … = 22,2 % NFE

Also: ca. 22–24 % rechnerische Kohlenhydrate. Das ist deutlich weniger als bei vielen klassischen Supermarkt-Kroketten (die oft sehr stärke-lastig sind), aber eben auch nicht quasi keine. Für low carb im Trockenfutterbereich ist das ordentlich – nur der Begriff „wenig“ ist halt dehnbar.

Wofür sind die einzelnen Zutaten gut?

Tierische Komponenten (Protein, Aminosäuren, Geschmack)

  • Black-Angus-Rind (frisch): liefert hochwertiges Protein und Geschmack; „frisch“ bringt Wasser mit, was die Prozentzahl auf dem Papier größer wirken lässt.
  • Lachs (frisch) + Lachsöl (1 %): Protein plus Omega-3-Fettsäuren (Haut/Fell, entzündungsmodulierend).
  • Huhn/Truthahn/Ente (getrocknet): konzentrierte Proteinlieferanten, weil Wasser bereits entzogen ist.
  • Hydrolysierte Geflügelproteine (3 %): aufgespaltene Proteine, häufig für Akzeptanz und teils bessere Verdaulichkeit eingesetzt; für strenge Ausschlussdiäten trotzdem nicht neutral.
  • Ei (1 %, getrocknet): sehr gut verwertbares Protein, liefert u. a. Aminosäuren und Mikronährstoffe.

Fette (Energie, Fell, Geschmacksträger)

  • Geflügelfett (7 %): Energielieferant, macht Kroketten schmackhafter; aber als Sammelbegriff nicht maximal transparent.
  • Leinsamen: kann Omega-3-Vorstufen liefern und wirkt oft positiv auf Verdauung/Fell.

Kohlenhydrate & Ballaststoffe (Energie, Verdauung)

  • Kartoffel + Süßkartoffel (getrocknet): glutenfreie Stärkequellen, gut verdaulich – aber eben Kohlenhydrate.
  • Erbsen: liefern Stärke, pflanzliches Protein und Faseranteile; sind in grain-free Rezepturen sehr üblich.
  • Flohsamenschalen: binden Wasser, können den Kot stabilisieren (praktisch bei sensiblen Hunden).
  • Chicorée-Inulin: Prebiotikum, Futter für Darmbakterien.

Obst, Gemüse, Kräuter (Mikronährstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe – meist in kleinen Mengen)

  • Äpfel, Karotten, Cranberries (getrocknet): liefern u. a. Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Realistisch sind das bei Trockenfutter oft eher Feinschliff als Hauptwirkung.
  • Kräuter-Mix: ähnlich – nette Ergänzung, aber mengenmäßig meist klein.

Zusatzstoffe: solide Standard-Versorgung, plus DCM-Feeling mit Taurin

Enthalten sind die üblichen Vitamine/Mineralien (A, D3, E, B-Vitamine, Zink, Jod etc.). Auffällig im positiven Sinne:

  • Taurin 1.500 mg: Hunde können Taurin grundsätzlich selbst bilden, aber die höhere Dosierung sieht man oft bei Rezepturen, die Herz-Themen im Hinterkopf haben.
  • DL-Methionin 1.000 mg: essentielle Aminosäure, kann helfen, Aminosäureprofile zu runden (und wird teils auch genutzt, um den Harn-pH zu beeinflussen).

Praxistest mit Ylvie (20 kg, 10 Jahre): so lief’s bei uns

  • Akzeptanz: Schüssel hingestellt und Ylvie ist direkt darüber hergefallen. Und zwar jedes Mal.
  • Verträglichkeit: nach einem Monat keine Auffälligkeiten wie z.B. Kot, Blähungen oder Unruhe.
  • Geruch: für mich unauffällig, nicht dieses extreme Fisch-meets-Fett-Aroma, das manche High-Protein-Kroketten haben.
  • Optik/Haptik: dünne, runde Kroketten.
  • Verpackung: sieht wertig aus, lässt sich leicht öffnen und hat einen Wiederverschluss.
  • Info auf dem Beutel: Fütterungsempfehlung ist leicht verständlich, mit 10 Gewichtsabstufungen (2,5–60 kg).

