Testbericht: „Protein Centres Mini, Huhn" von CRAVE

Hersteller: Wer steckt hinter CRAVE™?
CRAVE™ ist keine kleine Manufaktur, sondern eine Marke aus dem Mars-Petcare-Kosmos. Laut Mars wurde CRAVE™ als Marke im Jahr 2017 gestartet (damals mit dem Versprechen: viel tierisches Protein, „ancestral“ inspiriert, ohne Getreide).
Mars selbst ist ein sehr großer, familiengeführter Konzern (gegründet 1911) mit Hauptsitz in McLean (Virginia, USA).
Für Deutschland ist die Mars GmbH in Verden (Aller) im Impressum genannt. Mars Petcare beschreibt seine Leitidee gern mit „A Better World for Pets“ und nennt global über 100.000 Mitarbeitende im Petcare-Bereich.
Spannend (und für „Wer produziert eigentlich?“ relevant): Mars betreibt in Verden auch Produktion und baut diese immer wieder aus – dort werden laut Mars u. a. bekannte Heimtier-Marken gefertigt. Ob genau dieser Snack in einer eigenen Mars-Anlage hergestellt wird oder extern, bleibt auf der Produktseite aber offen.
Welche anderen Produkte macht CRAVE™? Auf der deutschen CRAVE-Seite findest du neben Snacks auch Trocken- und Nassfutter sowie mehrere Snacklinien.
Produkt-Steckbrief
- Produkt: CRAVE™ Protein Centres Mini, Huhn
- Zielgruppe: Adult (laut Seite)
- Packung/Preis: 72 g für 2,27 €
- Fütterungshinweis (wichtig!): Laut Hersteller nicht geeignet für Hunde über 15 kg sowie nicht für Welpen unter 9 Monaten.
- Unser Testhund: Ylvie, 10 Jahre, 20 kg (also offiziell außerhalb der Empfehlung)
Zutatenliste im Klartext: hochwertig oder eher „Snack-Trick“?
Zusammensetzung (absteigend):natürliches Huhn (34,3%), Kartoffelstärke, Rohhaut, Glyzerin, Tapiokastärke, Karamel, Rapsöl.
Was bringen die einzelnen Zutaten?
Natürliches Huhn (34,3%)
Klingt gut – und ist auch der „beste“ Teil der Liste. Aber: 34,3% ist für einen „Protein“-Snack nicht wahnsinnig viel. Danach kommen direkt Stärken und Rohhaut. Heißt unterm Strich: Es ist kein „Fleischsnack“, sondern eher ein Kauartikel mit Fleischanteil.
Kartoffelstärke & Tapiokastärke
Beides sind Kohlenhydrat-Binder. Sie sorgen für Form, Struktur, Haltbarkeit – ernährungsphysiologisch sind es im Snack-Kontext vor allem „Füllstoffe“, die schnell verfügbare Energie liefern.
Rohhaut
Rohhaut ist der klassische Kauartikel-Kern. Sie liefert vor allem Kollagen/Protein, ist aber schwerer verdaulich als echtes Muskelfleisch. Bei manchen Hunden kann Rohhaut – je nach Kauverhalten – auch ein Thema sein (Schlingen, größere Stücke, Magen-Darm-Sensibilität). Für „lange Beschäftigung“ kann es funktionieren, ist aber nicht automatisch „hochwertig“.
Glyzerin
Ein Feuchthaltemittel. Es hält den Snack geschmeidiger, verhindert Austrocknung und macht ihn oft etwas „kaubarer“. Aus Sicht vieler Halter ist Glyzerin okay, aber eben klar ein technologischer Zusatz, kein Qualitätsmerkmal.
Karamel
Meist Farbstoff/Bräunung – für den Hund ziemlich unnötig, eher was fürs menschliche Auge.
Rapsöl
Liefert Fett und Fettsäuren, verbessert oft auch ein bisschen die Akzeptanz. In der Menge hier wirkt es eher wie Abrundung.
Mein Eindruck zur Wertigkeit
Die Rezeptur wirkt wie ein typischer Industrie-Kausnack: Fleischanteil als Argument, dazu Stärke für Form und Rohhaut für Kauen. Das ist nicht per se schlecht, aber Premium fühlt sich inhaltlich nur begrenzt an – vor allem, weil nach dem Huhn direkt zwei Stärkequellen kommen.
Nährwerte: Was sagen die Zahlen wirklich?
Analytische Bestandteile:Protein 33,7%, Fett 2,5%, Rohasche 1,5%, Rohfaser 0,10%. Energie: 355 kcal/100 g (ME).
Protein: hoch – aber woraus?
33,7% Protein klingt erst mal stark. Bei Rohhaut-Produkten kommt ein ordentlicher Anteil Protein jedoch aus Kollagen (bindegewebig) und ist biologisch nicht automatisch so „wertvoll“ wie Protein aus Muskelfleisch. Für einen Snack ist es trotzdem okay – nur sollte man nicht denken, man füttert hier „mageres Hühnerfilet in Stickform“.
Fett: sehr niedrig
2,5% Fett ist wenig. Das kann gut sein, wenn du bewusst fettarm snacken willst. Nachteil: Fett ist ein Geschmacksträger – sehr niedriger Fettgehalt kann bei wählerischen Hunden zu „meh“ führen. Spoiler: Ylvie war Team „meh“.
Getreidefrei?
Ja: Es ist getreidefrei, weil keine klassischen Getreidearten auftauchen.
Aber: getreidefrei heißt nicht automatisch kohlenhydratarm – Kartoffel- und Tapiokastärke sind am Ende ebenfalls viel Carb.
NFE (Kohlenhydrate) – kann man was dazu sagen?
