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Ernährung

Testbericht: "Kennerfleisch Schinken" von RINTI

Die Front der Dose in lila
Die Front der Dose in lila
Letzten Monat war bei uns wieder Ylvies Lieblingshersteller dran: RINTI. Dieses Mal haben wir uns einen Klassiker aus der Kennerfleisch-Reihe vorgenommen: RINTI Kennerfleisch Schinken – einen Monat lang im Alltagstest als Hauptfutter mit einer 10-jährigen, 20-kg-Hündin, die bei Futter alles ist, nur nicht unkompliziert.

Kurzfazit vorweg

Akzeptanz: überragend (Ylvie hat’s in Rekordzeit weggeatmet)
Verträglichkeit: bei uns im Test bisher sehr gut
Deklaration: ordentlich, aber bei Details könnte RINTI transparenter sein
Zutatenbild: viel „Nose-to-Tail“ (Innereien & Co.) – nährstoffreich, aber nicht jedermanns Vorstellung von Premium
Preis: eher günstig bis fair für getreidefreies Nassfutter mit hohem Fleischanteil

Hersteller-Check: Wer steckt hinter RINTI?

RINTI ist keine kleine Garagenmarke, sondern gehört zur Finnern GmbH & Co. KG, einem inhabergeführten Familienunternehmen mit Sitz in Verden (Aller), Niedersachsen.
Finnern wurde laut Unternehmensdarstellung 1983 gegründet und positioniert sich stark über eine „puristische“ Philosophie: viel Fleisch, ausgewählte Zutaten, keine unnötigen Zusätze. 

Was ich spannend fand: Finnern spricht davon, ein breites Sortiment mit mehreren hundert Produkten zu führen – RINTI ist dabei eine der bekanntesten Marken, daneben tauchen u. a. Miamor, Kattovit und Schmusy als Marken aus demselben Haus auf. 

Zur Produktion: Auf der RINTI-Seite wird erwähnt, dass man in zertifizierten Betrieben produzieren lässt – das klingt nach Partnerwerken.

Das Produkt: RINTI Kennerfleisch Schinken – was verspricht es?

Laut Hersteller ist Kennerfleisch ein Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde, getreidefrei, mit hohem Fleisch- und Innereienanteil (70%) und ohne Kohlenhydrate. 
Außerdem wird betont: kein Formfleisch, keine Fleischmehle, kein Soja – und als funktionale Zutaten sind Rübenfaser und Flachsöl mit an Bord. 

Klingt erstmal nach einem soliden, fleischbetonten Nassfutter. Aber wie sieht’s wirklich aus, wenn man die Zutatenliste auseinanderpflückt?

Zusammensetzung im Detail

Zutaten (absteigend nach Menge)

Was daran gut ist

1) Viele tierische Bestandteile, wenig Füllkram
Das Futter ist klar fleischlastig, getreidefrei, und du findest hier keine typischen Billigstrecker wie Weizen, Mais oder Reis

2) Innereien sind nicht automatisch schlecht – im Gegenteil
Leber, Niere und Pansen bringen natürliche Mikronährstoffe mit. Innereien liefern z. B. B-Vitamine, Eisen, Kupfer, Zink und teils sehr hochwertige Proteine. Das ist grundsätzlich artgerecht gedacht.

3) Flachsöl & Rübenfaser sind sinnvoll dosierte Ergänzungen

  • Flachsöl (0,2%) liefert Omega-3-Fettsäuren (ALA) – nett für Haut/Fell und als kleiner Entzündungs-Modulator.
  • Rübenfaser (0,2%) ist ein klassischer Ballaststoff für eine stabilere Verdauung (gerade bei sensiblen oder älteren Hunden oft hilfreich). 

Wo ich kritisch werde

1) Schinken klingt nach Premium – ist aber nur ein Teil der Wahrheit
14% Schinken ist okay, aber die Hauptmasse kommt aus Lunge und mehreren Innereien. Das ist nicht per se minderwertig, aber es ist eben kein viel Muskelfleisch-Rezept.

