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Ernährung

Testbericht: „HPC Adult mit Lachs & Kartoffel“ von bosch

Der Beutel von vorne
Der Beutel von vorne
Ylvie durfte sich über einen neuen Test freuen – zumindest theoretisch. Praktisch war sie eher so: „Aha. Und jetzt?“ Ich habe bosch HPC Adult mit Lachs & Kartoffel bei zooplus gekauft, weil mich interessiert hat, ob bosch geschmacklich und inhaltlich einen Schritt weiter ist. Als wir Ylvie damals aus dem Tierschutz bekommen haben, wurde uns bosch-Trockenfutter (mit Lamm) empfohlen, weil sie es dort kannte. Nur: Begeisterung sieht anders aus. Sie hat es gefressen, ja – aber eher nach dem Motto „wenn’s sein muss“. Deshalb war ich ehrlich gespannt, ob sich mit der Lachs-Variante etwas ändert. Nach einer Woche Test kann ich schon mal spoilern: Vertragen hat sie es gut – gefeiert hat sie es nicht.

Kurz zum Hersteller: Wer steckt hinter bosch Tiernahrung?

bosch Tiernahrung ist ein Familienunternehmen aus Blaufelden-Wiesenbach in Baden-Württemberg. Gegründet wurde die Firma 1960 (damals noch mit Fokus auf landwirtschaftliches Nutztierfutter), später kam Hundefutter dazu. Spannend: Schon 1988 startete die Herstellung von Trockenfutter im eigenen Werk (Extrusionslinie), und um 2000 wurde die Produktionsstätte auf hochwertige Trockenfutter-Menüs umgestellt. 

Zur Größe: bosch schreibt, dass über 1.000 Mitarbeiter an modernen Produktions- und Verpackungsanlagen arbeiten; außerdem betont das Unternehmen Qualitätsmanagement und Produktion nach Lebensmittelstandard (u. a. IFS Food). Seit Januar 2020 wird am Standort klimaneutral produziert (laut eigener Aussage) und bosch vertreibt weltweit in über 50 Länder. 

Was stellen sie sonst her? Neben Hunde- und Katzentrockenfutter nennt bosch auch Belohnungssnacks, Funktionssnacks und Backwaren. 

Das Testprodukt im Überblick

Der Hersteller bewirbt das Futter als Vollnahrung für erwachsene Hunde mit normaler Aktivität, mit 14 % frischem Lachs, ohne Weizen, plus „Immun-Komplex“ aus Mannanen & Glucanen, außerdem Kolostrum und Muschelextrakte.
Wichtig: „Ohne Weizen“ heißt hier nicht automatisch „getreidefrei“ – und Spuren glutenhaltigen Getreides können laut Hinweis nicht ausgeschlossen werden.

Energie: 365 kcal / 100 g (ME)

Zusammensetzung: hochwertig oder eher Mittelklasse?

Die Zutaten (absteigend nach Menge) starten mit Geflügelprotein (getrocknet) und frischem Lachs (14 %), danach kommt aber schon der große Block an Kohlenhydratträgern: Hirse, Gerste, Mais, Reis, plus Kartoffeln (getrocknet, 5 %).

Das wirkt eher wie ein solides Mittelklasse-Trockenfutter als wie ein fischlastiges Premium-Menü. Ja, Lachs ist drin – aber 14 % „frisch“ bedeutet nach dem Trocknen und Extrudieren nicht automatisch, dass am Ende auch viel Lachs im Napf landet. Gleichzeitig ist der Kohlenhydratanteil durch mehrere Getreidearten ziemlich prominent.

Positiv wiederum: Der Hersteller nennt zusätzlich Anteil Eiweißträger tierischen Ursprungs (31,5 %) und Anteil tierisches Eiweiß am Gesamteiweiß (66,2 %). Das ist informativer als bei vielen anderen Marken, die sich um solche Zahlen drücken.

Wofür sind die einzelnen Inhaltsstoffe gut – und wo hakt’s?

