Testbericht: „Rindertopf“ von Loisachtaler

Hersteller kurz vorgestellt: Wer ist Loisachtaler Hundenaturkost?
Loisachtaler Hundenaturkost wurde laut eigener Darstellung 2012 gegründet und ist ein Familienunternehmen.
Der Sitz (und auch die Produktion) liegt in 82431 Kochel am See. Das ist tatsächlich unser Nachbarort.
Philosophie (vereinfacht auf den Punkt): „ehrliches Hundefutter“ – viel Wert auf schlachtfrisches Fleisch in Lebensmittelqualität, klare Deklaration und konsequenter Verzicht auf chemische Zusätze/Lockstoffe.
Spannend (und für uns ein echtes Qualitäts-Indiz): Der Hersteller beschreibt den Aufbau einer eigenen Produktion – in einer ca. 750 qm Halle in Kochel am See; seit Mai 2020 soll dort die eigene Abfüllung laufen.
Was stellt Loisachtaler sonst noch her? Neben Menü-Sorten wie dem Rindertopf gibt es u. a. weitere Töpfe (z. B. Geflügel-, Jäger-, Lachs-Varianten), außerdem „Pur“-Sorten und Ergänzungen.
Das Produkt im Überblick: „Rindertopf“
- Futterart: Nassfutter
- Deklaration:Ergänzungsfuttermittel (wichtig, dazu gleich mehr)
- Proteinquelle: nur Rind (Monoprotein im tierischen Anteil)
- Erhältlich als: 200 g, 400 g, 800 g (Dose)
Zusammensetzung: hochwertig oder eher naja?
Zutaten (nach Menge absteigend)
- 91 % schlachtfrisches Rind (70 % Muskelfleisch, 30 % Innereien)
- 5 % Karotten
- 4 % Nudeln
- Algenkalk zur Calciumversorgung (je nach Dosen-Größe dosiert)
Der Hersteller konkretisiert die Innereien sogar noch: Der Innereien-Anteil setzt sich u. a. aus Leber, Herz, Kehlkopf und Lunge zusammen.
Meine Einschätzung zur Qualität der Rezeptur
Das liest sich insgesamt deutlich wie sehr hochwertiges Nassfutter – vor allem wegen:
- sehr hohem Fleischanteil (91 %)
- klarer Aufschlüsselung (Muskelfleisch/Innereien – und Innereien sogar benannt)
- keine Sammelbegriffe wie „tierische Nebenerzeugnisse“
Aber: Zwei Punkte muss man ehrlich ansprechen:
- Es ist ein Ergänzungsfuttermittel. Das heißt: Es ist nicht automatisch als alleinige, dauerhafte Vollversorgung gedacht (zumindest nicht ohne sinnvolle Ergänzungen/Abwechslung).
- „Vitamine im natürlichen Anteil“ klingt nett, ist aber inhaltlich ziemlich schwammig – es fehlen konkrete Angaben zu Spurenelementen/Vitaminen, wie man sie bei Alleinfutter oft findet.
Wofür sind die einzelnen Inhaltsstoffe gut?
- Rind (Muskelfleisch): liefert gut verwertbares Protein für Muskulatur, Enzyme, Immunsystem – und je nach Teilstück auch Energie.
- Innereien (Leber, Herz etc.): natürlicher Lieferant für Mikronährstoffe (z. B. Vitamin A aus Leber). Gleichzeitig sind Innereien stärker im Geschmack – viele Hunde lieben das (Ylvie definitiv).
- Karotten (5 %): bringen Ballaststoffe (Darmflora/ Kotkonsistenz), außerdem Beta-Carotin.
- Nudeln (4 %): liefern leicht verfügbare Energie (Kohlenhydrate) und machen die Rezeptur etwas sämiger. Für manche sensible Hunde sind Nudeln ok – für Hunde mit Getreide-Allergie eher nicht ideal.
- Algenkalk: dient der Calciumversorgung – gerade bei fleischlastigen Rezepturen sinnvoll, um das Mineralstoffverhältnis nicht komplett kippen zu lassen.
Analytische Bestandteile: Was sagen die Werte aus?
Angaben (as fed / im Futter):
Rohprotein 12,3 % · Rohfett 5,30 % · Rohasche 1,30 % · Rohfaser 0,40 % · Feuchte 79 % · Calcium 0,169 % · Phosphor 0,130 %
Einordnung
- Protein (12,3 %): für Nassfutter ein guter Wert (auf Trockenmasse umgerechnet sogar sehr hoch – siehe unten).
- Fett (5,3 %): eher moderat. Für Senioren, gemütliche Hunde oder empfindliche Mägen oft angenehm. Sehr aktive Hunde könnten damit aber schneller zu wenig Energie bekommen.
- Rohasche (1,3 %): niedrig – das wirkt meist positiv (weniger mineralische Reststoffe).
- Calcium/Phosphor: Verhältnis ca. 1,3 : 1 (0,169 zu 0,130) – das liegt im üblichen, sinnvollen Bereich für erwachsene Hunde.
Ist das Futter getreidefrei?
Nein. Durch die Nudeln ist es sehr wahrscheinlich nicht getreidefrei (Nudeln sind in der Regel weizenbasiert). Wenn dein Hund auf Getreide reagiert, wäre das ein klarer Minuspunkt.
NFE-Gehalt (Kohlenhydratanteil rechnerisch)
Der NFE ist ein rechnerischer Wert (Stickstofffreie Extraktstoffe), grob gesagt: Kohlenhydrate + lösliche Bestandteile, die nicht als Protein/Fett/Faser/Asche/Wasser erfasst sind.
