Testbericht: „Ochsenziemerenden“ von Champs

Kurz zum Hersteller: Wer steckt hinter Champs?
Champs ist keine eigenständige Manufaktur, sondern die Heimtier-/Tierwelt-Marke von HELLWEG (so wird es auch im Zusammenhang mit den Champs-Produkten kommuniziert).
HELLWEG selbst ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, gegründet 1971. Der Firmensitz ist in Dortmund, von dort aus werden 95 Märkte in Deutschland und Österreich gesteuert; außerdem nennt HELLWEG rund 4.000 Mitarbeiter.
Was heißt das für Champs?
Champs wirkt eher wie eine Handelsmarke: ein Sortiment, das im HELLWEG-Umfeld gut funktioniert – von Hundesnacks bis zu ganz anderen Tierprodukten. Im HELLWEG-Shop findet man unter Champs z. B. Hundesnacks (Schweineohren, Rinderpansen, Mix-Snacks), Kauartikel, aber auch Heu/Stroh für Kleintiere und sogar Meisenknödel.
Eigene Produktionsstätten?
Dazu macht HELLWEG bei Champs öffentlich keine klaren Angaben. Aus Verbrauchersicht bleibt also offen, wo genau produziert wird und unter welchen Standards (Herkunft, Trocknungsverfahren, Qualitätskontrollen etc.).
Produktsteckbrief
- Produkt: Champs „Ochsenziemerenden“
- Kategorie: Snack / Kauartikel (Adult)
- Inhalt: 400 g Beutel
- Zusammensetzung: 100% Ochsenziemer
- Analytische Bestandteile:
- Rohprotein80,50%
- Rohfett7,50%
- Feuchtigkeit5,60%
Zutaten- und Nährwertcheck: hochwertig oder eher naja?
Zusammensetzung: Einzelfuttermittel – das ist erstmal ein Plus
„Ochsenziemer“ als einzige Zutat ist grundsätzlich ein gutes Zeichen, weil:
- keine Füllstoffe nötig sind,
- keine Sammelbezeichnung wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ verwendet wird,
- und du ziemlich genau weißt, was im Beutel liegt.
Wofür ist Ochsenziemer gut?
- Kau-Beschäftigung: Ziemer sind zäh und sorgen (je nach Größe) für ordentliche Beschäftigung.
- Zahnpflege-Effekt: Durch das Kauen entsteht Reibung – das kann Beläge mechanisch reduzieren. (Kein Ersatz fürs Zähneputzen, aber besser als „runterschlucken und fertig“.)
- Protein & Kollagen: Der sehr hohe Rohproteingehalt kommt typischerweise aus stark getrocknetem, proteinreichem Gewebe (u. a. Kollagen).
Nährwerte: sehr proteinreich, moderat fettig, sehr trocken
- Rohprotein 80,5%: Bei luft-/trockengetrockneten Kauartikeln ist das üblich und spricht dafür, dass wirklich viel „tierisches Material“ drin ist – aber der Wert entsteht auch, weil Wasser entzogen wurde.
- Rohfett 7,5%: Für viele Hunde okay, für sehr empfindliche Mägen kann auch das schon „arbeiten“.
- Feuchtigkeit 5,6%: Sehr trocken → lange haltbar, aber: Trockenes, zähes Zeug kann bei sensiblen Hunden den Magen-Darm-Trakt eher reizen als ein „saftiger“ Snack.
Getreidefrei?
Ja – mit 100% Ochsenziemer ist der Snack getreidefrei.
Kann man etwas zum NFE-Gehalt sagen?
NFE (stickstofffreie Extraktstoffe) ist vereinfacht „Kohlenhydrate/Restfraktion“ und wird meist so gerechnet:
NFE = 100 – (Protein + Fett + Rohfaser + Rohasche + Feuchtigkeit)
Hier fehlen Rohfaser und Rohasche, deshalb lässt sich der NFE nicht sauber berechnen. Was man aber sagen kann:
Wenn man nur Protein, Fett und Feuchtigkeit abzieht, bleiben 6,4% „Rest“ übrig (100 – 80,5 – 7,5 – 5,6 = 6,4). In dieser Restmenge stecken dann aber auch Rohasche und ggf. geringe Rohfaser – echte Kohlenhydrate sind bei einem reinen Tierprodukt meist sehr niedrig.
Wie klar sind die Herstellerangaben?
Positiv:
- Einzelfuttermittel, klare Zutat, keine lange Liste.
