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Ernährung

Testbericht: „Gourmet Feine Pastete reich an Rind“ von orlando

Die Schale von vorne
Die Schale von vorne
Wir bekommen immer wieder Mails nach dem Motto: „Testet bitte mehr günstiges Futter!“ Also habe ich mir diesmal beim Lidl-Einkauf (ich bin da aktuell sowieso gefühlt ständig) ganz bewusst ein Budget-Nassfutter geschnappt: orlando „Gourmet Feine Pastete reich an Rind“. Erwartungshaltung: solide Sattmacher-Pastete zum kleinen Preis. Getestet haben wir eine Woche lang, allerdings nur als Snack zwischen den Mahlzeiten. Der Grund ist simpel: Bei einer 20-kg-Hündin als Hauptfutter wären das sonst… sehr viele Schälchen.

Kurz zum Hersteller / zur Marke orlando

orlando ist eine Lidl-Eigenmarke für Hundenahrung – von Trockenfutter über Nassfutter bis Snacks. 
Bei Eigenmarken ist wichtig: Lidl ist die Marke auf dem Etikett, produziert wird häufig von spezialisierten Tiernahrungsherstellern. In Zusammenhang mit orlando wird immer wieder saturn petcare genannt (Private-Label-Spezialist). 

Was man zu saturn petcare gut belegen kann:

  • Gründung/Start: Die Unternehmensgeschichte wird auf 1987 datiert. 
  • Sitz/Standorte: u. a. Bremen (Deutschland) sowie Standorte in den Niederlanden und den USA. 
  • Größe: heristo (die Muttergesellschaft) spricht von rund 1.000 Mitarbeitern an drei Standorten im Pet-Food-Bereich/saturn petcare. 
  • Philosophie/Anspruch: Fokus auf Private Label, Qualität/Compliance, zertifizierte Betriebe (z. B. IFS) und „schnelle time to market“ – klingt nach professionellem Industriebetrieb, nicht nach Manufaktur. 

Produktsteckbrief

  • Produkt: orlando „Gourmet Feine Pastete reich an Rind“
  • Futterart: Nassfutter / Pastete
  • Zielgruppe: Adult (ausgewachsene Hunde)
  • Packungsgröße: 150 g Schale
  • Preis: 0,45 €3,00 €/kg
  • Werbeaussage: „Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde“ (also vollwertig – zumindest rechtlich/konzeptionell)

Unsere Testhündin: Ylvie

Ylvie, 10 Jahre, 20 kg, eher sensibel und bei Futter durchaus wählerisch. Und das ist bei so einer Pastete tatsächlich ein guter Härtetest: Wenn es langweilig riecht oder die Konsistenz sie nervt, lässt sie es gerne mal stehen.

Ergebnis im Alltag:

  • Akzeptanz: gut – sie hat’s zuverlässig gefressen
  • Verträglichkeit: nach einer Woche als Snack unauffällig
  • Geruch: für Menschen neutral/unspektakulär
  • Optik/Konsistenz: sehr fein gemahlen, klassisch Pastete – erwartbar

Zusammensetzung im Check: Was steckt drin?

Deklaration (absteigend nach Menge):
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (14 % Rind), pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (14 % Rind)

Das ist der größte Punkt im Test – im Guten wie im Nervigen.

  • Gut: Tierische Bestandteile sind grundsätzlich der Kern von Hundenassfutter. Darüber kommen Proteine, Fett, Aminosäuren, viele Mikronährstoffe.
  • Nervig/unklar: „tierische Nebenerzeugnisse“ ist ein Sammelbegriff. Darunter können nährstoffreiche Innereien fallen (Leber, Herz etc.), aber eben auch weniger attraktive Teile (Bindegewebe, Hautanteile). Ohne genauere Aufschlüsselung bleibt die Qualität ungenau.

Und: „14 % Rind“ klingt erstmal nach „viel Rind“, heißt aber nur: 14 % der Gesamtmasse sind Rind – was die restlichen tierischen Bestandteile sind, steht hier nicht. Das muss nicht automatisch schlecht sein, ist aber nicht besonders transparent.

Pflanzliche Nebenerzeugnisse

Das kann alles Mögliche sein: Faserstoffe (z. B. Rübenschnitzel), pflanzliche Nebenprodukte zur Stuhlkonsistenz, manchmal auch Stärke-/Reststoffe. Der Punkt ist ähnlich wie oben: funktional möglich, aber unklar deklariert.

