Testbericht: „Feine Pastete Huhn pur“ von Winston

Wer steckt hinter Winston?
Winston ist die Tiernahrungs-Eigenmarke der Drogeriekette Rossmann. Rossmann wurde 1972 von Dirk Roßmann gegründet und hat heute seinen Firmensitz in Burgwedel bei Hannover. Das Unternehmen gehört zu den größten Drogeriemarktketten Europas und betreibt mehrere Tausend Filialen mit rund 65.000 Mitarbeitenden.
Winston selbst deckt ein breites Heimtier-Sortiment ab: Nass- und Trockenfutter, Snacks sowie Hygieneprodukte für Hunde, Katzen, Nager und Vögel. Rossmann wirbt damit, dass die Winston-Produkte aus „sorgfältig ausgewählten Zutaten“ bestehen, „schonend produziert“ und gemeinsam mit Tiernahrungsexperten und Tierärzten entwickelt werden, um eine ausgewogene und artgerechte Ernährung zu ermöglichen.
Eigene Futtermittelwerke betreibt Rossmann nicht. Wie bei Drogerie-Eigenmarken üblich, wird das Futter von spezialisierten Lohnherstellern produziert. Die auf der Schale und im Onlineshop angegebene Zulassungsnummer „H = NL-08882“ zeigt, dass dieses Futter in einem Betrieb in den Niederlanden hergestellt wird – welcher genau, wird nicht genannt.
Kurz: großer Händler, Hausmarke Winston, Produktion bei einem externen Tiernahrungshersteller.
Das Produkt im Überblick
- Produkt: Winston „Huhn pur“ (Feine Pastete)
- Art: Nassfutter, Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde
- Verpackung: 175 g Schale in Knochenform
- Preis: 1,19 € pro 175 g → ca. 6,80 €/kg (Rossmann-Angabe: 1 kg = 6,80 €)
Optisch macht die Schale definitiv was her: Knochenform, Rand und Boden mit Knochenmuster – im Regal ein echter „Hach, süß!“-Kandidat. Die Fütterungsempfehlungen und Infos sind gut lesbar und leicht zu verstehen, was im Alltag einfach praktisch ist.
Zusammensetzung laut Deklaration
Zutatenliste (absteigend):
- Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (67 %, davon 100 % vom Huhn)
- Mineralstoffe
- Öle und Fette
- 0,1 % Hefen (ß-Glucan)
Analytische Bestandteile:
- Rohprotein: 10,5 %
- Rohfett: 6,8 %
- Rohasche: 2,0 %
- Rohfaser: 0,6 %
- Feuchtigkeit: 79 %
Zusatzstoffe (pro kg):
Wie hochwertig wirkt diese Rezeptur?
67 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (100 % vom Huhn)
Positiv:
- 67 % tierische Bestandteile sind für ein Drogerie-/Supermarkt-Nassfutter absolut im soliden Bereich.
- „davon 100 % vom Huhn“ bedeutet: Alle tierischen Rohstoffe stammen von einer Tierart → Monoprotein-Huhn. Das ist praktisch für sensible Hunde oder Ausschlussdiäten, wenn Huhn grundsätzlich vertragen wird.
- Kein „bunter Mix“ aus mehreren Tierarten, wie man ihn oft bei sehr günstigen Futtern findet.
Kritisch:
- Es wird nicht aufgeschlüsselt, welche Teile vom Huhn verwendet werden (Muskelfleisch? Herz? Leber? Haut? Knorpel?).
- Der Sammelbegriff „tierische Nebenerzeugnisse“ kann hochwertige Innereien meinen, aber eben auch weniger attraktive Teile wie Sehnen, Bindegewebe oder ähnliches.
- Ein Premium-Futter würde meist schreiben: „Huhn (Muskelfleisch, Herz, Leber …) 67 %“ und die Innereien klar benennen.
Mein Eindruck:
Für eine Drogerie-Eigenmarke: ordentlich, aber nicht „transparent hochwertig“. Du weißt: viel Huhn, aber nicht, welche Hühnerteile genau.