Tierische Komponenten

  • Geflügelprotein (getrocknet): Konzentrierte Proteinquelle, typischerweise gut verdaulich. Aber: „Geflügel“ bleibt unspezifisch (welche Teile, welche Qualität, welche Tierarten?).
  • Lachs (frisch, 14 %): Liefert hochwertiges Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren (Haut/Fell, Entzündungsmodulation).
  • Geflügelfett: Energielieferant, Geschmacksträger. Auch hier: „Geflügel“ ist recht allgemein.
  • Proteinhydrolysat: Aufgespaltenes Protein, oft zur Akzeptanzsteigerung und besseren Verdaulichkeit – kann bei sensiblen Hunden hilfreich sein.
  • Fischöl: Klassische Quelle für Omega-3 (EPA/DHA), gut für Haut/Fell und kann entzündungshemmend wirken.
  • Grünlippmuscheln (0,1 %): Liefert u. a. Glycosaminoglykane; wird gern zur Unterstützung von Knorpel/Gelenken eingesetzt (Menge ist hier allerdings eher „symbolisch“).

Kohlenhydrate & Ballaststoffe

  • Hirse, Gerste, Mais, Reis, Kartoffeln: Hauptsächlich Energie/Kohlenhydrate. Reis ist oft gut verträglich, Mais und Gerste sind bei manchen sensiblen Hunden eher ein Thema (nicht pauschal schlecht – aber eben häufige Diskussionszutaten).
  • Rübentrockenschnitzel (entzuckert): Ballaststoffquelle, kann die Kotkonsistenz stabilisieren.
  • Erbsen (getrocknet): Pflanzliches Protein + Ballaststoffe; kann bei manchen Hunden blähen.

Darm & „Funktion“

  • Hefe (mit MOS 0,1 % / Beta-Glucane 0,06 %): Präbiotische Effekte, Unterstützung der Darmflora; Beta-Glucane werden oft im Kontext „Immunsystem“ beworben.
  • Chicorée (getrocknet): Liefert Inulin (präbiotisch), ebenfalls Darmflora-Schiene.
  • Kolostrum (0,2 %): Wird häufig als Immun-Support vermarktet; die Frage ist in der Praxis oft weniger „ob sinnvoll“, sondern „ob die Menge im Alltag wirklich spürbar ist“.

Mineralstoffe & „Technologie“

  • Monocalciumphosphat, Kaliumchlorid, Natriumchlorid: Mineralstoffversorgung/Elektrolyte.
  • Antioxidationsmittel (nicht genauer benannt): Hier wird’s leider unkonkret. Viele Hersteller nennen inzwischen genauer, welche Antioxidantien eingesetzt werden.

Sind die Angaben klar oder eher unklar?

Gemischt.

Klar / gut:

  • 14 % frischer Lachs wird konkret genannt.
  • Einige funktionelle Zusätze sind mit Prozenten angegeben (MOS, Beta-Glucane, Kolostrum, Grünlippmuschel).
  • Tierischer Eiweißanteil am Gesamteiweiß wird beziffert.

Unklar / ausbaufähig:

  • „Geflügelprotein“ und „Geflügelfett“ bleiben vage.
  • „Antioxidationsmittel“ ohne genaue Nennung ist nicht besonders transparent.
  • „Ohne Weizen“ ist korrekt, kann aber leicht als „getreidefrei“ missverstanden werden.

Ist das Futter getreidefrei?

Nein. Es enthält Hirse, Gerste, Mais und Reis – also mehrere Getreidearten. „Ohne Weizen“ heißt hier wirklich nur: kein Weizen (und Spuren von glutenhaltigem Getreide sind laut Hinweis trotzdem möglich).

NFE-Gehalt: Was sagt das über den Kohlenhydratanteil?

Der NFE (Nitrogen-free Extract) ist vereinfacht gesagt der rechnerische Anteil an verwertbaren Kohlenhydraten. Dafür bräuchte man idealerweise auch die Feuchtigkeit – die fehlt in den Angaben.