Preis: eher fair für Protein-betont, aber nicht Schnäppchenklasse

Eure Preise umgerechnet:

  • 100 g / 0,99 €9,90 €/kg (Probiergröße, sowas ist immer teurer)
  • 1 kg / 6,49 €6,49 €/kg
  • 12 kg / 64,99 €ca. 5,42 €/kg

Im Vergleich:

  • Premium-Marken liegen oft um 6–6,5 €/kg (z. B. Orijen 11,4 kg ca. 6,39 €/kg; Wolfsblut 12,5 kg ca. 6,40 €/kg). 
  • Solide Mittelklasse ist häufig eher um 3 €/kg (z. B. Josera 12,5 kg ca. 2,94 €/kg). 

Damit ist Purizon in der großen Tüte preislich ziemlich konkurrenzfähig für ein getreidefreies, sehr proteinreiches Trockenfutter – günstig ist es trotzdem nicht.

Kosten

HundgewichtEmpfehlung pro TagMonatsmenge (30 Tage)Kosten/Monat (12 kg Sack, 5,42 €/kg)Kosten/Monat (1 kg Beutel, 6,49 €/kg)
5 kg90 g2,70 kg14,62 €17,52 €
10 kg152 g4,56 kg24,70 €29,59 €
20 kg255 g7,65 kg41,43 €49,65 €
30 kg347 g10,41 kg56,38 €67,56 €
Pluspunkte
  • Sehr hoher tierischer Anteil in der Rezeptur

    mehrere tierische Zutaten sind weit vorne

  • Getreidefrei

    Kartoffel/Süßkartoffel statt Getreide

  • Gute Akzeptanz im Test

    Ylvie (wählerisch & sensibel) hat es extrem gern gefressen

  • Omega-3-Quelle vorhanden

    Lachs + 1 % Lachsöl für Haut/Fell

  • Sinnvolle Ballaststoffe/Prebiotika (Flohsamenschalen, Chicorée-Inulin)

    oft gut für die Verdauung

  • Deklaration wirkt insgesamt recht klar

    mehrere Prozentangaben bei Hauptzutaten

  • Praktische Verpackung

    wiederverschließbar, leicht zu öffnen

Minuspunkte
  • Viele Proteinquellen (Rind, Lachs, Huhn, Truthahn, Ente, Ei)

    für Ausschlussdiäten/Allergiker-Suche eher unpraktisch

  • Geflügelfett“/„Geflügelproteine nicht genau aufgeschlüsselt

    etwas weniger transparent für sehr sensible Hunde

Fazit: hochwertiges Trockenfutter mit viel Wumms – wenn es zu deinem Hund passt

Deutet die Zusammensetzung auf hochwertig hin? Insgesamt: ja. Du hast klar benannte tierische Zutaten weit vorne, zusätzliche sinnvolle Ballaststoffe/Prebiotika und eine kräftige Nährstoffdichte. Gleichzeitig ist es ein Futter, das nicht für jeden Tag und jeden Hund automatisch perfekt ist – eben weil es sehr protein- und fettreich ist und die „wenig Kohlenhydrate“-Aussage in der Praxis eher „weniger als viele andere“ bedeutet (NFE grob 22–24 %).

Für Ylvie war’s im Test ein Volltreffer: top Akzeptanz, gute Verträglichkeit, angenehme Handhabung. Wenn dein Hund ähnlich mäkelig ist wie sie, ist das hier definitiv ein Kandidat, den man guten Gewissens probieren kann – am besten erst über die kleine Tüte, bevor man gleich den 12-kg-Sack ins Haus schleppt.