Mineralstoffe
„Mineralstoffe“ steht hier stellvertretend für zugefügte Mineralmischungen, die Calcium, Phosphor, Magnesium etc. liefern. Ohne das wäre ein Alleinfuttermittel auf Dauer nicht bedarfsdeckend. Das ist Standard und völlig sinnvoll.
Öle und Fette
Der Hersteller wirbt mit einer „Kombination aus wertvollen Ölen als natürliche Quelle essentieller Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren“.
- Fett ist für Hunde ein wichtiger Energielieferant und Geschmacksträger.
- Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren unterstützen unter anderem Haut, Fell und entzündungsrelevante Prozesse im Körper.
Aber: Es steht nirgendwo, welche Öle konkret verwendet werden (z. B. Fischöl, Lachsöl, Leinöl, Sonnenblumenöl). Ohne diese Info bleibt von der „wertvollen Öl-Kombi“ leider eher Marketing als echte Transparenz.
Hefen (0,1 %, ß-Glucan)
Hefen werden gerne als „Immunsystem-Booster“ vermarktet:
- Sie liefern natürliche B-Vitamine.
- Die enthaltenen Beta-Glucane können das Immunsystem modulieren und die Abwehrkräfte unterstützen – das ist auch aus der Humanmedizin bekannt.
0,1 % Hefe ist mengenmäßig kein Wundermittel, aber ein sinnvolles kleines Add-on. Die Werbeaussage „Entlastung des Immunsystems durch wertvolle Hefen (β-Glucan)“ ist etwas großspurig, aber nicht komplett aus der Luft gegriffen.
Cassia-Gum (600 mg)
Cassia-Gum ist ein pflanzliches Gelier- und Verdickungsmittel aus den Samen der Cassia-Pflanze. Es sorgt dafür, dass die Pastete formstabil bleibt und nicht zur Suppe zerfließt.
- Technologischer Zusatz, kein Nährstoff.
- In der Tiernahrung üblich und in den angegebenen Mengen unproblematisch.
Vitamine & Spurenelemente – wofür sind die gut?
Die ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe sind der „Feinschliff“, damit das Futter auf dem Papier alle Bedarfswerte abdeckt:
- Vitamin D3: Wichtig für den Calcium- und Phosphorstoffwechsel, also Knochen, Zähne und Muskelkontraktion.
- Vitamin E: Antioxidans, schützt Zellen und Fette im Körper vor Oxidation.
- Biotin + Zink: Klassische Kombi zur Unterstützung von Haut & Fell, Krallen, und am Stoffwechsel beteiligt.
- Jod: Unverzichtbar für die Schilddrüsenfunktion.
- Mangan & Kupfer: Spurenelemente für diverse Enzyme, u.a. im Bindegewebe, bei der Blutbildung und im Energiestoffwechsel.
Das sieht alles absolut nach „normaler, sinnvoller Vollnahrung“ aus – weder besonders spektakulär noch problematisch.
Ist das Futter getreidefrei?
In der Zusammensetzung tauchen keine Getreidearten (Weizen, Mais, Reis, Gerste etc.) auf, auch keine „pflanzlichen Nebenerzeugnisse“, die bei Winston oft als Träger für Ballaststoffe dienen.
Es handelt sich also um eine getreidefreie Rezeptur. Die einzigen nicht-tierischen Anteile sind Mineralstoffmischung, Öle/Fette, Hefe und das Cassia-Gum.
Für Hunde, die getreidefrei gefüttert werden sollen oder Getreide schlecht vertragen, passt dieses Futter daher sehr gut ins Schema.
NFE & Kohlenhydrate
Der NFE-Gehalt („nitrogen free extract“) ist grob gesagt der Anteil an Kohlenhydraten inkl. Stärke & Zucker, der sich aus der Analyse herausrechnen lässt.