Mit typischen Trockenfutter-Werten gerechnet (ca. 8–10 % Feuchte) landet man grob bei:

  • NFE ≈ 50–52 %

Das ist relativ kohlenhydratlastig – nicht ungewöhnlich für Trockenfutter, aber eben auch nicht low carb. Für sehr aktive Hunde kann das okay sein, für manche sensible oder schnell rund werdende Hunde ist es etwas, das man im Blick haben sollte.

Praxistest mit Ylvie (10 Jahre, 20 kg): Akzeptanz & Verträglichkeit

Akzeptanz: Leider ziemlich mau. Ylvie fand das Futter langweilig, hat nur ein bisschen gefressen und den Rest oft stehen lassen – und das über die ganze Woche. Ab Tag 2 habe ich deshalb einen Topper untergerührt. Damit ging es besser, was für mich ziemlich klar sagt: Es lag am Geschmack, nicht am allgemeinen Appetit.

Verträglichkeit: Dafür gab’s einen Pluspunkt: Sie hat es gut vertragen. Kein Drama im Bauch, keine Auffälligkeiten, zumindest im Rahmen dieses einwöchigen Tests.

Geruch & Optik: Unauffälliger, typischer Trockenfuttergeruch. Die Kroketten sind dreieckig und durchschnittlich groß.

Verpackung: Sie wirkt wertig, lässt sich gut öffnen und wieder verschließen. Die Fütterungsempfehlung ist leicht verständlich und deckt mehrere Gewichte ab.

Preischeck: teuer oder günstig?

Die drei Packungsgrößen:

  • 1 kg: 5,69 € → 5,69 €/kg
  • 3 kg: 15,95 € → ca. 5,32 €/kg
  • 15 kg: 54,96 € → ca. 3,66 €/kg

Unterm Strich ist das im 15-kg-Sack preislich eher günstig bis mittig für ein Marken-Trockenfutter, während die kleinen Beutel eher teuer sind. Wenn du regelmäßig fütterst, macht die große Tüte preislich deutlich mehr Spaß.

Monatliche Kosten nach Fütterungsempfehlung (4 Fallbeispiele)

Für die Rechnung nehme ich den besten Kilopreis (15 kg Sack: ca. 3,66 €/kg).

HundegewichtEmpfehlung pro TagBedarf pro Monat (30 Tage)Kosten/Monat (15 kg-Preis)
5 kg105 g3,15 kgca. 11,54 €
10 kg155 g4,65 kgca. 17,04 €
20 kg255 g7,65 kgca. 28,03 €
30 kg350 g10,50 kgca. 38,47 €

Wenn du nur die 1-kg- oder 3-kg-Beutel kaufst, wird’s entsprechend spürbar teurer (weil der Kilopreis höher ist).

Fazit: Für wen passt das – und wo sehe ich Schwächen?

bosch HPC Adult mit Lachs & Kartoffel ist für mich ein solides, ordentlich zusammengesetztes Trockenfutter, das über Zusätze wie MOS/Beta-Glucane, Chicorée und etwas Fischöl funktional punkten will. Gleichzeitig ist es klar getreidelastig (nicht weizen-, aber keineswegs getreidefrei) und geschmacklich hat es Ylvie leider nicht überzeugt – gerade für wählerische Hunde ist das ein echtes Argument.

Pluspunkte

  • 14 % frischer Lachs, zusätzlich Fischöl (Omega-3)
  • Gute Verträglichkeit im Test (bei sensibler Hündin)
  • Präbiotische Zusätze (MOS, Beta-Glucane, Chicorée)
  • Großer Sack preislich attraktiv (€/kg)
  • Wiederverschließbarer Beutel, klare Fütterungstabelle

Minuspunkte

  • Nicht getreidefrei: Hirse, Gerste, Mais, Reis
  • Akzeptanz im Test schwach – ohne Topper zäh
  • Zutaten teils unkonkret („Geflügelprotein“, „Antioxidationsmittel“)
  • Kohlenhydratanteil (NFE) grob um 50 %

    eher carb-lastig

  • „Ohne Weizen“ kann leicht als getreidefrei missverstanden werden