Wofür kann das gut sein?

  • liefert Ballaststoffe (können Verdauung und Kotform stabilisieren)
  • kann bei Pasteten die Konsistenz verbessern

Wofür kann das kritisch sein?

  • wenn es hauptsächlich Füllstoff ist, der günstig Volumen macht
  • wenn man eine exakte, nachvollziehbare Zutatenliste erwartet

Mineralstoffe

Standard in Alleinfutter: für Elektrolythaushalt, Knochenstoffwechsel, Nerven/Muskeln usw. 

Ist das hochwertig oder eher minderwertig?

Mein ehrliches Urteil: eher Budget-Mittelmaß – solide, aber nicht „premium“.

Warum?

  • Pluspunkte:
    • Nährwerte wirken grundsätzlich stimmig (dazu gleich mehr)
    • sehr niedriger rechnerischer Kohlenhydratanteil (NFE)
    • einfache Rezeptur, keine lange Additiv-Liste
  • Minuspunkte:
    • Deklaration ist schwammig („tierische Nebenerzeugnisse“, „pflanzliche Nebenerzeugnisse“)
    • keine genaue Aufschlüsselung, wie hoch der gesamte Fleisch-/Tieranteil ist und welche Tierarten außer „Rind“ drinstecken

Wenn du Wert auf maximale Nachvollziehbarkeit legst (z. B. klar definierte Innereien, Muskelfleisch-Anteil, Monoprotein), ist das hier nicht die Liga. Wenn du ein günstiges, unkompliziertes Schälchen suchst, kannst du es gerne ausprobieren.

Nährwerte: Was sagen die Zahlen?

Analytische Bestandteile:

Einordnung

  • Protein (10,5 % as fed): Für Nassfutter normal. Auf Trockenmasse gerechnet (19 % TM) sind das grob ~55 % – das ist ordentlich.
  • Fett (4,5 %): moderat – für viele Hunde gut verträglich, nicht extrem „schwer“.
  • Rohasche (1,5 %): eher niedrig – grundsätzlich angenehm, weil sehr hohe Aschewerte manchmal auf viel Mineral-/Knochenanteil hindeuten können.
  • Feuchte (81 %): typisch Pastete.

NFE (Kohlenhydrate, rechnerisch)

Der NFE wird meist so grob berechnet:
100 − (Protein + Fett + Asche + Faser + Feuchte)

→ 100 − (10,5 + 4,5 + 1,5 + 0,4 + 81,0) = 2,1 % NFE (as fed)

Auf Trockenmasse umgerechnet entspricht das ungefähr ~11 % NFE.
Heißt übersetzt: Kohlenhydrate spielen hier keine große Rolle. Das ist bei vielen Pasteten ein Pluspunkt – gerade für Hunde, die auf sehr stärkehaltiges Futter empfindlich reagieren.

Zusatzstoffe

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe/kg:

Das ist eine überschaubare, sinnvolle Liste.

  • Vitamin D3: wichtig für Calcium-/Phosphorhaushalt, Knochen, Immunsystem.
  • Vitamin E: Antioxidans, Zellschutz, Immunsystem.
  • Mangan: Enzymfunktionen, Knorpel/Bindegewebe, Stoffwechsel.
  • Zink: Haut/Fell, Wundheilung, Immunsystem.

Sind die Herstellerangaben klar oder eher unklar?

Gemischt.

  • Klar: Nährwerte und Zusatzstoffe sind sauber aufgeführt, die Fütterungsempfehlung ist gut verständlich.
  • Unklar: Die Zutatenliste ist sehr Sammelbegriff-lastig. Genau da trennt sich bei Nassfutter oft die Spreu vom Weizen: Transparente Hersteller schreiben genauer hin, was für Nebenerzeugnisse und welche pflanzlichen Bestandteile verwendet werden.

Ist das Futter getreidefrei?

Rein nach der Zutatenliste taucht kein Getreide explizit auf. Aber: „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ kann theoretisch auch Bestandteile enthalten, die aus Getreide stammen. Wenn auf der Packung nicht ausdrücklich „getreidefrei“ steht, würde ich es nicht als garantiert getreidefrei einordnen.

Preis-Leistung: günstig oder teuer?

0,45 € für 150 g = 3,00 €/kg. Damit liegt das Futter ziemlich klar im günstigen Bereich für Nassfutter.

