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Ernährung

Testbericht: „Pâté Huhn mit Rindfleisch und Gemüse“ von Encore

Die Schale von vorne
Die Schale von vorne
Letztens hatten wir zum ersten Mal ein Nassfutter von Encore im Test – und ehrlich gesagt war ich neugierig, ob das Premium-Versprechen auch bei den Nassfuttern hält. Diesmal war das Encore Pâté Huhn mit Rindfleisch und Gemüse dran (Adult). Und ja: Unsere Testhündin Ylvie hat sich benommen, als hätte ich ihr gerade ein Festmenü serviert.

Hersteller: Wer steckt hinter Encore?

Encore ist eine Marke des britischen Tierfutter-Unternehmens MPM Products. Laut Unternehmensinfos wurde MPM 2002 gegründet und hat seinen Sitz in Manchester (UK). Encore selbst kam 2008 auf den Markt. Die Marke positioniert sich klar als „natürlich“, mit Fokus auf viel Fleisch, clean label (also wenige, klare Zutaten) und einer eher hochwertigen Anmutung. Neben Encore gehören auch andere Premium-Marken zum Portfolio (z. B. Applaws und Reveal). International ist das Ganze kein Mini-Player mehr: MPM verkauft seine Produkte in über 50 Ländern.
Zur Herstellung kommuniziert Encore/MPM, dass man mit spezialisierten Produktionspartnern in mehreren Ländern arbeitet und dabei auf Rückverfolgbarkeit und Standards aus der Humanlebensmittel-Produktion setzt (das klingt gut – heißt aber eben auch: eher Partnerproduktion statt alles aus einer eigenen Fabrik).

Das Produkt im Überblick

  • Produkt: Encore Pâté „Huhn mit Rindfleisch und Gemüse“ (Adult, Nassfutter)
  • Gebinde: 150 g Schale
  • Preis: 1,24 € pro Schale (entspricht ca. 8,27 €/kg)
  • Verfügbarkeit im Test: einzeln nicht gefunden, nur im Mixpack mit anderen Sorten

Zusammensetzung: hochwertig oder eher Mittelklasse?

Zutaten (absteigend):Hühnchen, Schwein, Rind (4%), Truthahn, Fisch, Karotten (4%), Erbsen (4%), Vitamine, Mineralien.

Was daran gut ist

  • Klare Zutaten statt schwammiger Sammelbegriffe: Es steht nicht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, sondern konkrete Tierarten. Das ist grundsätzlich ein Qualitätsmerkmal.
  • Viele tierische Komponenten stehen vorne: Dass gleich mehrere Fleisch-/Fischzutaten an erster Stelle kommen, spricht dafür, dass der Hauptteil wirklich aus tierischen Quellen stammt (auch wenn nicht alles prozentual angegeben ist).

Was mich kritisch macht

  • Namensgebung vs. Realität: „Huhn mit Rind“ klingt nach zwei Hauptdarstellern – tatsächlich ist Rind mit 4% eher eine Nebenrolle. Und Überraschung: Schwein, Truthahn und Fisch sind auch noch drin. Das ist nicht per se schlecht, aber für sensible Hunde kann vieles auf einmal eben auch vieles, worauf man (allergisch) reagieren kann, bedeuten.
  • Hypoallergen? Schwierig. Ein Futter mit mehreren Proteinquellen (Huhn, Schwein, Rind, Truthahn, Fisch) ist normalerweise keine typische Wahl für Ausschlussdiäten oder echte Allergiker. „Hypoallergen“ wirkt hier eher wie Marketing als wie Ernährungsstrategie.

Wofür sind die einzelnen Bestandteile gut?

Tierische Zutaten

  • Hühnchen: leicht verdauliches Protein, oft gut akzeptiert, liefert Aminosäuren für Muskulatur und Gewebe.
  • Schwein: energiereich, bringt Geschmack und Fett – kann super verträglich sein, ist aber bei manchen Hunden (gerade sensiblen) auch mal ein Thema.
  • Rind (4%): liefert Eisen und B-Vitamine – die Menge ist hier aber eher nur eine Geschmacksnote.
  • Truthahn: mageres Protein, oft gut für empfindliche Mägen.
  • Fisch: kann Omega-3-Fettsäuren liefern (Haut/Fell/Entzündungsmanagement). Aber: Es wird nicht gesagt, welcher Fisch und wie viel.