Ehrlich: nur eingeschränkt. Für eine saubere NFE-Berechnung bräuchte man den Feuchtegehalt, der hier nicht angegeben ist.
Man kann aber grob abschätzen: Rechnet man bei solchen Snacks (je nach Art) mit ca. 14–18% Feuchtigkeit, läge der NFE ungefähr bei 44–48%:
- NFE ≈ 100 − (Protein 33,7 + Fett 2,5 + Asche 1,5 + Faser 0,1 + Feuchte 14–18)
- ⇒ NFE ≈ 48,2% (bei 14% Feuchte) bis 44,2% (bei 18% Feuchte)
Das passt auch zur Zutatenliste (viel Stärke). Kurz: eher kohlenhydratlastig – für einen Kausnack normal, aber nicht super fleischig.
Zusatzstoffe & Transparenz: klar oder eher nebulös?
Zusatzstoffe: „Antioxidanzien und Konservierungsstoffe“ – ohne genaue Nennung.
Das ist für mich ein Minuspunkt: Wenn ein Hersteller schon mit „wenigen Zutaten“ wirbt, wäre es konsequent, auch bei den Zusatzstoffen transparent zu sein. Welche Antioxidanzien? Welche Konservierungsstoffe? – bleibt offen.
Außerdem wirkt die Produktbeschreibung stellenweise sehr marketinglastig. Das Stichwort „Textur … von der Europäischen Gesellschaft für Tierzahnheilkunde empfohlen“ klingt toll, bleibt aber ohne Details (welches Verfahren, welche Kriterien, worauf genau bezieht sich die Empfehlung?).
Praxistest mit Ylvie: Akzeptanz, Geruch, Verträglichkeit
Verpackung: Optisch richtig schick. Dieses dunkle CRAVE-Design sieht im Regal hochwertig aus – da hat mich die Marke sofort.
Geruch: Unauffällig
Optik/Handling: Bei uns waren es zwei Sticks, durchschnittliche Größe, nichts superhart, aber auch nicht weich.
Akzeptanz: Und jetzt kommt der Dämpfer. Ylvie ist sensibel und wählerisch – aber normalerweise zieht „Haut + irgendwas drum“ bei ihr ganz gut. Hier war sie erstaunlich unbeeindruckt: Blick zu mir, als wollte sie sagen: „Hast du noch was anderes?“
Sie hat erst ewig dran geleckt (macht sie oft, wenn etwas nicht ihr Ding ist), dann langsam gekaut – und am Ende zwar aufgefressen, aber eher nach dem Motto „wenn’s sein muss“. Begeisterung? Fehlanzeige.
Verträglichkeit: Positiv: Sie hat es gut vertragen (wir haben einmalig getestet, je 2 Sticks).
Beschäftigung: Wenn Ylvie dann losgelegt hat, war sie erstaunlich schnell fertig. Eine lange Beschäftigung ist daher eher nicht zu erwarten. Vielleicht eine Minute pro Stick.
Wichtig: Laut Hersteller ist der Snack nicht für Hunde über 15 kg gedacht. Ylvie liegt mit 20 kg drüber – aber das hat nichts mit dem Geschmack zu tun, sondern mit der Größe/Menge des Snacks.
Preis: teuer oder günstig?
2,27 € für 72 g entsprechen ca. 31,53 €/kg.
Im Vergleich zu ähnlichen „Huhn + Kauartikel“-Snacks liegt das im Mittelfeld:
- Rinti Chicko Kaustange mit Huhn liegt z. B. um 36,60 €/kg.
- 8in1 Delights (je nach Packung/Größe) findet man u. a. um 35–51 €/kg.
- Es gibt aber auch deutlich günstigere Hühnersnacks (z. B. WOOLF-Angebote um 21,10 €/kg – je nach Shop/Produkt).
Fazit zum Preis: Nicht Premium teuer, aber auch kein Schnäppchen. Für das, was drin ist (viel Stärke + Rohhaut), hätte ich persönlich etwas mehr Fleischgefühl erwartet.
Fazit: Mein ehrliches Urteil
CRAVE™ Protein Centres Mini, Huhn ist ein solide gemachter, getreidefreier Kausnack – aber er fühlt sich für mich mehr nach „Formel für Kauartikel“ an als nach hochwertigem Protein-Leckerli. Pluspunkte gibt’s für die ordentliche Verträglichkeit im Test, die schlichte Zutatenliste auf dem Papier und das angenehme Packaging. Minuspunkte gibt’s für die eher schwammigen Zusatzstoffangaben, den hohen Stärkeanteil, Rohhaut als Hauptträger.
Ich werde es nicht erneut kaufen – einfach, weil Ylvie keine Freude daran hatte und ich für den Preis Snacks finde, die bei ihr zuverlässiger zünden.
Pluspunkte
- Getreidefrei
- Unauffälliger Geruch, handliche Sticks
- Im Test gut vertragen
- Preislich eher mittig (≈ 31,53 €/kg)
- Schöne, hochwertige Verpackungsoptik
- Proteinwert wirkt hoch
Minuspunkte
- Viel Stärke (Kartoffel-/Tapiokastärke)
vermutlich hoher NFE
- Rohhaut als großer Bestandteil: ernährungsphysiologisch begrenzt, nicht für jeden Hund ideal
- Zusatzstoffe nur pauschal genannt
(„Antioxidanzien und Konservierungsstoffe“)
- Akzeptanz bei sensibler/wählerischer Hündin eher schwach
Selbst gekauft, selbst getestet – ganz ohne Bestechung! Sponsoring nehmen wir übrigens gerne, aber unsere Meinung bleibt so ehrlich wie der Blick eines Hundes, der auf dem Sofa erwischt wurde.