Zum Vergleich, damit du ein Gefühl bekommst: Bei günstigen Supermarkt-/Discounter-Nassfuttern liegt man häufig irgendwo im Bereich ~2,50–5,00 €/kg, während viele Premium-Dosen deutlich darüber liegen.

Aber: Für größere Hunde ist der Preis pro Kilo nur die halbe Wahrheit – die Schälchengröße ist der Haken. Eine 150-g-Schale ist praktisch, aber bei 20 kg Körpergewicht bist du bei Hauptfutter schnell bei mehreren Schalen am Tag. Das wird logistisch nervig (und ergibt ordentlich Verpackungsmüll).

Kosten

HundegewichtHersteller-Empfehlung (g/Tag)Schalen/Tag (rechnerisch)Kosten/Tag (rechnerisch)Kosten/Monat (30 Tage)Schalen/Tag (nur ganze Schalen)Kosten/Monat (nur ganze Schalen)
5 kg358 g2,391,07 €32,22 €340,50 €
10 kg605 g4,031,82 €54,45 €567,50 €
20 kg1.022 g6,813,07 €91,98 €794,50 €
30 kg1.430 g9,534,29 €128,70 €10135,00 €

Für wen passt das – und für wen eher nicht?

Passt gut, wenn …

  • du ein sehr günstiges Nassfutter suchst
  • dein Hund Pastete mag und du etwas brauchst, das gut akzeptiert wird
  • du es als Snack/Topping oder Snack zwischendurch einsetzen willst
  • dein Hund mit eher einfachen Deklarationen klar kommt

Eher nicht ideal, wenn …

  • du Wert auf maximale Transparenz legst (exakte Fleisch-/Organ-Anteile, klare Tierarten)
  • du bewusst Monoprotein fütterst (hier ist nur „14 % Rind“ klar – der Rest nicht)
  • du ein Hauptfutter für größere Hunde suchst, ohne im Schälchen-Stapel zu versinken

Unser Fazit

Die orlando Gourmet Feine Pastete reich an Rind ist genau das, was man von einem Discounter-Schälchen erwarten darf: günstig, unkompliziert, wird (zumindest bei uns) gut gefressen und vertragen. Die Nährwerte wirken stimmig, der rechnerische Kohlenhydratanteil ist niedrig – das gefällt mir.

Kritik gibt’s vor allem bei der Deklaration: „tierische Nebenerzeugnisse“ und „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ sind die klassischen Sammelbegriffe, die zwar legal sind, aber wenig über die echte Rohstoffqualität verraten. Für einen Snack-Test und als gelegentliche Abwechslung ist das okay. Als „mein Hund bekommt nur das – jeden Tag“ wäre es mir persönlich zu ungenau, wenn ich ernährungsbewusst auswählen will.

Pluspunkte
  • Sehr günstig

    0,45 € pro 150 g (≈ 3,00 €/kg) – klarer Budget-Preis.

  • Gute Akzeptanz im Test

    Ylvie (sensibel & wählerisch) hat es gerne gefressen.

  • Bislang gute Verträglichkeit

    über eine Woche als Snack unauffällig.

  • Niedriger rechnerischer Kohlenhydratanteil (NFE)

    ca. 2,1 % „as fed“ (≈ 11 % auf Trockenmasse).

  • Moderates Fett (4,5 %) & ordentlich Protein (10,5 %)

    wirkt insgesamt alltagstauglich

  • Überschaubare Zusatzstoffe (D3, E, Zink, Mangan)

    wirkt nicht überladen.

Minuspunkte
  • Unklare Deklaration

    „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ bleibt schwammig, keine genaue Aufschlüsselung (z. B. Muskelfleisch/Innereien-Anteile).

  • Nur 14 % Rind sind konkret genannt

    welche weiteren tierischen Bestandteile drin sind, bleibt offen.

  • „Pflanzliche Nebenerzeugnisse“ ist ebenfalls ein Sammelbegriff

    kann Ballaststoffquelle sein, kann aber auch eher Füllstoff bedeuten.

  • Getreidefrage nicht eindeutig

    Es steht kein Getreide da, aber über „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ lässt sich Getreide nicht sicher ausschließen (ohne „getreidefrei“-Auslobung).

  • Als Hauptfutter für größere Hunde unpraktisch

    150-g-Schälchen bedeuten schnell viele Einheiten pro Tag + viel Verpackungsmüll.