Pflanzliche Zutaten

  • Karotten (4%):Ballaststoffe, Beta-Carotin – gut für Verdauung und als sanfte Ergänzung.
  • Erbsen (4%): liefern Ballaststoffe, aber auch pflanzliches Eiweiß. Das ist nicht automatisch schlecht – kann jedoch die Eiweißzahl aufhübschen, ohne dass alles tierisch ist. Bei manchen Hunden machen Hülsenfrüchte auch Blähungen.

Zusatzstoffe (ernährungsphysiologisch)

  • Vitamin D3 (140 IU/kg): wichtig für Calcium-/Phosphorstoffwechsel, Knochen und Immunsystem.
  • Calciumiodat:Jodquelle, relevant für Schilddrüse.
  • Zinksulfat: Haut, Fell, Immunsystem, Wundheilung.
  • Kupfersulfat: Blutbildung, Pigmentierung, Enzyme (zu viel wäre kritisch – hier wirkt es im üblichen Rahmen).
  • Manganoxid: Enzyme, Knorpel/Bindegewebe, Stoffwechsel.

Nährwerte & NFE

Analytische Bestandteile:Protein 9,5 %, Rohfett 6 %, Rohfaser 0,5 %, Rohasche 2 %, Feuchtigkeit 81 %.

NFE (stickstofffreie Extraktstoffe) – grob gerechnet

NFE (as fed) ≈ 100 − (Protein 9,5 + Fett 6 + Faser 0,5 + Asche 2 + Feuchtigkeit 81)
= ca. 1 %

Auf Trockensubstanzbasis (weil 81% Wasser die Zahlen stark drückt) liegt das ungefähr bei ~5 %.
Heißt: Ja, das Futter ist sehr kohlenhydratarm – aber „ohne Kohlenhydrate“ stimmt streng genommen nicht, weil Karotten und Erbsen natürlich Kohlenhydrate mitbringen. Es ist eher low carb als no carb.

Deklaration: klar oder unklar?

Gemischt.

  • Klar: konkrete Tierarten, Zusatzstoffe sauber benannt.
  • Unklar: Prozentangaben fehlen für die wichtigsten Zutaten (Hühnchen, Schwein, Truthahn, Fisch). Für ein Premiumprodukt würde ich mir wünschen: Wie viel Fleisch insgesamt? Wie viel von welcher Tierart?
    Außerdem fehlen Angaben, die für ein echtes „ich füttere das täglich“-Gefühl wichtig wären: Energiegehalt, Calcium/Phosphor (gerade bei Senioren relevant), idealerweise auch genauere Mineralstoffwerte.

Getreidefrei?

Ja. In der Zutatenliste taucht kein Getreide auf. (Getreidefrei heißt aber nicht automatisch allergiefrei – siehe viele Proteinquellen.)

Verpackung & Handhabung

Die Schale macht optisch echt was her: goldene Kontur, wertiger Look, im Regal wirkt das eher wie „Feinkost“ als wie Standard-Nassfutter.
Praktisch: Der Inhalt ließ sich sehr leicht aus der Schale lösen (so, wie man es sich bei Schalen wünscht). Visuell ist das Pâté fein gemahlen, eher homogen als mit Stückchen. Der Geruch? Okay – nicht super appetitanregend für Menschen, aber auch nicht unangenehm.

Kleiner Minuspunkt: Die Fütterungsempfehlung ist zwar leicht verständlich, aber oft knapp gehalten – mehr Gewichtsstufen wären hilfreich, gerade wenn man es wirklich als Alleinfutter nutzen will.

Großer Minuspunkt: Auf der Verpackung ist kein deutsches Wort zu finden, was für mich ein No-Go ist, wenn ein Produkt auf dem deutschen Markt angeboten wird. Wir haben es ganz normal bei ZooPlus erworben.

Praxistest mit Ylvie (10 Jahre, 20 kg, sensibel & wählerisch)

Wir haben das Futter eine Woche lang mittags als Snack zwischen den Mahlzeiten gefüttert – also nicht als Hauptfutter.