2) Schwarten & Euter: günstige Rohstoffe mit spezieller Nährstoffqualität

  • Schwarten liefern vor allem Kollagen/gelatineartige Proteine. Das kann Gelenke indirekt unterstützen, ist aber ernährungsphysiologisch nicht so vollwertig wie Muskelfleisch, weil das Aminosäureprofil anders ist.
  • Euter wird in Nassfutter häufig genutzt, bringt Struktur und Fett – ist aber ebenfalls eher ein Nebenprodukt-Baustein.
    Unterm Strich: Das sieht für mich nach solidem Mittelklasse-Fleischmix aus.

3) Mineralstoffe: funktional, aber unkonkret
Mineralstoffe als Angabe ist üblich, aber eben auch ein Sammelbegriff. Welche genau? In welcher Form? Das bleibt offen.

Mein Urteil zur Qualität der Zusammensetzung

Ich würde es so einordnen: gute, fleischbetonte Rezeptur ohne Getreide, mit sinnvollen Extras – aber nicht maximal transparent und deutlich auf Innereien/Nebenerzeugnisse gebaut. RINTI erklärt zwar, dass „tierische Nebenerzeugnisse“ eine EU-Vorgabe ist und man darunter u. a. Innereien versteht.
Das ist fair – trotzdem bleibt: Wie viel ist Lunge, wie viel ist Leber, wie viel ist Pansen? Da könnte man offenere Prozentangaben machen.

Nährwerte, Kalorien und NFE

Analytische Bestandteile

Getreidefrei?

Ja – und der Hersteller nennt es auch explizit getreidefrei. 

NFE (Nitrogen-free Extract) – grobe Kohlenhydrat-Schätzung

NFE wird meist so geschätzt:
100 − (Protein + Fett + Faser + Asche + Feuchte)

Also: 100 − (11 + 8 + 0,6 + 2,5 + 77) = 0,9% NFE (as fed).
Das ist extrem niedrig – passt also zur Herstellerlinie „ohne Kohlenhydrate“ (rein rechnerisch bleiben nur Spuren übrig).

Auf Trockensubstanzbasis (weil 77% Wasser viel „verschluckt“) sieht’s so aus:
Trockensubstanz = 23% → NFE (TS) ≈ 0,9 / 23 × 100 = ca. 3,9%.
Auch das ist weiterhin sehr niedrig. Bedeutet: Für Hunde, die mit viel Stärke nicht gut klarkommen, ist das grundsätzlich ein Pluspunkt.

Zusatzstoffe: sinnvoll?

Drin sind typische ernährungsphysiologische Zusatzstoffe (pro kg):

  • Vitamin D3 (300 IE) – wichtig für Calciumstoffwechsel/Knochen.
  • Vitamin E (40 mg) – Antioxidans, Zellschutz.
  • Zink (30 mg) – Haut, Fell, Immunsystem.
  • Mangan (2 mg) – u. a. Knorpelstoffwechsel.
  • Kupfer (3 mg) – Blutbildung, Pigmentierung, Enzyme. 

Das ist Standard für ein Alleinfutter und aus meiner Sicht völlig okay.

Praxistest mit Ylvie: Realität statt Werbetext

Akzeptanz & Verträglichkeit

Ylvie ist sensibel und wählerisch – und genau deshalb war das hier ein guter Test. Ergebnis: Sie fand’s grandios. Alles weg, schnell weg, Napf blitzblank. Und nach einem Monat: keine auffälligen Verdauungsprobleme, kein Rumoren, kein „ich fress das heute nicht“. Das ist bei ihr tatsächlich keine Selbstverständlichkeit.

Geruch & Optik

Ich bin ehrlich: Der Geruch ist eher unangenehm – typisch wenn innereienlastig. Wer empfindlich ist, braucht vielleicht kurz frische Luft in der Küche.
Optisch: Man sieht grobere Stücke, und Schinken ist auch erkennbar. Das wirkt handfester als viele glatte Pasteten – und viele Hunde feiern genau das.

Portionierung & Dose

Klassisch Dose: Der Inhalt löst sich nicht immer elegant, lässt sich aber gut portionieren. Die Verpackung finden wir gelungen, weil die Sorten farblich unterscheidbar sind.