Kritisch:
- Es fehlen Infos wie: Herkunft des Rohmaterials, Trocknungsverfahren, Rohasche/Rohfaser, Energiegehalt, Chargentransparenz.
- Der Werbesatz „aufgrund der guten Verträglichkeit für alle Hunde geeignet“ ist in dieser Absolutheit einfach gewagt – und unser Praxistest zeigt auch warum.
Praxistest mit Ylvie (10 Jahre, 20 kg, sensibel & wählerisch)
Akzeptanz
Ylvie fand den Snack gut – was bei einer wählerischen Hündin schon mal eine kleine Auszeichnung ist. Ochsenziemer haben einfach diese urige Anziehungskraft: riecht streng, schmeckt offenbar fantastisch.
Größe & Kauverhalten: genau hier liegt bei „Enden“ der Knackpunkt
Die Stücke waren bei uns meist ca. 3–4 cm lang. Für manche Hunde ist das super (kleine Portion, schnelle Belohnung, kurze Beschäftigung). Für Ylvie war’s eher das Gegenteil:
Sie hat die Stücke viel zu schnell runtergeschlungen – und ich hatte ziemlich stark den Eindruck, dass sie nicht ordentlich gekaut hat. Das kenne ich übrigens auch von normalen, längeren Ziemern: lange wird super gekaut, aber das letzte Stück wird dann gerne mal runtergewürgt.
Wichtig: Das ist nicht nur „unschön“, sondern kann ein echtes Risiko sein (Verschlucken/Verkanten). Bei Kauartikeln gilt für mich immer: nur unter Aufsicht – und wenn ein Hund zum Schlingen neigt, lieber eine Form wählen, die nicht als „Happen“ durchgeht.
Verträglichkeit: leider Durchfall
Und jetzt der Teil, der bei sensiblen Hunden leider oft entscheidet:
Ylvie bekam – wie befürchtet – Durchfall. Wir haben es 1–2x probiert und mussten das Produkt dann (für uns) konsequent beenden.
Fairnesshalber: Das muss nicht heißen, dass der Snack schlecht ist. Es heißt aber sehr klar: „für alle Hunde geeignet“ stimmt so nicht. Gerade bei empfindlichen Mägen können sehr proteinreiche, stark getrocknete Kauartikel schnell zu viel sein – entweder durch die Menge, durch zu hastiges Fressen oder einfach durch individuelle Unverträglichkeit.
Verpackung, Optik, Geruch
- Verpackung: eher langweilig, aber immerhin klar erkennbar, was drin ist.
- Geruch: für Menschen unangenehm – aber das ist bei Ochsenziemer fast schon Tradition.
- Optik: überwiegend kleine Stückchen, wie erwartet bei „Enden“.
Für wen ist das geeignet – und für wen eher nicht?
Passt gut, wenn …
- dein Hund Ochsenziemer gut verträgt,
- du einen Snack suchst, der Beschäftigung bringt,
- dein Hund vernünftig kaut und nicht schlingt.
Eher nicht ideal, wenn …
- dein Hund sensibel reagiert (Magen-Darm),
- er zum Runterschlingen neigt (gerade bei kurzen Stücken),
- du „universell verträglich“ erwartest.
Mein Tipp aus dem Testalltag:
Wenn du’s ausprobieren willst: klein starten, am besten nach einer normalen Mahlzeit, und die erste Gabe wirklich beobachten. Und bei Hunden wie Ylvie: lieber eine Kauform wählen, die nicht in einem Rutsch verschwinden kann.
Fazit
Die Zutatenliste ist einfach (100% Ochsenziemer), die Nährwerte passen zu einem klassischen, stark getrockneten Kauartikel, und als Beschäftigung kann das wirklich Sinn machen. Gleichzeitig sind die Ochsenziemerenden durch ihre kleine Stückgröße bei manchen Hunden eher ein „Schluckartikel“ als ein Kauartikel – und genau das kann dann in Kombination mit Sensibilität zu dem führen, was bei uns passiert ist: Durchfall und ein klarer Abbruch.
Wenn dein Hund robuste Verdauung hat und gut kaut: kann funktionieren.
Wenn du einen sensiblen Feinschmecker mit empfindlichem Bauch zu Hause hast: ich würde eher vorsichtig sein – oder direkt eine Alternative wählen.
Selbst gekauft, selbst getestet – ganz ohne Bestechung! Sponsoring nehmen wir übrigens gerne, aber unsere Meinung bleibt so ehrlich wie der Blick eines Hundes, der auf dem Sofa erwischt wurde.