Ergebnis:

  • Akzeptanz: Volltreffer. Ylvie hat das Pâté in Rekordzeit weggeatmet. Für einen mäkeligen Hund ist das schon eine Ansage.
  • Verträglichkeit: Bis jetzt unauffällig, keine sichtbaren Probleme. (Trotzdem: Eine Woche Snack ist kein Langzeit-Beweis – gerade bei Futtermittelunverträglichkeiten zeigt sich manches erst später oder bei größeren Mengen.)

Preis: teuer oder günstig?

Mit 8,27 €/kg liegt Encore klar im Premium-/oberen Mittelfeld. Zum Vergleich:

  • klassische Nassfutter-„Alltagsdosen“ liegen oft deutlich darunter (häufig um ~3–4 €/kg),
  • viele Marken im Premiumsegment bewegen sich eher um ~7–10 €/kg.

Encore ist also nicht günstig, aber auch nicht das teuerste Futter am Markt. Was man beim Rechnen nicht vergessen darf: Für einen 20-kg-Hund wäre eine 150-g-Schale als Hauptfutter rein mengenmäßig schnell weg – und dann wird es pro Tag preislich und vom Verpackungsmüll her recht sportlich. Als Snack/Topping passt die Portionsgröße dagegen super.

Kosten

Hund (Gewicht)Empfehlung pro TagSchalen pro Tag (150 g)Kosten pro TagKosten pro Monat (30 Tage)
5 kg300 g22,48 €74,40 €
10 kg450 g33,72 €111,60 €
20 kg750 g56,20 €186,00 €
30 kg1050 g78,68 €260,40 €

Für wen ist das Futter geeignet – und für wen eher nicht?

Passt gut, wenn …

  • du ein schmackhaftes Pâté als Snack oder Topping suchst,
  • dein Hund gern weiche, homogene Konsistenz frisst,
  • du getreidefrei füttern willst und Low-Carb interessant findest.

Eher nicht ideal, wenn …

  • dein Hund wirklich Allergiker ist oder du eine Ausschlussdiät machst (zu viele Proteinquellen),
  • du bei Premiumpreisen eine maximal transparente Deklaration erwartest (genaue Fleischanteile, Energie, Ca/P),
  • du ein Futter suchst, das klar nach Monoprotein aufgebaut ist.
Pluspunkte
  • Sehr hohe Akzeptanz im Test

    Ylvie hat alles schnell und begeistert gefressen.

  • Getreidefrei
  • Kohlenhydratarm

    NFE rechnerisch ca. 1% as fed (≈ 5% in TS).

  • Konkrete Tierarten

    statt Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.

  • Tierische Zutaten stehen vorne in der Reihenfolge

    grundsätzlich ein gutes Zeichen.

  • Ordentliche Zusätze

    u. a. Vitamin D3, Zink, Jod, Kupfer, Mangan für Basisversorgung.

  • Schöne, wertige Verpackung (goldene Kontur) und sehr einfache Entnahme aus der Schale.
Minuspunkte
  • „Huhn mit Rind“ wirkt etwas irreführend

    Rind ist nur 4%, dafür sind auch Schwein, Truthahn und Fisch drin.

  • Hypoallergen-Claim kritisch

    Viele verschiedene Proteinquellen – für echte Allergiker/Ausschlussdiäten eher ungeeignet.

  • Deklaration nicht komplett transparent

    Für Huhn/Schwein/Truthahn/Fisch fehlen Prozentangaben; Fisch ist nicht näher definiert.

  • Als Alleinfutter teuer und schalenintensiv

    Bei größeren Hunden braucht man viele Schalen pro Tag.

Unser Urteil

Encore Pâté „Huhn mit Rindfleisch und Gemüse“ ist ein sehr gern gefressenes, getreidefreies Nassfutter mit kohlenhydratarmem Profil und grundsätzlich ordentlich klingender Zutatenliste. Gleichzeitig wirkt das Produkt an ein paar Stellen „premium glänzend, aber nicht komplett premium poliert“: Rind nur 4%, viele Proteinquellen trotz hypoallergen-Anmutung und zu wenig Detailtiefe bei den Hauptzutaten.

Als Snack: klare Empfehlung – Ylvie hat’s gefeiert.
Als tägliches Alleinfutter: möglich, aber ich würde es nur nehmen, wenn du mit der weniger detaillierten Deklaration leben kannst (oder Encore an der Stelle noch nachlegt).