Formel (wie es in der Schale ist, „as fed“):
NFE % ≈ 100 % – (Protein + Fett + Rohfaser + Rohasche + Feuchtigkeit)
Mit den plausiblen Werten (Rohfaser 0,6 %):
- Protein: 10,5 %
- Fett: 6,8 %
- Rohfaser: 0,6 %
- Rohasche: 2,0 %
- Feuchtigkeit: 79,0 %
Rechnen wir Schritt für Schritt:
- 10,5 + 6,8 = 17,3
- 17,3 + 0,6 = 17,9
- 17,9 + 2,0 = 19,9
- 19,9 + 79,0 = 98,9
→ 100 – 98,9 ≈ 1,1 % NFE (as fed)
Trockensubstanz (Trockenmasse):
- 100 – 79,0 = 21 %
NFE auf Trockenmassebasis:
- 1,1 / 21 ≈ 0,05 → ca. 5 % NFE in der Trockenmasse
Einordnung:
Das ist sehr wenig – deutlich niedriger als bei vielen Nassfuttern, die oft um 10–20 % NFE in der Trockenmasse liegen. Damit ist Winston Huhn pur tatsächlich ein sehr kohlenhydratarmes, stark fleischlastiges Futter. Aus Hundesicht ist das grundsätzlich positiv.
Wie klar ist die Deklaration?
Positiv:
- Der Gesamtanteil tierischer Bestandteile (67 %) wird genannt.
- Es ist klar angegeben, dass diese ausschließlich vom Huhn stammen → Monoprotein.
- Alle Pflichtangaben zu Nährstoffen und Zusatzstoffen sind vorhanden.
- Fütterungsempfehlung ist gut lesbar und verständlich.
Weniger gut / schwammig:
- „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ist nicht aufgeschlüsselt – du weißt nicht, wie viel Muskelfleisch vs. welche Innereien drin sind.
- „Öle und Fette“ sind nicht näher benannt – Ölquellen bleiben komplett im Dunkeln.
- Die Hefe wird als ß-Glucan-Träger beworben, aber der tatsächliche Gehalt an Beta-Glucan wird nicht spezifisch genannt.
- Die offensichtliche Rohfaser-Panne (6,8 % statt sehr wahrscheinlich 0,6 %) in der Herstellerangabe zeigt: Perfekte Sorgfalt auf dem Etikett ist das nicht.
Auch unabhängige Futtertests bemängeln bei Winston generell eine eher schwammige Deklaration und fehlende Details zur Qualität der verwendeten tierischen Rohstoffe.
Mein Fazit zur Transparenz:
Besser als ganz billige „4-%-Huhn“-Dosen, aber deutlich weniger klar als hochwertigere Marken, die ihr Fleisch sauber in Muskelfleisch, Herz, Leber etc. aufschlüsseln. Ich würde das als solide Mittelklasse-Deklaration mit Luft nach oben einordnen.
Praxistest mit Ylvie (10 Jahre, 20 kg, sensibel & wählerisch)
Jetzt der Teil, der uns im Alltag meistens zuerst interessiert: Frisst der Hund das? Und verträgt er es?
- Testhündin:Ylvie, 10 Jahre, ca. 20 kg, tendenziell sensibel und eher wählerisch.
- Fütterungsmodus: Über etwa eine Woche als Mittagssnack zwischen den eigentlichen Mahlzeiten.
- Akzeptanz: Ylvie fand das Futter super und hat die Schale jedes Mal gerne und vollständig leer gefressen.
- Verträglichkeit: Bisher macht sie einen unauffälligen, zufriedenen Eindruck – kein sichtbares Unwohlsein, das mit dem Futter zusammenhängen würde.
Geruch, Optik & Handhabung
- Geruch: Okay – kein übler Billig-Fleischgeruch, aber auch nichts, was dich beim Öffnen in Euphorie versetzt.
- Textur: Sehr fein, typisch Pastete. Von „extra vielen Fleischstücken“, wie es der Hersteller bewirbt, ist in der Praxis wenig zu sehen – höchstens, wenn man „Stückchen“ sehr großzügig definiert.
- Farbe: Huhn-typisch eher hell, gleichmäßig.
- Aus der Schale lösen: Der Inhalt ließ sich – wie bei diesen Schalen üblich – problemlos und fast rückstandslos aus der Form stürzen.
Verpackung
- Die Knochenform fällt im Regal auf und ist optisch charmant.
- Das Knochenmuster am Rand und Boden ist ein nettes Detail.