Berechnung (as fed):
100 − (12,3 + 5,3 + 1,3 + 0,4 + 79,0) = ca. 1,7 % NFE
Das ist sehr niedrig – was zur Rezeptur passt (viel Fleisch, wenig pflanzlicher Anteil). Auf Trockenmasse-Basis (weil 79 % Wasser enthalten sind) entspricht das grob ~8 % NFE – immer noch eher „low carb“.
Wie klar sind die Herstellerangaben?
Positiv:
- Fleischanteil sehr konkret
- Muskelfleisch/Innereien aufgeschlüsselt
- Innereien sogar benannt
Kritisch:
- „Vitamine im natürlichen Anteil“ bleibt vage
- Nudeln werden nicht genauer beschrieben (Weizen? Ei? Vollkorn? – für Allergiker wäre das wichtig)
- Als Ergänzungsfutter fehlt naturgemäß die komplette Nährstofftransparenz, die man bei Alleinfutter erwarten würde
Praxistest mit Ylvie: Akzeptanz, Optik, Geruch, Verträglichkeit
Akzeptanz: Volltreffer. Und das ist bei Ylvie wirklich erwähnenswert: Sie ist normalerweise die Sorte Hund, die erst mal skeptisch reinschaut. Beim Rindertopf war das anders – Der Napf war leer in Rekordzeit.
Verträglichkeit: Nach einer Woche: bis jetzt unauffällig gut (kein Rumoren, kein Durchfall, keine Mäkel-Phase nach Tag 3).
Geruch: Für Menschen unaufdringlich, nicht parfümiert, nicht überwürzt.
Optik: Man sieht gröbere Stücke und auch Karotten – wirkt insgesamt eher wie echtes Essen als wie gleichförmige Pastete.
Dose & Handling: Pluspunkt: Der Inhalt ließ sich erstaunlich gut aus der Dose lösen (wer regelmäßig Dosenfutter füttert, weiß: Das ist nicht selbstverständlich).
Verpackung: Modern, übersichtlich. Die Fütterungsempfehlung ist leicht verständlich, aber: nur drei Gewichte als Orientierung – da wären ein paar weitere Gewichtsangaben hilfreich.
Preis: günstig oder teuer?
Eure Preise
- 200 g: 2,20 € → 11,00 €/kg
- 400 g: 3,20 € → 8,00 €/kg
- 800 g: 4,95 € → 6,19 €/kg
Einordnung im Markt (grob):
- Standard-Nassfutter liegt oft um ~3–4 €/kg (Beispiele: Rinti/Animonda im Preisvergleich).
- Premium-Marken können schnell bei ~9–11 €/kg landen (z. B. Terra Canis).
Damit ist der Rindertopf (vor allem in 800 g) nicht billig, aber auch nicht „Luxusklasse“ – eher gehobenes Mittelfeld mit ordentlich Fleischanteil als Argument.
Monatskosten nach Hersteller-Fütterungsempfehlung
Für die Berechnung nehme ich den besten Kilopreis (800 g Dose: 6,19 €/kg) – weil die meisten Haushalte ohnehin portionieren und den Rest im Kühlschrank lagern.
| Hundegewicht | Tagesration | Monatsmenge (30 Tage) | Monatskosten (bei 6,19 €/kg) |
|---|---|---|---|
| 5 kg | 175 g | 5,25 kg | ca. 32,48 € |
| 10 kg | 375 g | 11,25 kg | ca. 69,61 € |
| 20 kg | 575 g | 17,25 kg | ca. 106,73 € |
| 30 kg | 775 g | 23,25 kg | ca. 143,86 € |
Wichtig: Wenn du überwiegend 200-g- oder 400-g-Dosen kaufst, wird es spürbar teurer (weil der Kilopreis dann deutlich höher ist).
Fazit: Für wen ist der Rindertopf eine gute Idee?
Der Loisachtaler Rindertopf wirkt auf uns wie ein sehr ehrliches Nassfutter: viel Rind, überschaubare Zutatenliste, wenig unnötiger Kram – und im Napf hat es bei Ylvie richtig gut funktioniert. Wenn du ein Futter suchst, das fleischbetont ist und ohne Zusatzstoff-Feuerwerk auskommt, bist du hier ziemlich nah dran.
Der größte Haken ist gleichzeitig der, den viele beim Kaufen überlesen: Ergänzungsfuttermittel. Das ist nicht per se schlecht – aber es heißt eben: Nicht blind als alleinige Dauerernährung verstehen, sondern sinnvoll kombinieren (z. B. über einen passenden Plan, Ergänzungen oder Rotation).
Pluspunkte
- Sehr hoher Fleischanteil (91 %)
- Muskelfleisch/Innereien aufgeschlüsselt, Innereien benannt
- Monoprotein im tierischen Anteil (nur Rind)
- Niedrige Rohasche, moderates Fett (oft gut verträglich)
- Gute Akzeptanz im Test, bislang gute Verträglichkeit
- Optik/Handling überzeugend (Stücke erkennbar, lässt sich gut entleeren)
Minuspunkte
- Ergänzungsfuttermittel
nicht automatisch vollwertig als Alleinversorgung
- Nicht getreidefrei (Nudeln)
- Fütterungstabelle auf der Verpackung könnte detaillierter sein
Selbst gekauft, selbst getestet – ganz ohne Bestechung! Sponsoring nehmen wir übrigens gerne, aber unsere Meinung bleibt so ehrlich wie der Blick eines Hundes, der auf dem Sofa erwischt wurde.