Infos auf der Dose

Die Angaben sind leicht verständlich, aber die Fütterungsempfehlung ist bei RINTI erstaunlich kurz gehalten: Es werden nur zwei Gewichte genannt (8 kg und 20 kg).
Für ein Alleinfutter fände ich eine etwas feinere Staffelung (oder zumindest ein Bereich nach Aktivität) hilfreicher.

Preisvergleich: günstig oder teuer?

  • 400 g für 1,59 €3,98 €/kg
  • 800 g für 2,65 €3,31 €/kg

Damit liegt das Futter (je nach Gebinde) ungefähr im Bereich 3,3–4,0 €/kg

Meine Einordnung: Für getreidefreies Nassfutter mit hohem Fleisch-/Innereienanteil ist das eher fair bis günstig. Wirklich hochwertige „Muskelfleisch-lastige“ Premiumdosen liegen nicht selten deutlich darüber – Supermarktware mit mehr pflanzlichem Anteil oft darunter. Hier sitzt RINTI ziemlich genau in der soliden Mitte mit gutem Gegenwert.

Kosten

Fallbeispiel (Hund)Empfehlung pro TagMonatsmenge (30 Tage)Günstigste Dosen-KombiMenge gekauftÜberschussKosten/Monat
5 kg300 g9.000 g11× 800 g + 1× 400 g9.200 g200 g30,74 €
10 kg470 g14.100 g18× 800 g14.400 g300 g47,70 €
20 kg800 g24.000 g30× 800 g24.000 g0 g79,50 €
30 kg1.092 g32.760 g41× 800 g32.800 g40 g108,65 €

Für wen ist RINTI Kennerfleisch Schinken eine gute Wahl – und für wen eher nicht?

Passt gut, wenn …

  • dein Hund getreidefrei besser läuft.
  • du ein Futter suchst, das sehr fleischig ist und oft extrem gut angenommen wird.
  • du mit dem „Nose-to-Tail“-Ansatz (Innereien, Pansen etc.) grundsätzlich fein bist.

Würde ich vorsichtiger sehen, wenn …

  • dein Hund auf bestimmte Innereien empfindlich reagiert (manche bekommen von Leber-/Nierenlastigem schneller weichen Kot).
  • du eine Rezeptur willst, die sehr transparent mit Prozentangaben für jede Hauptkomponente ist.
  • du explizit viel Muskelfleisch erwartest – hier stehen Lunge & Innereien klar im Vordergrund.
Pluspunkte
  • Sehr hohe Akzeptanz im Test

    Ylvie hat’s extrem gern gefressen

  • Getreidefrei

    gut für Hunde, die auf Getreide empfindlich reagieren

  • Sehr niedriger NFE/KH-Anteil

    rechnerisch nur ca. ~0,9% „as fed“

  • Ordentliche Nährwerte für ein Adult-Nassfutter

    Protein/Fett im soliden Bereich, 115 kcal/100 g

  • Sinnvolle Zusätze

    Flachsöl (Omega-3) & Rübenfaser (Ballaststoff)

  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

    besonders in der 800-g-Dose

  • Gut portionierbar und sichtbare Stücke (für viele Hunde attraktiv)
Minuspunkte
  • Geruch eher unangenehm

    typisch innereienlastig

  • Deklaration bei den Tieranteilen nicht super transparent

    keine Prozentangaben für alle Komponenten, nur Schinken klar benannt

  • Fütterungsempfehlung recht grob

    wenige Gewichtsabstufungen, wenig Detail

Unser Gesamturteil

RINTI Kennerfleisch Schinken ist für mich ein ehrliches, fleischbetontes Nassfutter aus der Mittelklasse: getreidefrei, sehr niedriger NFE, gute Akzeptanz, dazu ein Preis, der im Vergleich zu vielen Premiumdosen angenehm bleibt. Die Kehrseite ist die Rezeptur-Realität: viel Innerei, dazu Schwarten/Euter, und die Deklaration könnte bei den Tierbestandteilen einfach genauer sein.

Wenn dein Hund so tickt wie Ylvie – wählerisch, sensibel, aber fleischbegeistert – kann das hier ein richtig guter Treffer sein. Wenn du maximale Transparenz oder einen hohen Muskelfleisch-Anteil suchst, würde ich eher in eine andere Schublade greifen.