- Fütterungsempfehlung und Infos sind gut lesbar und klar strukturiert – kein Kuddelmuddel aus Mikroschrift.
Mein persönlicher Eindruck:
Aus Hundesicht ist Winston Huhn pur ganz klar ein Volltreffer in Sachen Akzeptanz – zumindest bei Ylvie. Wenn ein eher sensibler Hund ein Futter begeistert frisst und es gut wegsteckt, ist das ein echter Pluspunkt.
Preis-Check: teuer oder günstig?
Der Preis laut Rossmann:
- 1,19 € für 175 g
- → ca. 6,80 €/kg
Zum Vergleich:
- Günstige Eigenmarken-Nassfutter im Supermarkt oder bei Discountern liegen oft im Bereich von ca. 2–3 €/kg (z. B. 0,79 € für 400 g → ~1,98 €/kg für einfache Eigenmarken-Pasteten).
- Bessere, getreidefreie Nassfutter aus dem Fachhandel bewegen sich häufig zwischen 4–6 €/kg, einige Premium- oder Vet-Diäten auch darüber.
Einordnung von Winston Huhn pur:
- Preislich liegt das Futter klar über typischen Billig-Eigenmarken.
- Mit 6,80 €/kg kratzt es an dem Bereich, in dem du auch schon einige gut bewertete Fachhandels- und Online-Marken bekommst.
- Die Rezeptur ist gebrauchbar und kohlenhydratarm, aber von der Transparenz her eher Mittelklasse als echtes Premium.
Mein Fazit zum Preis-Leistungs-Verhältnis:
- Als Snack (wie bei Ylvie) oder gelegentliche Zwischenmahlzeit: Preislich okay, vor allem wenn dir Monoprotein-Huhn und die kleine Portionsschale wichtig sind.
- Als alleiniges Hauptfutter auf Dauer: In dieser Preisklasse würde ich persönlich auch andere Marken mit sehr transparenter Deklaration in Betracht ziehen – einfach, weil du für ähnlich viel Geld teilweise noch klarer deklariertes Fleisch bekommst.
Kosten
| Gewicht des Hundes | Futtermenge pro Tag | Schalen pro Tag (rechnerisch) | Kosten pro Tag (ca.) | Kosten pro Monat / 30 Tage (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| 5 kg | 326 g | 1,86 Schalen | 2,22 € | 66,50 € |
| 10 kg | 539 g | 3,08 Schalen | 3,67 € | 109,96 € |
| 20 kg | 888 g | 5,07 Schalen | 6,04 € | 181,15 € |
| 30 kg | 1.167 g | 6,67 Schalen | 7,94 € | 238,07 € |
Gesamtfazit: Für wen eignet sich Winston „Huhn pur“?
- Getreidefreie, sehr kohlenhydratarme Rezeptur
- 67 % tierische Bestandteile, ausschließlich vom Huhn (Monoprotein)
- Sinnvolle Vitamin- und Mineralstoff-Zusätze, plus Biotin & Zink für Haut/Fell
- Hefen mit ß-Glucanen als kleines Extra fürs Immunsystem
- Sehr gute Akzeptanz und bisher gute Verträglichkeit bei einer sensiblen, wählerischen Testhündin
- Keine Aufschlüsselung der tierischen Nebenerzeugnisse → Fleischqualität bleibt unklar
- Ölquellen nicht benannt, trotz Werbeaussage mit „wertvollen Ölen“
- Für eine Drogerie-Eigenmarke relativ hoher Kilopreis, während die Rezeptur nur solide Mittelklasse ist
Mein persönliches Urteil
Winston „Huhn pur“ ist ein solides, getreidefreies Monoprotein-Nassfutter aus der Drogerie, das vor allem als Snack oder gelegentliche Mahlzeit eine ganz gute Figur macht – besonders, wenn dein Hund Huhn gut verträgt und eher mäkelig ist.
Selbst gekauft, selbst getestet – ganz ohne Bestechung! Sponsoring nehmen wir übrigens gerne, aber unsere Meinung bleibt so ehrlich wie der Blick eines Hundes, der auf dem Sofa erwischt wurde.






